Bleibt der US-Dollar auch nach der Krise die Welt-Reservewährung?

Die Ausnahmestellung des US-Dollar als dominante Weltreservewährung ist das Ergebnis der Rivalitäten der europäischen Weltmächte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Durch die zwei Weltkriege, die überwiegend auf europäischen Boden ausgetragen wurden, setzte der Zerfall der vormals dominierenden europäischen Kolonialmächte ein mit Großbritannien an der Spitze. Dies gab den

dopla.jpgDie Ausnahmestellung des US-Dollar als dominante Weltreservewährung ist das Ergebnis der Rivalitäten der europäischen Weltmächte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Durch die zwei Weltkriege, die überwiegend auf europäischen Boden ausgetragen wurden, setzte der Zerfall der vormals dominierenden europäischen Kolonialmächte ein mit Großbritannien an der Spitze. Dies gab den USA in der Zeit danach eine herausragende Stellung. In Bretton Woods wurde 1944, das heißt noch vor dem Ende des 2. Weltkriegs ein Weltwährungssystem etabliert, dass diese Stellung institutionell verankerte.

Währungs- und Wechselkursstabilität

Ziel des Bretton-Woods-Systems war es stabile Währungen und damit auch Wechselkurse für die Weltwirtschaft zu etablieren. Durch die Anbindung des US-Dollars an einen festen Goldpreis sollte das Risiko einer Papierwährung, das heißt der Etablierung eines gesetzlichen Zahlungsmittels, das durch unkontrollierte Geldschöpfung einzelner Staaten die eigene Währung durch damit ausgelöste Inflation im eigenen Land, einen stabilen Geldwert ihrer gesetzlichen Zahlungsmittel untergräbt, verhindert werden. Es wurden feste Wechselkursparitäten zwischen den Währungen der Mitgliedsländer vereinbart. Der US-Dollar setzte darüber hinaus eine feste Parität zum Goldpreis fest. Des Weiteren wurde das Tauschverhältnis zwischen Dollar und einer Unze Gold festgelegt. Dieser Kurs belief sich auf 35 $ je Unze Feingold, dabei entsprach eine Unze 31,104 g Gold. Für die entstandene Gleichstellung zwischen Dollar und Unze hatte sich die Federal Reserve Bank of New York (FED), die US-Zentralbank, freiwillig verpflichtet, diese durch Goldkäufe beziehungsweise -verkäufe zu sichern, das heißt den Dollar zu dem Kurs (35 $ je Unze) zu kaufen oder zu verkaufen. Damit war das gesamte Bretton-Woods-System an den Goldstandard gebunden. Zugleich wurde die freie Konvertibilität der einzelnen Währungen entsprechend den festgelegten Wechselkursparitäten hergestellt.

Durch die Verpflichtung der einzelnen Ländern den institutionellen Regeln von Bretton-Woods zu folgen sollte neben der internen Kontrolle durch die Bevölkerung eines Landes im Zuge von demokratischen Wahlen auch eine externe Kontrolle durch die Staatengemeinschaft der Mitgliedsländer des Bretton-Woods-Systems entgegen gewirkt werden. Die Notwendigkeit aufgrund nachhaltiger Inflation eines Landes sich um eine Korrektur der Wechselkursparitäten zu bemühen, zwang dieses sich um die Zustimmung der Staatengemeinschaft zu bemühen. Eine Anpassung der Wechselkurse war daher ein hochpolitischer Akt, der auch innenpolitisch als Signal der Regierung und der jeweiligen Zentralbank verstanden wurde, mit ihrer Geld- und Finanzpolitik hinsichtlich der Sicherung der Geldwertstabilität gescheitert zu sein. Mithin erhoffte man sich durch dieses institutionelle System ausreichend Druck ausüben zu können, dass Regierungen einzelner Länder vor einer Inflationierung ihrer Wirtschaft zurückschreckten. Diese Hoffnung hat sich jedoch nur bedingt erfüllt, da einzelne Regierungen immer wieder im Zuge von Wirtschaftskrisen vor einer unangemessenen Ausweitung der Geldmenge zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Abbau sozialer Spannungen im Zuge von Verteilungskämpfen, ambitionierten Entwicklungsstrategien, die jedoch aufgrund scheiterten, das Mittel der inflationären Geldschöpfung einsetzten.

