Bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung für Kindergarten- und HortpädagogInnen sind Gebot der Stunde!

Gedanken zur Lage der Elementarpädagogik in Österreich. Die Politik setzt vermehrt auf Maßnahmen, die grundsätzlich zu begrüßen sind: beitragsfreier Kindergarten, bessere Sprachförderung, verpflichtendes Kindergartenjahr. Der Kindergarten wird damit zur ersten Bildungseinrichtung im Leben jedes Kindes. Von den PädagogInnen wird erwartet, dass sie durch Zuwendung, gezielte Angebote sowie individuelle Unterstützung und

woodls.jpgGedanken zur Lage der Elementarpädagogik in Österreich.

Die Politik setzt vermehrt auf Maßnahmen, die grundsätzlich zu begrüßen sind: beitragsfreier Kindergarten, bessere Sprachförderung, verpflichtendes Kindergartenjahr. Der Kindergarten wird damit zur ersten Bildungseinrichtung im Leben jedes Kindes. Von den PädagogInnen wird erwartet, dass sie durch Zuwendung, gezielte Angebote sowie individuelle Unterstützung und Förderung allen Kindern einen guten Start in das Schulleben ermöglichen. Diese Erwartung kann jedoch nur dann erfüllt werden, wenn die dafür notwendigen Rahmenbedingungen (auch finanzieller Art) zur Verfügung gestellt werden. So lange dies nicht geschieht, werden die meisten, im teuren Schultyp BAKIP ausgebildeten KindergartenpädagogInnen dem Kindergarten den Rücken kehren und sich für andere, höher angesehene und besser bezahlte Berufe qualifizieren.
Dies führt in Wien bereits derzeit zu einem deutlich spürbaren Personalmangel, der unterschiedlich auch in den anderen Bundesländern zu merken ist. So ist es gut nachvollziehbar, dass der Unmut im Kreis der PädagogInnen immer lauter wird.

Die dringendsten Forderungen sind:

(1) Änderung der Bundesverfassung
Das Bundesverfassungsgesetz muss dahingehend verändert werden, dass “Kindergärten und Horte” nicht mehr alleinige Landessache sind, sondern vielmehr die Gesetzgebung und Vollziehung Bundessache (Grundsatzgesetzgebung) und Landessache (Ausführungsgesetzgebung und Vollziehung) ist und alle “außerfamiliäre elementare Bildungs- und Betreuungseinrichtungen” umfassen: also Kinderkrippen ebenso wie Tagesmütter-/-väter/-eltern, Kindergärten, Kindergruppen u. s. w.

Für diesen Bereich sollte – unter Zugrundelegung der derzeitigen kompetenzrechtlichen Systematik – jedenfalls die Grundsatzgesetzgebung Bundessache sein, damit der Bund einen nationalen Bildungsplan mit Qualitätskriterien für die betroffenen Einrichtungen erstellen kann, der von den Ländern zu vollziehen ist.

Ohne Änderung dieser konkreten verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen kann eine Neuordnung der außerfamiliären Bildungs- und Betreuungsarbeit nicht gelingen.

(2) Bundesweiter Bildungsplan

Um zu gewährleisten, dass in allen Kindergärten Österreichs ähnliche Bildungsangebote stattfinden, braucht es einen bundesweit gültigen Bildungsplan, und zwar für den gesamten Bildungsweg vom Elementarbereich bis zur Oberstufe.

Der Kindergarten ist die erste Einrichtung in der Bildungsbiografie jedes Menschen und aus der “Schnittstelle” zur Schule sollte eine “Nahtstelle” werden.

(3) Bundesrahmengesetz 

Qualitätsvolle Elementare Bildung braucht angemessene Rahmenbedingungen. Wir fordern daher ein Bundesrahmengesetz, in dem die Qualitätsstandards festgelegt sind.

Derzeit neun (!) unterschiedliche Gesetze der Bundesländer führen zu unterschiedlichsten Rahmenbedingungen für Kinder, Eltern und Personal sowie TrägerInnen-Organisationen hinsichtlich

  • Gruppengröße,
  • Verhältnis MitarbeiterInnen/Kinder
  • Arbeitszeiten und Bezahlung der PädagogInnen
  • Vor- und Nachbereitungszeit bzw. Fort- und Weiterbildung der PädagogInnen
  • Räumliche Anforderungen
  • Öffnungszeiten/Ferienordnung
  • Höhe der Elternbeiträge
  • Qualifikation/Bezeichnung/organisatorische Einbindung der pädagogischen Aufsicht
  • Qualifikation/Bezeichnung von Leiterinnen, Helferinnen, AssistentInnen…
  • Finanzierung
  • u.a.m.

