Wie der aktuelle Schuldenreport 2009 belegt, gingen 2008 geschätzt 8238 Personen weniger in die Privatinsolvenz als im Jahr zuvor. Leider ist das keine gute Nachricht: die Zahl der Privatinsolvenzen insgesamt ist von 1999 bis 2007 exponentiell angestiegen. Im Jahr 2007 gipfelte diese Entwicklung in der privaten Pleiterklärung von etwas über 100.000 Personen, im vergangenen Jahr waren es noch gut 97.000. Aktuell wird von etwa vier Millionen überschuldeten Privathaushalten in Deutschland ausgegangen. Als häufigste Gründe werden Arbeitslosigkeit und eine schicksalhafte Veränderung der Lebensumstände genannt. Von den Machern des Reports wird nun eine bessere Verbraucherbildung gefordert. Diese soll schon in der Schule beginnen.
Eine zweifelhafte Kreditvergabepraxis befördert Schulden – doch verursacht sie nicht
Aus dem von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Rotem Kreuz und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen vorgelegten Report geht unter anderem die (längst nicht mehr neue) Erkenntnis hervor, dass sich zahlreiche deutsche Banken offenbar noch immer nicht zu schade sind, sich einer äußerst unseriösen Kreditvergabepraxis zu bedienen. Entsprechend stellen durchschnittlich 60 % der in privat verschuldeten Haushalten offenen Summe Kredite, bei denen die Zahlungen im Rückstand sind. Bei einem größeren Teil dürfte bereits von vornherein eine Zahlungsunfähigkeit festgestanden haben. So verdienen 56% der in Verschuldung geratenen Personen unter 900 Euro. Zudem treiben überhöhte Zinsen und teuere Umschuldungen die Abwärtsspirale meist weiter nach unten. Doch die Tatsache, dass in der Geldnot befindliche Bürger auch auf „unkompliziert, schnell und diskret“ offerierte Summen „ohne Schufa-Auskunft“ (durchschnittlich um die 10.000 Euro) zurückgreifen, ist wohl eher als Folge einer gesellschaftlichen Verarmung anstatt als ihre Ursache zu sehen.
Auch unter den Bedingungen finanzieller Ausweglosigkeit verschwinden Konsumbedürfnisse nicht einfach
Überproportional vertreten ist in der Schuldnerberatung die Altersgruppe zwischen 25 und 45. Dieser Fakt ist nicht weiter verwunderlich, werden in diesem Altersbereich doch vorrangig Familiengründungen vollzogen und eigene Haushalte aufgebaut. Kinderbetreuung, Energie, Transport, Verpflegung und nicht zuletzt die Miete für eine familiengerechte Wohnsituation erfordert ein Mehrfaches des in anderen Lebensabschnitten benötigten Einkommens. Diese Bedürfnisse verschwinden auch nicht einfach mit dem wirtschaftskrise-bedingten Erreichen der Arbeitslosigkeit. Mit Recht lässt sich auch hier die Schlussfolgerung ziehen, dass das Arbeitslosengeld, insbesondere das ALG-II, gerade für Familien nicht für die Deckung lebensnotwendiger Grundbedürfnisse reicht – auch wenn gelegentlich das Gegenteil zurechtgerechnet wird.
Mit mehr Geld für die Schuldnerberatung und Finanzunterricht in der Grundschule dürfte es nicht getan sein
Die Verbände prognostizieren aufgrund der Wirtschaftskrise eine weitere Verschlechterung der Lage und sehen als eine mögliche Lösungen eine stärkere Finanzierung der Schuldnerberatung. Letztere ist bereits seit Jahren völlig überlaufen; oft kann erst nach monatelanger Wartezeit ein Beratungstermin angeboten werden. Dies wird sich vermutlich auch nach der Forderung der den Report vorlegenden Verbände nicht ändern - wurde doch bereits 2005 durch das Bundesfamilienministerium festgestellt, dass der Schuldnerberatung „eine Schlüsselrolle“ zur Entschuldung von Privathaushalten zukommt. Aufgrund der geringen Kenntnisse der Kreditnehmer im Umgang mit Finanzen wird darüber hinaus eine Art “Finanzunterricht” bereits in der Grundschule gefordert. Diesem – im Übrigen gleichfalls nicht neuen Vorschlag – widersprechen allerdings Daten des Statistischen Bundesamtes zur Überschuldung privater Haushalte für das Jahr 2007: lediglich eine Minderheit von 8,6 % gab eine „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ als Beratungsanlass an. Tröstlicherweise existieren aber bereits seit 2004 entsprechende Unterrichtsleitlinien für Lehrer, falls sich in Zukunft plötzlich doch noch mangelndes Wissen der Verbraucher darüber, dass geborgtes Geld auch zurückgezahlt werden muss, zum Hauptgrund für Überschuldung entwickeln sollte. Eine Gesamtlösung des Problems dürfte jedoch erst mit einer deutlichen Verbesserung der globalen und somit nationalen Wirtschaftssituation realistisch sein. Bis dahin ist einer bisher offenkundig folgenlos gebliebenen, auf 2005 datierten Erklärung ebenfalls des Bundesministeriums für Familie nichts hinzuzufügen: Es „ist ein effizienteres Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft und sozialen Diensten auf allen regionalen Ebenen notwendig.“
Bildquelle: pixelio.de (hofschlaeger)
Alles richtig, aber als Erstes muss die Wohlverhaltensphase von 6 Jahren bei der Privatinsolvenz fallen!
Aus denen,die in die Insovenz gefallen sind, noch jahrelang herauszuquetschen, was sie an Mitteln oberhalb der Pfänungfreigrenzen erwerben können, bedeutet, sie entweder untätig werden zu lassen oder sie in die Illgealität zu drängen. Unser Staat kann sich doch eigent,ich gar nicht erlauben, das wirtschaftliche Potenzial besonders derjenigen, die durch unglückliche äußere Umstände in den Verfal ihres Vermögens geraten sind ( insbesondeere Investitionen im Osten, Börsencrashs und Finanzkrise), einfach zu verzichten.
Die unvernünftige Einstellung unseres Gesetzgebers hängt mit der überkommenen Vorstellung zusammen, dass jedes wirtschaftliche Missgeschick selbstverschuldet ist und irgendwie gehandet werden muss. Wenn schon kein Schuldturm, dann wenigstens eine langjährige Leidenszeit!
Dahinter stehen auch überalterte calvinistische Lebensbilder, wonach der Herr die, die es verdient haben, im Leben mit Reichtum belohnt.
In Frankreich hat der Gesetzgeber ausdrücklich in den gesetzgeberischen Motiven erklärt, dass er die Fähigkeiten und die Arbeitswilligkeit der einmal wirtschaftlich Gescheiterten nicht entbeheren will, weil der größere Teil unter ihnen zu den besonders wirtschaftlich aktiven Büprgern gehört, die im zweiten Anlauf meist besonders erfolgreich sind.
In Spanien gibt es gar keine Zeit des Wohlverhaltens. Alle Insolvenzen werden gleichbehandelt und sind regelmäßgi nach einem Jahr abgewickelt.