Nach einem mehr oder weniger gelungenen, aber trotzdem sehr eindrucksvollen Festivalauftakt auf der Center-Stage, stand am Samstag, dem 6. Juni, eine wahre Konzert-Session auf der Alterna-Stage an. Das Programm – randvoll mit derben sowie legendären Bands – schien wie geschaffen für Musikliebhaber der härteren Gangart. Doch wie sich schon sehr früh herausstellten sollte, waren nicht nur die Musik, sondern auch sämtliche damit verbundenen Bedingungen für so genannte “Metalheads” gemacht.
Waren die Regenschauer der vergangenen Nacht doch mehr als verhasst gewesen, lechzten die Besucher gegen 18:00 Uhr selbst nach einzelnen Regentröpfchen. Denn so einfach es auch gewesen war, nach “Enter Shikari” einen günstigen Platz in den vorderen Reihen der Alterna-Stage zu ergattern, umso schwieriger sollte es werden, sich aus der drängelnden Menge wieder zu befreien, konnte man doch nicht ahnen, dass mit “Papa Roach” der schiere Wahnsinn unter den Zuhörern ausbrechen sollte. Zu Songs wie “Last Resort” und “Between Angels and Insects” bewies die unbändige Drängelei noch etwas Festival-Charme und sorgte auch dafür, dass manch einer Körperteile spürte, von denen er nicht einmal geahnt hätte, dass er sie tatsächlich besitzt. Doch nach etwa 50 Minuten stellte sich der Platz inmitten des Publikums, das außer Rand und Band geraten war, als reine Tortur dar. Umso passender kam dann der herbeigesehnte Nieselregen, der für etwas Abkühlung in der aufgestauten Hitze sorgte. Schade aber, dass die durchwegs gelungene und mitreißende Darbietung der amerikanischen Nu-Metal-Band nicht wirklich zu genießen war, stand der Wunsch, heil aus der Zuschauermenge wieder herauszukommen, doch klar im Vordergrund.
Bühne frei für Metalcore à la “Killswitch Engage”
Erst mit dem Auftritt der vier Alternative-Rocker von “Staind” aus Springfield/Massachusetts kehrte wieder etwas Ruhe im Gemenge vor der Alterna-Stage ein. Ganz klar überzeugten sie nämlich mehr durch weichere Klänge, die unter die Haut gehen, als durch ein knallhartes Image und boten somit einen klaren Kontrast zum restlichen Geschehen. Nicht zu übersehen war dabei auch die stattliche Fangemeinde, die ihnen zu diesem Konzert nachgefolgt war und Titel um Titel aus voller Kehle mitsang. Zu dem wohl bekanntesten Hit von “Staind”, “It’s been Awhile“, konnten schließlich auch die restlichen Zuschauer ihre Begeisterung nicht zurückhalten und zückten die Feuerzeuge. Doch mit Ende dieses Showacts verließen auch die Ruhe und die Entspannung wieder den Platz, erwartete man jetzt doch eine Band der etwas anderen Kategorie: Bühne frei für Metalcore à la “Killswitch Engage“.Wer sich bis hierhin Sorgen um sein Wohlergehen gemacht hatte, dem standen nun umso sorgvollere Minuten bevor, nahmen das Geschiebe und das Geschubse doch unerträgliche Ausmaße an, die manch einen dazu veranlassten, sich über die Menge hinausheben und in Form des so genannten “Crowd-Surfings” bis zu den Security-Angestellten hinaustragen zu lassen. Doch hatte die Entwicklung auch etwas Gutes. Zeitgleich präsentierten sich Brian Molko, Stefan Olsdal und Steve Forrest von “Placebo” mit ihrem neuen Album “Battle for the Sun” im Gepäck auf der Center-Stage. Grund genug also für einen spontanen Wechsel zur “großen Schwester”-Bühne. Zwar war das stilistisch schwer definierbare Trio schon bei seinem letzten Song “Taste in Men” angelangt, doch hatte sich der Weg definitiv gelohnt, sorgte dieser doch von der ersten bis zur letzten Minute für pure Gänsehaut.
Jenseits von gut und böse… doch wo ist das Handy???
