Die GE(h)Zeiten

Abschiede sollte man nicht auf die gez lange Bank schieben – und viel weniger auf einer samtigen, roten Couch qualvoll ausbreiten, so dass sich die Nachwehen noch bis zum Wort zum Sonntag ziehen und man sich wahrlich nach göttlicher Unterstützung oder wenigstens einer Fügung des Schicksals sehnt. Es dehnt sich

Abschiede sollte man nicht auf die gez lange Bank schieben – und viel weniger auf einer samtigen, roten Couch qualvoll ausbreiten, so dass sich die Nachwehen noch bis zum Wort zum Sonntag ziehen und man sich wahrlich nach göttlicher Unterstützung oder wenigstens einer Fügung des Schicksals sehnt.

Es dehnt sich aus – Das Syndrom der Fernseher gewordenen Belanglosigkeiten und ähnlicher der Finanzpakete I und II der Bundesregierung, scheint auch das Fernsehen – in erster Linie das 1. und 2. Programm – eine Art Überlebensfonds von uns Zuschauern zu erhalten. Die Gebühren für Radio und Fernsehen, also jene GEZ-Gelder, welche wir Zuschauer entrichten, werden wohl dazu verschwendet, Formate wie “Wetten das…?” künstlich am Leben zu erhalten. Dabei ist offensichtlich, dass sich Thomas Gottschalk bereits selbst überrundet hat und dennoch unermüdlich mit einem sardonischen Dauergrinsen inmitten anachronistischer Lockenpracht immer wieder aufs Neue die Gemüter bewusster Fernsehzuschauer quält.

Bewusste Fernsehzuschauer sind jene, die ganz genau wissen, warum sie ein Programm nicht einschalten.

Und dann tanzt es wieder, das obligatorische Fragezeichen. Und Thommy grinst dabei mit vermeintlichen Superstars, die ihre Werbetrommel gemütlich auf der roten Couch rühren. Promi nennt sich doch heutzutage jeder. Entsprechend eng wird es also auf dem therapeutischen Sofa der Öffentlich-Rechtlichen. Schließlich will doch jeder einmal Wettpate sein. Eine Wette geht in jedem Fall immer auf: Das seichte Geplapper des Thomas Gottschalk und seiner obsoleten Gäste zieht sich länger und länger, weniger wie ein Kaugummi als vielmehr wie eine schleppende Infektion, die einfach nicht vergehen möchte.

Selbst die Nachrichten und Tagesthemen scheinen den ehemaligen Liebling aller Fernsehzuschauer (also in einer Zeit, in der es wenige Alternativen zu Gottschalk gab) nicht aufhalten zu können. Eine Absetzung dieser Unterhaltungssendung (schließlich zahlt jeder GEZ-Pflichtige den Unterhalt dafür) käme wohl einer Palastrevolution gleich. Und doch scheint es dies zu sein, was den alten und morschen, dafür umso weniger altehrwürdigen Gemäuern von ZDF und ARD fehlt: Ein Stein des Anstoßes, der nicht unbedingt Köpfe, dennoch aber Gedanken zum Rollen bringt. Veränderungen, die bewirken, dass endlich Schluss ist mit dem Einhüllen der Zuschauer in einen Kokon aus Stumpfsinn, Belanglosigkeit und harmlosen Geplapper, welches droht sich in eine Raumkapsel mit leeren Phrasen bewaffnet, zu verwandeln und uns nach und nach jeden Tag ein kleines Stück weiter vom eigentlichen öffentlichen Fernsehen zu entrücken.

Information, vor allem politische, wird uns mehr und mehr als Ergebnis hysterisch und eitel kreischender Statisten einer grässlichen Politposse verkauft, wo die Helden Marktschreier sind und jeder seinen faulen Fisch versucht an den Mann zu bringen. Unterbrochen werden diese peinlichen Auftritte der angeblichen Volksvertreter durch ein paar Ceranfeld-Zombies und andere Untote der Unterhaltungsmaschinerie. Gottschalk und sein Endlos-Format sind da so etwas wie die Reiter der Apokalypse, ein wenig Gott gerechte Strafe für uns alle, da wir unserem Recht und unserer Verpflichtung nicht nachkommen, Qualität für unsere Gebühren einzufordern.

Quote ist bei ARD und ZDF doch nun wirklich kein Argument.

Schließlich fließen die Einnahmen immer. Was aber sicherlich ein Kriterium sein sollte, ist die ausführliche und detaillierte politische und kritische Information. Kein Kuscheln mit der Kanzlerin, kein Beckmann oder Biolek, die uns das Programm versauern. Da hilft es dann leider auch nicht viel, wenn ein selbstverliebter Mediengeck wie Marcel Reich-Ranicki den Rentner-Preis des deutschen Fernsehens ablehnt und damit (leider) den ebenso eitlen Gottschalk quasi eine Steilvorlage gibt, so dass dieser ein weitere Episode der Qualen gleichsam live mit den Intendanten der landesweiten Langweiler-Anstalten abspricht.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen intelligenten Fernsehapparat, welcher sich immer dann ausschaltet, sobald das Niveau auf Gottschalk-Stand sinkt. Ein wenig Kontrolllampe mit integrierter Gutschrift für die nächste GEZ-Zahlung, wenn ein Format beginnt unsere Gesundheit zu gefährden. Was bleibt, ist aber auch die Zuversicht, es mit letzter Kraft in die Oasen zu schaffen und den Wissensdurst entsprechend zu stillen, wenn auch die Dünen der Verblödung hoch, weit und verbreitet sind. Da heißt es dann wohl der Desertifikation durch Plattitüden die Stirn zu bieten und eine neue Hydrokultur des Informationsflusses zu pflanzen, damit bezüglich Esprit und Geschmack Leck gelaufene Wracks wie Gottschalk und Co. uns nicht weiter nerven und brüskieren, indem sie nicht einmal versuchen zu verstecken, wie egal ihnen unsere Meinung und Wut ist.

Wo bleibt da eine Art Bundesrechnungshof, der auch die Verschwendung intellektueller Ressourcen anprangert und ein sinnvolles Einsetzen der GEZ-Gebühren im Sinne von Bildung, Wissen und Fortschritt fordert?

Dieser Beitrag steht unter einer Piratenlizenz und darf Frei verwendet werden. Dieser Beitrag erschien zuerst am 19.06.2009 auf Womblog [Worte oder mehr].

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  1. Die ÖR haben längst bewiesen das sie nicht unabhängig sind. ARD und ZDF sind nichts weiter als das Verlautbarungsorgan der Regierung.

    - Tauss ist aus der SPD ausgetreten – aber das ist nur die halbe Geschichte. Wahrend Tauss gelyncht wurde darf Frau Leyen ungestraft KiPo Journalisten vorführen.

    - Killerspiele – die ÖR waren ganz vorne mit dabei und wurden erwischt, wie sie Material umgeschnitten und Manipuliert haben

    Herr Guttenberg darf unkommentiert 130.000 Petitenten die löschen statt sperren fordern als Kinderschänder diffamieren.

    Wir sind nicht China, wir sind Nord-Korea! Nur das wir die Propaganda freiwillig bezahlen sollen.