Klimawandel: Wenn das Meer an die Haustür klopft

Was sich für Nordseeurlauber vielleicht noch sehr erstrebenswert anhört, lässt Meereschützer stutzen: die Helgoländer Wassertemperatur ist seit 1962 um 1,5 °C gestiegen. Die Meereswissenschaftler haben einfach eine andere Klientel als die Tourismusbranche: das maritime Ökosystem. Und das Meer wird stetig mehr – von 1993 bis 2003 immerhin um 3,1 mm

helgo.jpgWas sich für Nordseeurlauber vielleicht noch sehr erstrebenswert anhört, lässt Meereschützer stutzen: die Helgoländer Wassertemperatur ist seit 1962 um 1,5 °C gestiegen. Die Meereswissenschaftler haben einfach eine andere Klientel als die Tourismusbranche: das maritime Ökosystem. Und das Meer wird stetig mehr – von 1993 bis 2003 immerhin um 3,1 mm jährlich. Die Steigerung des Meeresspiegel ist dann doch etwas, was auch uns Landbewohner interessieren wird – sobald die Welle an unsere Haustür klopft. Der Temperaturanstieg sorgt jedoch nicht nur für unangenehmen Besuch, sondern zerstört auch die Lebensgrundlage für die Meeresbewohner. Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA:

“In der Folge des weltweiten Temperaturanstiegs werden die Nahrungsketten im Meer empfindlich gestört oder sogar geschädigt. Nur intakte Meeresökosysteme besitzen die nötige Widerstandskraft, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen.”

Vier Fünftel der in unser Klimasystem eingebrachten Wärme landet schlussendlich im Ozean. Bis hinunter in tiefseeähnliche Gefilde macht sich dies bemerkbar und sorgt für eine messbare Temperaturerhöhung. Und hier liegt dann auch der Anfang möglichen Übels, da dadurch ein direkter Einfluss auf die globale Meereszirkulation genommen wird. Ein Einfluss, der die ansteigenden Wassertemperaturen in der europäischen Nordsee schnell kompensieren könnte. Könnte – denn was genau passiert, ist noch mit einem hohen Unsicherheitsfaktor versehen. Und Unsicherheiten sind gar nicht notwendig um eine sofortiges und nachhaltiges Handeln zu agrumentieren. In einer Broschüre des UBA dazu konkret:

“In der Arktis stieg die durchschnittliche Temperatur in den letzten Jahren fast doppelt so schnell wie im globalen Mittel. Seit 1978 schrumpft das arktische Meereis um durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahrzehnt. Im September 2007 war die Ausdehnung des Eises mit 4,28 Millionen km² geringer als jemals zuvor. So war auch die Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik – bislang für gewöhnliche Schiffe weitgehend unpassierbar – erstmals völlig eisfrei. Die Randregionen des arktischen Meereises sind der wichtigste Lebensraum für die arktische Pflanzen- und Tierwelt. Die Ostseeringelrobbe ist an ein Leben im Eismeer angepasst. Die Jungtiere werden in Schneehöhlen geboren und gesäugt. Der Winter 2008/09 war der eisärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Der größte Teil der Jungtiere überlebte ihn nicht. Mit derzeit nur noch etwa 7.000 bis 10.000 Tieren, steht die Ostseeringelrobbe bereits auf der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion (IUCN).”

Es ist sicher nicht der Klimawandel, der das Ökosystem an den Rand seiner Belastbarkeit getrieben hat – das waren Schadstoffe, Überfischung, fremde Pflanzen- und Tierarten. Aber die Veränderung des Klimas könnte das Fass im wahrsten Sinne des Wortes zum Überlaufen bringen. Dr. Thomas Holzmann sieht dann auch Handlungsbedarf von Jedermann, den Klimawandel aufzuhalten. Klimaschutz ist Meeresschutz. Zum Schluss nochmal Dr. Holzmann:

“Die Nutzung erneuerbarer Energien, die Wärmedämmung von Wohnhäusern und der Umstieg auf Kraftfahrzeuge mit niedrigem Schadstoff- und CO2-Ausstoß tragen dazu bei, dass Ressourcen und unser Klima geschützt werden. Diese und andere Klimaschutzmaßnahmen schützen damit auch unsere Meere.”

Na dann…

via TeTset.de

Photo Quelle/Copyright: hamburgr, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

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  1. @Torben

    Im 15. Jh. weisen lateinische PTOLEMÄUS-Ausgaben auf Meereis in Nordeuropa hin. Zu Beginn des 17. Jhs. scheitert die Suche nach einer Nordwestpassage; das Mittelalterliche Klimaoptimum ist zu Ende gegangen und erst um 1850 – am Ende der „Kleinen Eiszeit“ – ist diese Passage befahrbar.

    http://www.unibw.de/ipk/karto/schriften/pubbrunner/wispub/moegg05/down1/at_download
    Also so sensationell ist die Durchfahrt der NW Passage nicht.

    Klimawandel aufhalten ist sicher keine gute, eher nicht durchführbare Utopie.