Um 22 Uhr stand der wohl mysteriöseste Act auf dem Samstagsprogramm von Rock im Park. Mister “Marilyn Manson” himself hatte sich dazu bereiterklärt, Auszüge seines neuen Albums “The High End Of Low” zusammen mit seinen altbekannten Hymnen zum Besten zu geben. Doch für ihn selbst erwies sich dieses Vorhaben wohl bedeutend schwieriger als erwartet. Schier jenseits von gut und böse wirkte die Düster-Rock-Legende und benötigte hin und wieder auch mal Unterstützung in Form seiner Songtexte. Nichtsdestotrotz kamen seine größten Erfolgsnummern wie “Dope Show“, “Disposable Teens” und “Rock is dead” beim Publikum gut an und sorgten für ein ganz besonderes Ambiente, gezeichnet von leichtem Unbehagen und Nervenkitzel. Höhepunkt war dennoch Mansons Showeinlage der außergewöhnlichen Art. So verlangte er nach dem Handy eines Fans und telefonierte einige Zeit mit dessen Bekannten namens “Marco”, wobei sich der Gesprächsverlauf als ungeheuer unterhaltsam herausstellte mit Sätzen wie: “What’s your name, what’s your name, chuckachuckachuck? Scheiße? Jackass? I want to talk to Marco!” Ob das “phone” zu seinem Besitzer wieder zurückgefunden hat, bleibt vorerst jedoch ein Rätsel. Abgesehen von einigen nicht so textsicheren Momenten und der etwas gewöhnungsbedürftigen Setlist, die manche seiner Klassiker vermissen ließen, gelang es Brian Warner alias “Marilyn Manson” mit seiner Band ein magisches Gefühl im Publikum aufkommen zu lassen, nämlich das Gefühl, dass dort oben auf der Bühne ein ganz besonderer Mensch steht.
Die Legenden des Schwermetalls
Wider Erwarten leerte sich der Schauplatz vor der Alterna-Stage nach dem Auftritt von “Marilyn Manson” schlagartig, was ein problemloses Vorrücken in Richtung Bühne ermöglichte. Als ebenfalls überraschend erwies sich die Tatsache, dass hier nicht nur ein exzellenter Blick auf die Bühne, sondern auch noch genügend Platz für “Pogo-Kreise” vorhanden waren. So sollte auch die letzte Band des Abends ein voller Erfolg werden, wenn nicht sogar das absolute Highlight des bisherigen Musikfestivals. Denn die Rapcore-Truppe “KoRn” aus Bakersfield/Kalifornien hatte nicht nur ein perfektes Live-Programm, sondern auch ein überzeugende und mitreißende Bühnenshow zu bieten. Gegen 0:00 Uhr betraten Sänger Jonathan Davis und die weiteren Gründungsmitglieder James “Munky” Shaffer an der Gitarre und Reginald “Fieldy” Arvizu am Bass zusammen mit ihren neuen Musikerkollegen die Bühne. Ohne jegliche Anzeichen von Erschöpfung schmetterten die Begründer des Nu-Metal einen um den anderen Hit ins Publikum. Mit altbekannten Liedern wie “Right now“, “Got the life“, “Falling away from me” und “Here to stay” wussten die Vollblutmusiker von “KoRn” ihre Fans restlos zu begeistern. Doch auch neueres Material ließen sie nicht zu kurz kommen und präsentierten die Singleauskopplung “Coming undone” ihres vorletzten Albums “See you on the other side” (2005). Als Krönung ihrer Performance ließ Sänger Jonathan zu dem wohl bekanntesten Song “Blind” einen riesigen “Moshpit” in der Zuschauermenge erschaffen, in dem alle tollkühnen Fans wie in einem Rausch aufeinander zustürmen sollten. Ihren Fans haben die Jungs von “KoRn” mit diesem grandiosen Auftritt sicherlich einen unvergesslichen Abend beschert und wieder einmal unter Beweis gestellt, dass sie nicht umsonst zu den wahren Legenden des Schwermetalls zählen.
Youtube-Video zu Marilyn Mansons Klassiker “Rock is Dead” und seiner nachfolgenden Showeinlage:
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