Bildungsstreik: 250.000 junge Leute gehen auf die Straße

Bildungsstreik- “worum geht es eigentlich?”, fragt sich unser Readers-Edition-Autor Andreas Grieß seit Beginn dieser Woche auf seinem Blog, um in den darauf folgenden Tagen “kurze Impressionen zum Bildungssystem in Deutschland” zu liefern. Doch nicht nur er, selbst Student, macht sich Gedanken. Noch bis zum kommenden Freitag gehen SchülerInnen und StudentInnen

bimu1.jpgBildungsstreik- “worum geht es eigentlich?”, fragt sich unser Readers-Edition-Autor Andreas Grieß seit Beginn dieser Woche auf seinem Blog, um in den darauf folgenden Tagen “kurze Impressionen zum Bildungssystem in Deutschland” zu liefern. Doch nicht nur er, selbst Student, macht sich Gedanken. Noch bis zum kommenden Freitag gehen SchülerInnen und StudentInnen in verschiedenen Teilen Deutschlands auf die Barrikaden (wir berichteten). Sie alle stehen unter anderem auf für “freien Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren”. Am heutigen Mittwoch, 17. Juni, gibt es nun groß angelegte Demonstrationen.

“Die Polizei knüppelt in der Nähe des Audimax auf die Demonstrierenden ein!”

Wie die Projektgruppe Bildungsstreik 2009 mitteilt, sind “bundesweit ingesamt 250.000 Studierende, SchülerInnen, Auszubildende und andere soziale Gruppen” unterwegs. Und schon im Vorfeld wurde darauf hingewissen, dass “(…) es  öffentlich wirksame Aktionen des zivilen Ungehorsames geben (wird), welche zu einem unbequemen Streik für die Verantwortlichen in der Bildungspolitik führen wird und real eine Umsetzung von einzelnen Forderungen mit sich bringt.”

bimu2.jpgIn einem Live-Ticker werden nun die aktuellen Ereignisse im Minutentakt zusammengefasst. Während aus Siegen in diesen Stunden friedliche Botschaften zu vernehmen sind: “1000 Leute und gute Stimmung”, wie es da um 15.08 Uhr heißt, geht es andernorts, wie angekündigt, weitaus turbulenter zu: “In Essen eskaliert die Situation von seiten der Polizei!”, ist etwa um 14.56 Uhr zu lesen. Im Rahmen friedlicher Blockade-Aktionen der (immer noch) 2000 Demonstrierenden auf dem Campus seien mehrere TeilnehmerInnen in Gewahrsam genommen worden. Zudem seien Personalien weiterer Studenten und Schüler aufgenommen worden. “Doch damit nicht genug”, ist weiter zu lesen. “Die Polizei knüppelt in der Nähe des Audimax auf die Demonstrierenden ein!” Auch im mittelfränkischen Nürnberg ist die Lage alles andere als entspannt. Noch vor den Ereignissen in der Ruhrmetropole greift die hiesige Polizei hart durch: “Bei dem Versuch, Schüler aus den schulen zu holen, wurde u.a. ein Schüler mit Pfefferspray verletzt”, erfahren Interessierte um 14.51 Uhr. “Es kam zu Festnahmen.” Auch an der Universität Heidelberg scheint es unterdessen bald soweit zu sein. Mit Polizei werde jedenfalls bereits gedroht.

“Wut über die Bildungsmisere” in 70 Städten

Sie veranstalten Sitzblockaden, machen Stadtautobahnen unpassierbar, stürmen Schulämter, versammeln sich spontan an verschiedenen Orten, legen Innenstädte lahm und ziehen vor die Rathäuser. In über 70 Städten äußert sich die “Wut über die Bildungsmisere” nachdem es bereits am vergangenen Montag und Dienstag an zwölf Hochschulen zu Besetzungen kam und in 20 Städten Protestcamps eingerichtet wurden. “Ob in Soltau-Fallingbostel (2.000), Stuttgart (15.000), Würzburg (3.000), Rostock (3.000),  Göttingen (10.000), Münster (10.000), Dresden (3.500), München (5.000), Hamburg (13.000), Heidelberg (7.000),  Halle (3000), Berlin (27.000), Marburg (2.500), Lübeck (1.700), Düsseldorf (7.000), Magdeburg (500), Hannover (10.000), Jena (6.000), Minden (400) oder Konstanz (1.500): Der Bildungsstreik hat flächendeckend gegriffen” ist das Presseteam mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Und das, obwohl Schüler in Heidelberg, Münster und Frankfurt an der Teilnahme gehindert wurden, indem die Schulleitung sie schlicht einsperrte.

bimu3.jpgEinen Wehrmutstropfen hat die Sache in den Augen des Projekts Bildungsstreik 2009 allerdings: “Trotz der massiven Proteste haben die Kultusministerkonferenz und die zuständigen Landesministerinnen und Landesminister nicht die Courage, sich mit den Forderungen des Bildungsstreiks auseinanderzusetzen”, beklagen sie. Weshalb bereits am morgigen Donnerstag weitere Aktionen unter dem Motto “Tag des zivilen Ungehorsams” stattfinden sollen. An diesem Freitag folgt zudem eine Kundgebung anlässlich der dort stattfindenden Kultusministerkonferenz. Am Tag darauf liegt der Fokus auf dem Bundesland Nordrhein-Westfahlen. Das Motto dann: “Düsseldorf lahmlegen!”.

bista.jpg“Das Aufbegehren der Bildungshungrigen”, wie es die Financial Times Deutschland zu Beginn ihrer Bilderserie nennt, wird also weitergehen. In Berlin solidarisieren sich Lehrer mit ihren Schülern, Verbände in Bonn unterstützen (oder hier) das Anliegen der Demonstranten und auch Eltern bayerischer Gymnasiasten sagen mittlerweile: “Raus auf die Straße!” Die Welle der Akzeptanz und Solidarität scheint groß, der gesellschaftspolitische Diskurs angestoßen. Auch, wenn so manch Student dieses Ereignis schlicht verpasst zu haben scheint, jetzt komme es darauf an, dass die Forderungen des Bildungsstreikes auch umgesetzt würden…

Wie es in der Hauptstadt zu ging, das sehen Sie hier:

In Jena hat sich dagegen Folgendes ereignet:

In Wuppertal passierte dies:

In Leipzig kam es bereits gestern zu einer Spontandemo:

Diese Szenen spielten sich heute in Darmstadt ab:

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Kommentare

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  1. Eine großartige Darstellung der Sitaution! Beneidenswert der gekonnte Umgang mit den technischen Möglichkeiten. Die Schüler und Studenten sollten unsere Bildungspolitiker wegfegen, die ihnen systematisch die Luft abdrücken!