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Best of Readers Edition - eine Wochenbilanz

Freitag, den 19. Juni 2009 um 16:19 Uhr von nicole oppelt
Trotz Mahnwache: Zensursula hat sich durchgesetzt. Photo: Redaktion Readers Edition

Was für die Einen ein “wichtiges gesellschaftliches Signal” ist, bedeutet für die Anderen einen der rabenschwarzesten Tage seit langer Zeit. Denn “Zensursula” hat gesiegt: Wie heute nicht nur auf turi-2.-blog.de zu lesen ist, hat der Deutsche Bundestag am gestrigen Abend mit den Stimmen der Großen Koalition den heiß diskutierten Gesetzesentwurf zur groß angelegten “Internetzensur”, wie er vielfach gesehen wird, verabschiedet. 389 Ja-Stimmen standen gerade einmal 128-Nein-Stimmen gegenüber. Nicht nur für Franziska Heine, Initiatorin einer der erfolgreichsten Online-Petitionen überhaupt (wir berichteten) ist das ein Schlag ins Gesicht. Sie hat, so berichtet Spiegel Online, “mittlerweile eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt”. (Interessant zum Weiterlesen u. a. auch: netzpolitik.org und www.hatmeinabgeordneterfuernetzsperrengestimmt.de)

Nach Frohsinn ist also zumindest bei diesem Thema nur wenigen zumute. Dennoch wollen wir an dieser Stelle für ein wenig Zerstreuung sorgen. Hier sind sie, unsere Lesetipps für das kommenden Wochenende.

Alles nur Sport?

Bereits am vergangenen Sonntag ist ein weiteres “Reizthema” auf der Readers Edition aufgetaucht. “Ultimate Fighting - Die endgültige Verrohung” titelt Julien Germain und löst damit eine spannende Diskussion über Sinn und Unsinn der Kölner Veranstaltung am 13. Juni dieses Jahres aus. Restlos ausverkauft sei diese gewesen, berichtet der Autor. In seinen Augen ein Zeugnis dafür, dass “es auch in Deutschland ein großes Potential für die ultimative Gewaltverherrlichung gibt”. Denn Ultimate Fighting ist nicht einfach nur ein Kampf. Wie der Name schon verrät, wird hier bis zum Letzten gegangen. “Draufhauen bis das Blut spritzt!”, so lautet das erschreckende Motto. Mit Sport hat das seiner Meinung nach jedenfalls wenig zu tun und er fragt ganz unverblümt: “Wie krank ist die menschliche Seele?”

“Sport” ist auch das Thema unseres neuesten Zuwachses Marc Strasser, den wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich auf der Readers Edition begrüßen möchten. In seinem Debüt widemt er sich den Wirren des internationalen Fußball-Zirkuses und fragt ebenfalls: “Die Nationalmannschaft als unbefleckte Insel der Glückseligkeit?” Sein vehementes Kopfschütteln über das, was derzeit vor sich geht, ist schon während seiner ersten Zeilen förmlich zu spüren: “Nun also auch noch das”, läutet er ein, “die letzte Bastion an purer Identifikation und muttermilchgetränkter Hingabe wird ernsthaft bedroht – Fußballer dürfen ihre Nationalteams künftig (fast) so häufig wechseln wie ihre Vereinstrikots.” Was ist aus bloß dem “guten alten Fußball” geworden? Eine ungute Richtung hat er eingeschlagen. Vom einst hemdsärmeligen Volkssport wird das Ganze derzeit eher zum glamourösen, minuziös geplanten Top-Event - einem Kunstprodukt eben.

Unser freier Wille geschehe…

Während sich unser Autor Marc Strasser schon verbal zur Wehr setzt, geht es unser geschätzter Jochen Ebmeier jedoch ein Stückchen zurück. Er berichtet uns am vergangenen Mittwoch von “Das Libet-Experiment und die Fähigkeit nein zu sagen.” So widmet er sich in seinem neuesten Beitrag der Hirnforschung, die sich schon lange damit befasst, den Glauben an die Freiheit unseres Willens zu widerlegen. Bezug nehmend auf das bekannte Experiment des Neurophysiologen Benjamin Libet sucht uns Ebmeier eine Vorstellung davon zu geben, was in unserem Gehirn abläuft oder eben auch nicht. Das Ergebnis: “Das Ich entsteht da und dann, wo die Reflexion die vorgängigen Willensakte überprüft, um im gegebenen Fall nein sagen zu können. Das Ja ist die ‘natürliche’ Prämisse. Aber erst, wenn ich darauf verzichtet habe, nein zu sagen, kann ich ein Ja auch sagen. In diesem Moment war mein Wille frei. An dieser Stelle ‘ereignete sich’ Ich.”