Der US-Dollar als Weltreservewährung

Die USA waren im Zuge des 2. Weltkriegs zur weltweit dominierenden Gläubigernation aufgestiegen. Hinzu kam eine international hervorstechende Wettbewerbsfähigkeit, die nicht zuletzt gestützt auf den einzigartigen großen Binnenmarkt es den USA ermöglicht steigende Skaleneffekte (engl. increasing returns to scale) im Vergleich zu anderen Ländern zu realisieren, deren Binnenmärkte vergleichsweise deutlich kleiner waren. Handelbeschränkungen insbesondere durch Schutzzölle im Zuge der Weltwirtschaftskrise machten den Marktzugang zu Auslandsmärkten schwierig. Nicht zuletzt diese Probleme waren auch ein starker Anreiz in Europa mittels der EWG und der EFTA eine Handelsliberalisierung zumindest in den daran beteiligten Mitgliedsländern einzuleiten. Später hat sich daraus dann die EU entwickelt.

Das Triffin-Dilemma und das Ende von Bretton Woods

Durch das Bretton-Woods-System eröffneten sich insbesondere für die USA große Chancen durch Kapitalexport in Form von Direktinvestitionen, Auslandskrediten und Finanzhilfen zum Beispiel im Zuge von Entwicklungshilfe ihren wirtschaftlichen Einfluss weltweit auszudehnen. Bereits 1959 machte Robert Triffin auf das nach ihm benannte Triffin-Dilemma aufmerksam. Demnach wurde das Wachstum der Weltwirtschaft vor allem durch US-Kapitalexporte (Direktinvestitionen, Kredite und Hilfsleistungen) gefördert. Solange die USA große Außenhandelsüberschüsse erzielten, der Dollar also international knapp war, arbeitete dieses System reibungslos. In dem Maße, wie sich die außerhalb des Landes umlaufende Dollarmenge erhöhte, nahm aber auch die Golddeckung und somit das Vertrauen in die Währung ab, verbunden mit dem Risiko einer Deflation. Im Prinzip verweist das Triffin-Dilemma auf einen Widerspruch des Bretton-Woods-Systems, das den US-Dollar zur einzigen Weltreservewährung machte. Die USA konnten nicht zugleich die Preisstabilität im Inland sichern, die Weltwirtschaft mit ausreichend Liquidität in Form von US-Dollar versorgen, wenn diese sich unterschiedlich rasch wirtschaftlich entwickelten. Wuchs die US-Wirtschaft um drei Prozent und die Weltwirtschaft um fünf Prozent, dann benötigte im Großen und Ganzen die USA und die Weltwirtschaft unterschiedliche Geldmengen um Preisstabilität garantieren zu können. Würden die USA ihre Geldmengenexpansion auf die für die USA erforderliche Rate beschränken, dann würde es zu einem weltweiten Mangel an Liquidität kommen. Mithin würde dies zu deflationären Tendenzen oder zu unerwünschten Wachstumseinbußen führen, da die Weltwirtschaft schneller wachsen könnte, wenn nur ausreichend Liquidität vorhanden wäre.

Da mit dem Ende des 2. Weltkriegs die Weltwirtschaft nicht zuletzt auch im Zuge des Wiederaufbaus der zerstörten Wirtschaft der Krieg führenden Länder deutlich rascher als die USA wuchsen und im Zuge eines Abbaus der Handelsschranken auch Skaleneffekte ausnutzten, die der jetzt mögliche Zugang zum Weltmarkt bot, schrumpfte auch der Wettbewerbsvorteil der USA im Welthandel sukzessive dahin. Die ehemals herausragende Stellung der USA mit großen Handelsbilanzüberschüssen erodierte schrittweise. Das Triffin-Dilemma der US-Währung, Diener zweier Herrn, das heißt der US-Wirtschaft einerseits und der Weltwirtschaft sein zu wollen, verschärfte sich zusehends. Da die USA im Zuge des Vietnamkriegs einen rasanten Anstieg von Transfers in Ausland zu bewerkstelligen hatten, expandierte die US-Dollar-Geldmenge jedoch plötzlich sogar rascher als es für die gesamte Weltwirtschaft erforderlich war. Statt Deflation exportierten die USA mit ihrer Dollarschwemme Inflation. Dies stieß jedoch im Ausland insbesondere in Frankreich auf erbitterten Widerstand. Letztendlich bedeutete die Inflationierung der Weltwirtschaft durch die amerikanische Zentralbank eine Besteuerung der Weltgemeinschaft in Form einer Inflationssteuer durch die USA. Großbritannien, später auch die Bundesrepublik Deutschland, stellte deswegen die Käufe von US-Dollar ein, das heißt weigerten sich die volle Kovertibilität der US-Dollar länger anzuerkennen. Im Jahre 1969 wollte Frankreich schließlich seine Dollarreserven in Gold einlösen. Jedoch waren die USA nicht in der Lage, ihren vertraglichen Verpflichtungen aus dem Bretton-Woods-Abkommen nachzukommen. Neben Frankreich wollten auch andere Teilnehmerstaaten von ihrem Tauschrecht Gebrauch machen. Diesen Verpflichtungen kamen die USA ebenfalls nicht nach, da ihre Goldreserven bei weitem nicht ausreichten. Infolgedessen konnte der US-Dollar seine Funktion als Leitwährung entsprechend den vertraglich vereinbarten Regeln nicht mehr erfüllen. Am 15. August 1971 löste der amerikanische Präsident Nixon die Verpflichtungen auf, US-Dollars in Gold zu tauschen. Viele Mitgliedsländer verkauften daraufhin ihre Dollarbestände. Es kam zu einer Abwertung, einem enormen Absinken des Dollarkurses.

