Vor einer globalen Kreditklemme?

Derzeit häufen sich die Stimmen, die ein Ende der Finanzkrise insbesondere in den USA konstatieren. Die Entwicklung der Aktienmärkte der zurückliegenden Monate und der Anstieg der Rohstoffpreise insbesondere des Rohöl auf über 70 US-Dollar werden hierfür als Indikatoren genannt. Von seinem Tiefststand von rund 40 US-Dollar wäre dies ein Anstieg

casino.jpgDerzeit häufen sich die Stimmen, die ein Ende der Finanzkrise insbesondere in den USA konstatieren. Die Entwicklung der Aktienmärkte der zurückliegenden Monate und der Anstieg der Rohstoffpreise insbesondere des Rohöl auf über 70 US-Dollar werden hierfür als Indikatoren genannt. Von seinem Tiefststand von rund 40 US-Dollar wäre dies ein Anstieg um mehr als 75 Prozent. Goldman-Sachs, die bereits im vergangenen Jahr einen Anstieg der Rohölpreise von 200 US-Dollar vorausgesagt haben bevor er dann von rund 150 US-Dollar auf besagte 40 US-Dollar abstürzte, sind erneut dabei die Ölpreisspekulation anzuheizen.

Kasinokapitalismus 2.0

Wegen der stark auseinander driften Einschätzungen der Wirtschaftslage zwischen sinkenden Wachstumserwartungen der Weltwirtschaft einerseits und der Entwicklung der Finanzmärkte stellt sich die Frage, wie diese erneute spekulative Übertreibung zustande kommt. Während die Finanzminister und Zentralbanken das Mantra anstimmen, dass ihre Liquiditätsschwemme nur dazu dient einen weiteren Kollaps der Weltwirtschaft aufzuhalten, scheint sich die Lage für die Menschen weltweit weiterhin gebremst oder auch etwas gebremst zu verschlechtern. Die großen Pleiten der letzten Wochen von General Motors, Chrysler, Arcandor, Opel, etc. zeigen dies exemplarisch. Die Weltbank geht daher auch in ihrer jüngsten Prognose sogar von einer weltweiten Schrumpfung der Weltwirtschaft in diesem Jahr von drei Prozent aus.

Die Logik des Kasino Kapitalismus gebiert wunderliche Entwicklungen. Die Loslösung der Finanzmärkte, die sich in einer endogenen sich selbst verstärkenden Spekulationsblase völlig losgelöst von der realen Wirtschaftsentwicklung entfalten können, brauche nur eins Liquidität, Liquidität und nochmals Liquidität damit ihr Ponzi-Schema möglichst lange Bestand haben kann. Solange Zahlungsversprechen à la Madoff erfüllt werden können, funktioniert diese Blasenökonomie für eine begrenzte Zeit. Wenn daher die Zentralbanken diese Blasenwirtschaft mit ihrer Liquiditätsschöpfung anheizen, erholen sich die Kasinomärkte. Das absurde daran ist, dass eine erneute Blasenbildung als Erholung der Wirtschaft in den Medien von führenden Bankern und Politikern gefeiert wird.

Es ist offenbar für die großen Geschäftsbanken rund um den Globus viel einträglicher dort nach dem schnellen Gewinn zu zocken als sich als Kreditgeber für die Unternehmen der realen Wirtschaft und deren Nöte zu kümmern. Nachdem man sich nach der Lehmann-Pleite fluchs  Rettungsschirme und Milliarden an Eigenkapital durch die Steuerzahler nachschießen ließ, wurde das Kasino wieder eröffnet und die Spieler kehren rasch an die Spieltische oder besser ihre Computer-Terminals zurück. Faites votre jeux, s’il vous plait.

Staatsverschuldungen steigen global auf historische Höchststände

Während dessen sind die Regierungen weltweit bemüht durch Konjunkturprogramme mittels kreditfinanzierter Ausgabensteigerungen ihre jeweiligen Wirtschaften wieder anzukurbeln. Dabei ignoriert man geflissentlich welche Konsequenzen dies für die öffentlichen Haushalte haben wird. Die Milliarden, die jetzt ausgegeben werden bzw. noch ausgegeben werden sollen, sind ja nicht durch irgendwelche zukünftigen Einnahmeerwartungen gedeckt. Die Staaten geben Geld aus, das sie nicht haben. Das Problem, was dabei ebenfalls geflissentlich ignoriert wird, ist, dass auch der Staat als Schuldner Gläubiger finden muss, die ihm dieses Geld auch leihen wollen. Nur wenn es ausreichend zahlreiche willige Kreditgeber gibt, die die Billionen an zusätzlichen kreditfinanzierten Staatsausgaben auch halten wollen, sind solche Ausgabensteigerungen des Staates ohne eine Finanzierung durch die Notenpressen überhaupt möglich.