Um “Willen” geht es im weitesten Sinne auch bei unserem zweiten Zuwachs in dieser Woche. Johannes Klockenhoff, den wir hier ebenfalls ganz herzlich begrüßen möchten, titelt in seinem Debüt: “Ausgetrickst und Angeschmiert: Gerd Billens Analyse von Kunden“. Eingehend betrachtet Klockenhoff das aktuelle Buch von Billen, indem sich dieser nicht nur den 111 häufigsten Verbraucherfallen widmet, sondern darüber hinaus seine Sicht auf den modernen Verbraucher darlegt. Er “zeichnet ein unbehagliches Bild der Situation des modernen Konsumenten”, urteilt der Autor schon zu Beginn. Der Konsument scheint in einer wahren Angebots-Flut zu versinken - Verunsicherung durch die Medien eingeschlossen. “Sich gut informieren, das klein Gedruckte lesen, sich gegen Betrüger zu Wehr setzen: Diesen täglichen Herausforderungen seien nur gebildete Verbraucher gewachsen, die sich stetig informieren und sich einen Konsum nach ihren eigenen Bedürfnissen auch leisten können”, gibt er die Ansicht Billens wieder. Die sich daraus ergebenden Forderungen sind klar: mehr Transparenz, Verbraucherausbildung und eine “deutlich aktivere Verbraucherpolitik”.

Wissen für Alle? Gedanken zum Bildungsstreik

Seit 15. Juni tobt der bundesweite Bildungsstreik, der am vergangenen Mittwoch seinen Höhepunkt mit knapp 250.000 Protestierenden fand. Auch Rolf Ehlers nahm sich am Donnerstag der prekären Situation von SchülerInnen und StudentInnen an und titelt: “Bachelor - unzureichender Hochschulabschluss“. Unser Autor will hinter die Dinge blicken: “Was steckt hinter den jetzt massiv aufgeflammten Protesten?”, fragt er in die Runde und liefert die Antworten gleich selbst. Die einst gestellten Weichen für eine radikale Neuordnung des Hochschulwesens gingen nämlich gründlich daneben. Magister und Diplom sind bald passé, die durch die Umstellung gewünschte Steigerung der Qualität jedoch auch. “Akademische Freiheit war gestern”, ist er sich sicher. “Die Umsetzung hat zu einer Überforderung der Bacherlor-Studenten geführt, die gezwungen werden, in streng verschulter Weise in viel kürzerer Zeit das alte Lernpensum zu behalten.” Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Auswirkungen für heutige Studenten gehen noch viel weiter - bis ins künftige Berufsleben hinein. Sein Fazit: Der Blick gen USA hat nicht nur in Deutschland mehr geschadet als genützt.

Und noch einmal “Zensursula”

Damit sind wir auch schon wieder am Ende unserer kleinen Rückschau angelangt und wenden uns nun noch einmal in Richtung “Zensursula”.

“Das ist also unser Demokratieverständnis heute: wir wählen Politiker, die sich für das Volk gar nicht mehr interessieren und lassen uns dann von ihnen unsere Freiheiten wegnehmen… Das Sprichwort stimmt also. History repeats itself”, kommentiert in diesen Stunden Le Serratte, das was nun beschlossen wurde. Und auch Peter Schwierz kann nicht an sich halten. Er schlägt vor: “Im Bundestag auch immer ein Stopp-Schild einblenden, wenn die Zensursulas des Parlaments mal wieder gegen die Wand reden.”

In diesem Sinne: Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.

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Eine Reaktion zu “Best of Readers Edition - eine Wochenbilanz”

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  1. Tinos

    am 23. Juli 2009 um 14:54 Uhr | Link | Kommentar melden

    Bei diesem ganzen Hype wird ganz schön Kasse gemacht, finde ich.
    Aber, wie auch schon zu Elvis Presleys Zeit bzw. Ableben entstehen hier Mythen und damit sind immer auch Wertsteigerungen verbundenen.
    Hier so ein Beispiel: Was soll man machen? Staunen? oder Mitmachen und in ein Paar Jahren abkassieren.

    http://cgi.ebay.de/Michael-Jackson-Dangerous-Champagner_W0QQitemZ280372631918QQcmdZViewItemQQptZFanartikel_Kleinartikel?hash=item414782d96e&_trksid=p3286.c0.m14&_trkparms=65%3A12%7C66%3A2%7C39%3A1%7C72%3A1781%7C293%3A1%7C294%3A50

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