Flexible Wechselkurse als Lösung?

Mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems wurde das System der flexiblen Wechselkurse als Problemlösung angesehen, die Inflation der jeweiligen heimischen Währungen wirksam durch die nationalen Zentralbanken kontrollieren zu können. Die Hoffnung war zunächst, dass bei entstehen von Zahlungsbilanzungleichgewichten zwischen den Währungen einzelner Länder aufgrund der raschen Wechselkursanpassungen diese Ungleichgewichte rasch abgebaut werden könnten. Leider erwies sich diese Hoffnung als Illusion. Die überwiegende Mehrheit der Länder versuchte auch nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems ein System quasi-fixer Wechselkurse aufrecht zu erhalten. Die Wechselkursschwankungen waren am Ende trotz der Politik der jeweiligen Zentralbanken zu groß. Dies konnte zu erheblichen Wechselkurs bedingten Gewinnen und Verlusten führen, die den Außenhandel und Kapitalverkehr der Länder untereinander beeinträchtigte. Deshalb wurde bereits im Jahr 1979 in Europa wieder ein nun Europäisches Währungssystem (EWS) eingeführt. Es sollte dem Schutz der Wirtschaftsbeziehungen der Mitgliedsländer dienen, die den extremen Wechselkursschwankungen nicht länger ausgesetzt sein wollten. Auslöser waren nicht zuletzt die Ölpreisschocks, die zu einem weltweiten Schub der Inflationsraten in bisher seit Ende des zweiten Weltkriegs unbekannten Ausmaß geführt hatten. Das EWS mündete dann in die Europäische Währungsunion (EWU) mit dem Euro als alleinigem Zahlungsmittel. Offenbar zeigt sich, dass für den Außenhandel und den internationalen Kapitalverkehr das System flexibler Wechselkurse sich als unbrauchbar erwiesen hat. Statt rascher Anpassungen der Ungleichgewichte ermöglicht es oftmals einzelnen Ländern diese systematisch Hinauszuzögern. Hinzu kommt, dass es durch Devisenterminmärkte und den Optionshandel mit Devisen ein hohes spekulatives Element gibt, dass die Wechselkursstabilität gefährden kann. Großbritannien musste diese Erfahrung im Jahr 1992 machen als George Soros quasi im Alleingang die Bank of England zur Aufgabe ihrer Wechselkursparitäten im EWS zwang. Mithin gehören Wechselkurskrisen seit dem Ende des Bretton-Woods-System zum Alltagsgeschehen der Weltwirtschaft.

Schockartige Abwertungen von Währungen einzelner Länder wie in der Asienkrise im Jahr 1998, der Russlandkrise haben deren Bevölkerung verarmen lassen und das Wirtschaftsleben auf Jahre hinaus gelähmt. Mithin ist eine grundlegende Reform des Weltwährungssystems spätestens seit diesen Ereignissen überfällig. Trotzdem ist es seither nicht zu einer befriedigenden und für die Weltgemeinschaft tragfähigen Lösung gekommen.

Fortgesetzte Inflationierung der Weltwirtschaft durch die US-Währung

Die US-Wirtschaft, die einstmals als weltweit größter Gläubiger, firmierte ist rapide im Laufe der letzten anderthalb Jahrzehnte in eine Schuldnerposition geraten. Insbesondere in den ost- und südostasiatischen Ländern wie die VR China, Japan, Südkorea, Taiwan etc. haben diese Länder Billionen von US-Dollar als Währungsreserven gehortet. Dies ist Teil der exportorientierten Wachstumsstrategie, die durch große Handelsbilanzüberschüsse insbesondere im Handel mit den USA diese Einnahmen nicht zum Kauf von Waren aus den USA einsetzen. Dies schafft insbesondere für diese Länder mit weiterhin rapide zunehmenden US-Dollarreserven ein Problem.

