Fremde Federn | Soli Shahvar: Mousavi schlecht für Israel

Ein Gewinn der Reformer in den iranischen Wahlen wird Teheran näher zur Bombe bringen Viele Menschen werden erleichtert aufatmen, sollte Mir-Hossein Mousavi als iranischer Präsident gewählt werden. Die Frage ist allerdings, ob ein Sieg Mousavis und Ahmadinejads Niederlage in der Tat den strategischen Interessen Israels dienen wird. Die Antwort ist

avier.jpgEin Gewinn der Reformer in den iranischen Wahlen wird Teheran näher zur Bombe bringen

Viele Menschen werden erleichtert aufatmen, sollte Mir-Hossein Mousavi als iranischer Präsident gewählt werden. Die Frage ist allerdings, ob ein Sieg Mousavis und Ahmadinejads Niederlage in der Tat den strategischen Interessen Israels dienen wird. Die Antwort ist wahrscheinlich “Nein.”

Der Wahlsieg des Präsidentschaftskandidaten Mohammed Khatami 1997 und 2001 beendete die Isolation des Irans, öffnete Türen, die zuvor verschlossen waren, und trug somit zum Weiterleben des iranischen Regimes bei.

Im Antlitz des lächelnden Gesichts Khatamis und seinen vielversprechenden Slogans in Bezug auf die Zivilgesellschaft, der Rechtsstaatlichkeit und des interkulturellen Dialogs, erschienen Israels Warnungen, dass wir es im Endeffekt mit dem gleichen Regime zu tun haben, wahnhaft. Mit dem Gewinn der Wahlen und während seiner Amtszeit als Präsident, konnte Khatami zu einem großen Teil zur Neutralisierung des explosiven inländischen Elements und der Kritik aus dem Ausland beitragen.

Erst nach dem Sieg des radikalen Ahmadinedschads im Jahr 2005, und besonders im Zuge seiner giftigen Aussagen gegen den Staat Israel und seiner prominenten Holocaust-Leugnung, begann die westliche Welt den Iran in dem Licht zu sehen, welches sich die israelische Führung erhofft hatte. Dies veranlasste die westlichen Staaten nach und nach die Restriktionen gegen den Iran zu intensivieren – auch Länder wie Frankreich und Deutschland, die bis dahin auf ein harten Vorgehen gegenüber dem islamischen Regim in Teheran verzichtet hatten.

Ein attraktiveres Paket

Zu diesem Zeitpunkt ist der Iran in einer ähnlichen Situation wie im Jahr 1997. Wir können davon ausgehen, dass ein Sieg des reformistischen Mousavi und seine moderaten Aussagen Obamas Regierung- und die europäischen Staats- und Regierungschefs dazu verleiten würde, viel offener und aufmerksamer und viel weniger kritisch gegenüber dem Iran zu sein. Zur Stärkung der gemäßigten iranischen Volksschichten und liberaler Tendenzen im Iran, wäre der Westen bereit, einer reformorientierten Regierung attraktivere “Pakete” und eine Erweiterung der politischen Beziehungen anzubieten.

In einem Zustand, in dem der Präsident in der Tat die Politik des obersten Führers Khamenei fortsetzt, würde ein Mousavi Wahlsieg, den Iran aus der Isolation bringen, eine Versicherung für das Ayatollah-Regime garantieren und das Land näher an die Bombe bringen.

Es besteht kein Zweifel, dass Israel daran interessiert ist, dass ein liberales weniger feindliches Regime im Iran herrschen wird. Doch im Hinblick auf die Struktur des iranischen Regimes könnte es sehr gut sein, dass ein Ahmadinejad gewinnen wird. Und als Ergebnis wird sich die Bitterkeit des Volkes im Iran fortsetzen, wie auch das harte Vorgehen der Weltgemeinschaft gegen den Iran – was besser für Israel sein wird.

Der Autor leitet das Zentrum für Ezri-Iran- und Persischer-Golf-Studien an der Universität von Haifa. Der Beitrag erschien zuerst am  06.12.09 auf den Seiten der israelischen Tageszeitung Jediot Aharonot. Danach auch bei andersdenken20.de, einem inhaltlichen Partner der Readers Edition. Das Titelbild zeigt Professor Soli Shahvar bei einem Treffen mit dem iranischen Blogger Hossein Derakhshan 2007 in Israel. Es steht unter einer Creative-Commons-Lizenz.

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  1. Die einfache Quintessenz des Beitrags ist, dass verstanden werden soll, dass ein notorisch böser Iran für Israel besser ist als ein scheinbar weltoffener. Ich finde es nicht gut, so in fast verschwörerischer Weise angesprochen zu werden. Denn beide,
    Israel und Iran brauchen mehr Weltoffenheit und weniger Fixierung auf ihre immer wieder hochgehaltene Feindschaft.

    Wer nur pro-Israel oder pro-Iran redet und nicht daran denkt, was die Menschen in
    beiden Ländern wirklich brauchen, verdient nicht gehört zu werden. Die Opposition im Iran ist doch dabei, Beserungen für das Volk einzufordern. Es wirkt hinterhältig, sich zu wünschen, dass sie keinen Erfolg haben sollen.