Die Situation für Tagesmütter/-väter/-familien ist ähnlich gelagert.

(4) Rasche Investition in Forschung und Fortbildung

Traditionell ist die Ausbildung von Kindergarten- und HortpädagogInnen in Österreich an die LehrerInnenausbildung gekoppelt. Die gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen ist auch in Österreich eine der wichtigsten Forderungen. Um den regionalen Bedürfnissen entsprechende Angebote setzen zu können, halten wir es für notwendig, dass die Pädagogischen Hochschulen mit den Aus- und Fortbildungseinrichtungen sowie mit Berufsverbänden und TrägerInnen-Einrichtungen bzw. ExpertInnengremien eng kooperieren.

Die Fortbildung von KindergartenpädagogInnen ist eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre.

Um das Niveau der Ausbildung anzuheben, braucht es begleitend eine umfassende Fortbildungsinitiative.

Gleichzeitig ist die Forschung weiter auszubauen. Wir begrüßen den geplanten Lehrstuhl in Graz und auch Überlegungen im Rahmen der Pädagogischen Hochschulen der Elementarbildungsforschung einen höheren Stellenwert zu geben und damit das Bildungsniveau der ElementarpädagogInnen ebenso nachhaltig zu sichern wie zu gewährleisten, dass fundierte Entwicklung auf allen Gebieten der Elementarbildung gewährleistet ist.

Sofortmaßnahmen dringend erforderlich

Diese Regelungen können nicht von heute auf morgen durchgeführt werden. AVerantwortungsträgerInnen in Bund, Ländern und Gemeinden sind daher aufgefordert, folgende organisatorische Veränderungen in einem ersten Schritt dringend in Angriff zu nehmen:

  • Reduzierung der Gruppengröße (je nach Alter der Kinder von 14 – 20)
  • Mindestens 2 Fachkräften pro Gruppe und
  • Mehr Vorbereitungsstunden.
  • Freistellung für kostenlose einschlägige Fort- und Weiterbildung

Für alle neu anstehenden Aufgaben – Sprachförderung, verpflichtendes letztes Kindergartenjahr – braucht es Weiterbildungsangebote und die stärkere Einbindung von Personen mit anderer Muttersprache.

Ministerin Schmied und Minister Hahn sind dringend aufgefordert, die Veränderung der Ausbildung zügig voran zu treiben und

  • die gemeinsame Ausbildung für alle pädagogischen Berufe sowie
  • ein einheitliches Dienstrecht für alle Pädagogischen Berufe

rasch umzusetzen. Die 5–jährige Ausbildung im Sekundarbereich ist für die berufliche Qualifikation absolut unzureichend und führt national und international in eine Sackgasse.
All diese Forderung brauchen zur Umsetzung im ersten Schritt ein klares politisches Bekenntnis und den politischen Willen, den Kindergarten auf eine Stufe mit allen anderen Bildungseinrichtungen zu stellen. Nicht zuletzt – wie im Regierungsprogramm dargestellt – im Sinne der Konjunkturbelebung und nachhaltiger Maßnahmen zum Erhalt des Wirtschaftsstandortes Österreich.

Und im zweiten Schritt die Zusammenarbeit aller damit befassten Regierungsstellen im Bund und in den Ländern sowie Gemeinden gemeinsam mit den Sozialpartnern, den betroffenen TrägerInnenorganisationen, MitarbeiterInnen und ExpertInnen.

Der offensichtliche Mangel an Kommunikation und Umsetzungswillen zwischen den Betroffenen – vier Ministerien, neun Länder, unterschiedlichste TrägerInnen-Einrichtungen und Interessensvertretungen – lässt die begrüßenswerten Ansätze an verschiedenen “Fronten” scheitern.

Es müssen neue Wege der Information und Kommunikation gefunden werden!

Wenn dies nicht schnell geschieht, werden Eltern und Pädagoginnen weiterhin verunsichert.

Eine große Chance, den Elementarbereich endlich bundesweit als Bildungsbereich zu verankern, wird vertan.

Änderungsvorschläge und Hintergrundinformationen finden sich auf der Homepage der PLATTFORM EDUCARE: http://www.Plattform-EduCare.org

Photo Quelle/Copyright: woodleywonderworks, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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