Neuer VC Franken spielt künftig in der JAKO-Arena – Eltmann bleibt Jugendprojekt
Noch sei zwar nichts in trockenen Tüchern, betont Peter Knieling, der Vorsitzende der SG Eltmann und Geschäftsführer der Volleyball-GmbH, aber aller Voraussicht nach, wird sich der Bundesliga-Volleyball aus Eltmann verabschieden und in Bamberg eine Art Neuanfang suchen. Ansonsten verweist Knieling an Patrick Loos, nicht nur weil er derzeit im Urlaub ist, sondern auch, weil Loos der neue starke Mann im Verein ist.
Wohlgemerkt nicht in der SG Eltmann, sondern im vor bereits vier Wochen in aller Stille gegründeten VC Franken. Mit diesem Verein und voraussichtlich unter dem Namen “Eschenbacher volleys” soll in die Bundesliga-Saison 2009/10 gestartet werden. Und zwar nicht mehr in der Eltmanner Georg-Schäfer-Sporthalle, sondern in der Bamberger JAKO-Arena. Loos, Inhaber der Sportmarketing-Agentur “Sports Living” in Niebüll (Schleswig-Holstein) sollte eigentlich im Auftrag der SGE die Vereinsstrukturen professioneller machen und neue Sponsoren aquirieren. Nun ist der 33-jährige Betriebswirt gar der 1. Vorsitzende des neuen VC Franken. “Weil ich im Laufe meiner Tätigkeit hier die Menschen und den Sport lieb gewonnen habe”; begründet er sein Engagement.
Weitere Gründungsmitglieder sind neben Loos und Knieling, Eltmanns Volleyball-Urgestein Rolf Werner, Loos-Agentur-Partner und Eltmanner Ex-Spieler Jochen Hauke (über den auch der Kontakt zu Loos zustande kam), dessen Freundin Katharina Pfennig, SGE-Manager Ralf Väth und Knielings Ehefrau Kathrin. Erstes ordentliches Vereinsmitglied ist Bernd Hummernbrum, dessen Beratervertrag in Eltmann allerdings zum 30.6. endet. Hummernbrum vermarktet nun für die neuen Betreiber die JAKO-Arena. “In dieser Position werden wir uns sicherlich häufiger wieder begegnen”, sagt den neue VC-Vorsitzende.
“Einen Sponsor bekommt man eher in die JAKO-Arena, als in die Georg-Schäfer-Sporthalle”
Durch die Vereinsneugründung soll das dann fränkische Volleyball professionellere Strukturen erhalten. Aber auch die derzeitige Wirtschaftskrise “gerade der Eltmanner Industriebetriebe”, zwinge die Volleyballer neue Wege zu gehen. “Einen Sponsor bekommt man eher in die JAKO-Arena, als in die Georg-Schäfer-Sporthalle”, sagt Loos, “außerdem gibt es in Bamberg einfach eine breitere Palette an potenziellen Werbepartnern und bessere Vermarktungsmöglichkeiten.”
Mit dem Bamberger Basketball-Bundesligisten “Brose Baskets” sieht sich Loos nicht in Konkurrenz. “Im Gegenteil, wir wollen gemeinsam mit den Brose Baskets eine zweite Bundesliga-Sportart in der JAKO-Arena etablieren.”
Wie genau der VC Franken allerdings die 7000-Zuschauer fassende Halle voll kriegen will, da bleibt Loos noch vage. “Wir wollen Events für die ganze Region anbieten, zum Beispiel Bands oder Tanzgruppen auftreten lassen”, sagt Loos. Im November 2008 hatte die SGE das Spitzenspiel gegen den deutschen Meister VfB Friedrichshafen in Bamberg ausgetragen. Obwohl damals mit 3550 Zuschauern deutlich mehr, als kalkuliert kamen, endete der Ausflug finanziell mit einer “roten Null”. “Das darf es künftig nicht mehr geben”, so Loos.
Der Etat muss halbiert werden
Zumindest bei der Zusammenstellung der Mannschaft muss in der kommenden Spielzeit drastisch gespart werden. Die wirtschaftliche Not zwingt dazu, den Etat des letztjährigen Bundesliga-Zehnten zu halbieren. „Daran ändert auch der neue Verein nichts“, sagt der VC Franken-Chef. “Aber das Geld reicht aus, um eine schlagkräftige Truppe aufs Feld zu schicken, die nicht nur gegen den Abstieg spielt.” Wer dann im neuen Trikot aufläuft ist noch offen. Mark Lebedew soll Trainer bleiben. Klar ist nur, dass Libero Phill deSalvo (pausiert ein Jahr), Christian Nowak (laut Verein Karriere-Ende, steht aber auf der offiziellen Transferliste) und Falko Steinke (TV Rottenburg) nicht mehr dabei sind. Auch Oliver Staab und Huib den Boer haben sich auf die Transferliste (Stand 17.6.) setzen lassen. “Wir sind in Verhandlungen mit namhaften Neuzugängen und großen Talenten aus der Junioren-Nationalmannschaft”, sagt Loos.
Namen und weitere Infos zum Umzug will der VC Franken am 1. Juli in einer Pressekonferenz bekannt geben. Allerdings betont Loos auch: “Wir lassen Eltmann nicht im Stich.” So soll in der Georg-Schäfer-Halle in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Jugendprojekt installiert werden. “Wir wollen hier dem Nachwuchs der Region eine Plattform geben und zudem Talente an die Bundesliga heran führen. So wie wir das bisher z.B. schon mit Jaromir Zachrich und Lukas Bauer auch getan haben.”
Die Deutsche Volleyball Liga (DVL) sieht den Eltmanner Umzug positiv. “Aus den verstaubten Schulturnhallen raus und in moderne Arenen rein zu gehen, kann nur helfen, die Wahrnehmung unserer Sportart in der Öffentlichkeit und in den Medien zu verbessern”, sagt DVL-Pressesprecher Daniel Sattler. Auch die Übertragung der bereits unter leichten Auflagen erteilten Lizenz von der SG Eltmann auf den VC Franken sollte kein Problem sein. “Natürlich gibt es da wieder ein Lizenzierungsverfahren, aber nach unseren Kenntnissen, sehe ich da keine Probleme.” Auf dem offiziellen Spielplan für die neue Saison schreibt die DVL noch “SG Eschenbacher Eltmann”, als Spielort ist dort aber bereits die JAKO-Arena angegeben. Die Saison am 4. Oktober mit einem Auswärtsspiel bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen, das erste Heimspiel ist am 9. Oktober (19.30 Uhr) gegen den Moerser SC.
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