Dem staunenden Publikum wird jedoch suggeriert, dass diese inflationäre Geldschöpfung durch die Zentralbanken weltweit ähnlich einem Flaschengeist mit einem einfachen Zauberspruch zurück in die Flasche gebracht werden kann. Keine Sorge liebe Leute alles ist unter Kontrolle. Wie wenig die Zentralbanker ihren eigene Erklärungen vertrauen, zeigt sich bereits daran, dass sie gleichzeitig mahnende Worte an die Regierungen richten, diese mögen doch bitteschön ihre exzessiven Haushaltsdefizite doch auf mittlere Frist durch entsprechende Haushaltsplanungen wieder konsolidieren.

Vor einem globalen Crowding-Out

Josef Ackermann hat es der Öffentlichkeit bereits zu Jahresbeginn mitgeteilt. Wenn es in den kommenden 18 Monaten zu einem immer stärker zunehmenden Angebot von Staatsschuldverschreibungen rund um den Globus kommt, dann wird voraussichtlich die dafür erforderliche Deckung durch ein entsprechendes Kreditangebot nicht an den Kapitalmärkten vorhanden sein. Bereits jetzt sind die Kapitalmarktzinsen beispielsweise für zehnjährige US-Staatsanleihen von ihrem Tiefststand von 2,2 Prozent im Januar diesen Jahres auf rund 3.9 Prozent hochgeschnellt. Dies hat nicht nur Folgen für die Defizitfinanzierung der Staaten, da die Kreditkosten ja drastisch ansteigen, sondern verdrängt auch private Kreditnehmer vom Markt, die sich entsprechend hohe Kreditkosten gar nicht wirtschaftlich leisten können. Am US-Hypothekenmarkt ist daher eine Refinanzierung der Hypotheken zu günstigeren Kapitalmarktzinsen bereits zum Stillstand gekommen. Mithin bremst der ungezügelte staatliche Kreditbedarf nicht nur sich selbst aus, sondern die übrige private Wirtschaft sowie die Haushalte. Die Geschäftsbanken dagegen als Intermediäre, das heißt Makler zwischen Kreditgebern und -nehmern, sind fein raus. Sie profitieren von der raschen Expansion des Kreditvolumens über entsprechende Gebühren. Zudem erhalten sie bei der Bankensanierung sogar noch Staatsschuldverschreibungen im Austausch gegen ihre toxic papers zur Anhebung ihrer Eigenkapitalausstattung siehe beispielsweise den Fall Commerzbank in Deutschland.

Während sich die private Wirtschaft ob der Kreditklemme grämt, die durch das Crowding-out aufgrund des massiven zusätzlichen Finanzbedarfs des Staates negativ bemerkbar macht, werden die Geschäftsbanken durch hohe Zinserträge und Gebühren rasch wieder rentabel auf Kosten des Steuerzahlers gemacht. Allerdings geschieht dies nicht durch einen direkten Finanztransfer, sondern aus “normaler” Geschäftstätigkeit.

Eine Konsequenz des Runs auf die globalen Kreditgeber ist auch, dass die Starken die Schwachen beiseite drängen, das heißt die reichen Länder verdrängen die armen Länder, der Staat die kleinen privaten Mittelständler und privaten Haushalte. Die müssen leider beim großen Kasinospiel draußenbleiben. Sie sind nicht Kreditwürdig genug und können sich auch die hohen Einsätze sprich Zinsen nicht leisten. Die Staaten können dies eigentlich zwar auch nicht, aber man hat ja als Lender-of-last-resort ja noch die Notenpresse. Weginflationieren ist immer noch die Möglichkeit ein Staatsdefizit zu beseitigen solange man sich nur in eigener Währung verschuldet. Ansonsten droht eben eine Zahlungsbilanzkrise à la Island.

Pech für die Armenländer, denen niemand Kredit in eigener Währung geben will. Mithin ist der globale Stuhltanz angerichtet. Alle potentiellen Kreditnehmer weltweit tanzen um die in unzureichender Anzahl vorhandenen Stühle – sprich Kreditangebote – herum, viele werden leer ausgehen einige sich zu hohen Kreditkosten verschulden müssen, die sich auf Dauer nicht tragen können. Mal sehn wann der nächste Hexensabbat das Debakel offen legt. Im Übrigen sehnt man sich bereits wieder nach einem Revival des Verbriefungsgeschäfts. Dann kann die Party noch ein wenig länger fortgesetzt werden. Das Risikopoker erfordert ja schließlich, dass man nicht selbst auf den schlechten Risiken sitzen bliebt. Allein die EU-Mitgliedsländer sitzen ja seit der letzten Blase auf einem Schuldenberg von 5,3 Billionen Euro. Wie sagte doch der Deutsch Banker Hilmar Kopper dazu einmal treffend: Alles Peanuts. Die umfassende Reform der globalen Finanzmärkte liegt derweil aus Eis.Man will ja auch nur spielen.

Photo Quelle/Copyright: Rike, via pixelio.de

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