Da der US-Dollar seit dem Ende des Bretton-Woods-System systematisch in den zurückliegenden Jahrzehnten an Wert verloren hat, müssen sie systematisch eine Inflationssteuer auf das halten solcher Dollaranlagen zahlen. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie dies in US-Staatsanleihen, Bargeld oder andere Kapitalanlagen tun solange diese in Dollar bewertet werden. Allerdings konnten durch Zinserträge zum Beispiel auf US-Staatsanleihen die Wechselkursverluste eines sinkenden US-Dollars gegenüber anderen Währungen diese Verluste ganz oder teilweise ausgleichen.

In der jetzigen Finanzkrise mit einer Zinspolitik der Fed nahe Null am Geldmarkt sind diese Ertragschancen jedoch deutlich gesunken, das heißt eine Dollarschwäche schlägt voll auf die Bestandbewertung der Anlagen in US-Dollar durch.

Reform des Weltwährungssystem

Von daher verwundert es nicht, wenn insbesondere die VR China als größter Gläubiger der USA jetzt auf eine Reform des Weltwährungssystems drängen, die die Rolle des US-Dollar als Weltreservewährung reduziert. Man möchte sich aus der totalen Abhängigkeit der US-Währung schrittweise lösen. Das Problem dabei ist, dass eine rasche Flucht aus dem US-Dollar die bisherigen Bestände in Billionenhöhe drastisch abwerten würde. Man ist inzwischen Gefangener der eigenen expansiven Strategie geworden. Würde man verstärkt in den Euro seine Anlagen umwechseln wollen, dann würde dies auch auf den massiven Widerstand der Europäer stoßen, die durch eine drastische Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar einen entsprechend drastischen Exporteinbruch erleiden würden. Da Europa jedoch nicht in die gleiche Zwangslage wie die USA als Weltreservewährung gemäß dem Triffin-Dilemma geraten wollen, sind sie nicht bereit die Rolle des USA im Weltwährungssystem zu übernehmen. Die Lösung kann daher nur in einer Mehrländerkunstwährung wie den Sonderziehungsrechten (SZR) liegen.

Sonderziehungsrechte als Zwischenlösung

Bereits Anfang der 1960er Jahre wurden Stimmen laut, die Liquiditätsengpässe durch ein ungleiches Wachstum von Handelsströmen und der Reservewährung US-Dollar befürchteten. Mit der Einführung der SZR wurde zusätzliche Liquidität für das internationale Finanzsystem geschaffen. Der Wechselkurs eines Sonderziehungsrechts ist durch einen Währungskorb wichtiger Weltwährungen definiert. Seit Januar 2006 enthält dieser Korb 0,632 US-Dollar, 0,410 Euro, 0,0903 Pfund Sterling und 18,4 Yen. Dabei will man die bisherigen drei Reservewährungen durch weitere Währungen im Währungskorb ergänzen. Hierdurch würden die Lasten der Liquiditätsbereitstellung für die Weltwirtschaft auf mehrer Schultern verteilt. Im Idealfall sollten alle Währung entsprechend ihren wirtschaftlichen Anteilen einbezogen sein. Dies wäre jedoch nur möglich, wenn man wie im Bretton-Woods-System alle Mitgliedsländer zu Einhalten der verbindlichen Regeln zwingen kann. Wie der Fall USA nachdrücklich demonstriert, ist dies insbesondere bei den großen Mächten kaum politisch machbar. Wenn es jedoch in absehbarer zeit zu keiner Einigung kommen sollte, dann drohen auch in Weltwährungssystem erhebliche Turbulenzen. Darauf hat Nouriel Roubini aktuell wieder hingewiesen. Insbesondere die BRIC-Staaten wollen ein Mitspracherecht gegenüber den USA, Japan und Europa durchsetzen. Neben China hat nun auch Russland die Führungsrolle der US-Währung als Weltreservewährung in Frage gestellt. Die Konsequenzen für die USA wären jedoch dramatisch, wenn sie ihr außerordentliches Privileg der unbegrenzten Verschuldung gegenüber dem Ausland verlieren würden. Die USA müssten sich dem Problem einer Zahlungsbilanzkrise wie alle anderen Länder stellen. Eine Rückführung der exzessiven Auslandsverschuldung wäre jedoch mit erheblichen Turbulenzen der Weltwirtschaft verbunden. Die Zeit läuft jedenfalls und es ist möglicherweise bereits Fünf vor Zwölf. Die Uhr tickt.

Photo Quelle/Copyright: Gerd Altmann, via pixelio.de

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