Mord und Totschlag im Iran: Islamismus in der Krise

Ajatollah Chomeini wollte einen Gottesstaat errichten. Mit der Islamischen Revolution im Iran sollte ein neues Zeitalter anbrechen. Rund dreißig Jahre danach stehen seine Anhänger vor einem Scherbenhaufen. Die Bevölkerung, zumindest große Teile davon, sind von dem Ergebnis dieser Revolution restlos enttäuscht. Der Fundamentalismus von Mahmud Amadinedschad stößt auf immer mehr

dsthzsh.jpgAjatollah Chomeini wollte einen Gottesstaat errichten. Mit der Islamischen Revolution im Iran sollte ein neues Zeitalter anbrechen. Rund dreißig Jahre danach stehen seine Anhänger vor einem Scherbenhaufen. Die Bevölkerung, zumindest große Teile davon, sind von dem Ergebnis dieser Revolution restlos enttäuscht. Der Fundamentalismus von Mahmud Amadinedschad stößt auf immer mehr Widerstand, insbesondere in der urbanen Bevölkerung.

Der Aufstand der Mittelschicht

Man will sich nicht länger von den Islamisten schikanieren lassen. Die Krise um die jetzige Wahl und die Straßendemonstrationen zeigen, dass viele eine weitere Amtszeit von Amadinedschad nicht erdulden wollen. Die Wirtschaft ist ruiniert. Trotz des Ölreichtums des Landes gibt es sogar hier Versorgungsengpässe. Die Inflation galoppiert. Amadinedschad, der sich durch eine Umverteilungspolitik zugunsten der ärmeren Bevölkerung trotz Mangelwirtschaft eingesetzt hat, stößt jetzt auch auf den erbitterten Widerstand der Mittelschicht, die sich als Verlierer ansieht. Diese ist auch immer weniger bereit, sich dem strikten islamischen Regime zu unterwerfen. Weil die vergleichsweise junge Bevölkerung um ihre Zukunftschancen fürchtet, ist der Versuch des Regimes, diese Protestbewegung mit brutaler Gewalt zu unterdrücken, jetzt auf deren erbitterten Widerstand gestoßen.

Frauen fühlen sich vom Islamismus besonders abgestoßen

Dieser schon seit einiger Zeit schwelende Konflikt ist im Zuge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise verschärft worden. Der von vielen geforderte Kurswechsel in der Politik nach mehr Liberalität und Meinungsfreiheit sowie einer weniger Korrupten politischen Führungsschicht droht immer mehr aus der Kontrolle zu geraten. Jedoch wird sich dieser soziale Konflikt nicht mit purer Gewalt des Staates gegen seine Bürger, insbesondere die gebildetere Mittelschicht, nicht gewinnen lassen.

Es ist auch ein Ausdruck der Frauenemanzipation, dass insbesondere die Frauen der gebildeten Mittelschicht sich immer mehr von dem repressiven Regime abgestoßen fühlen. Hussein Mussawi hat sich als ihr Hoffnungsträger als Gegenkandidat erfolgreich positioniert. Mithin dürfte selbst bei zahlreichen islamitischen Fundamentalisten inzwischen der Haussegen schief hängen. Die Frauenfeindlichkeit der Islamisten könnte zu einem entscheidenden Faktor für die wachsende Instabilität des Landes werden.

Das Internet und das Handy als revolutionäre Plattformen

Wissen und Information sind zentrale Faktoren beim Machterhalt. Es zeigt sich nun bei dieser Situation, dass die Opposition sehr viel geschickter als das Ajatollah-Regime mit Youtube, Flickr, Twitter, Facebook als globalen sozialen Netzwerktools umgehen kann. Handys mit Foto und Videofunktion schafft als Reportageinstrument eine Öffentlichkeit, die sich der Kontrolle der Massenmedien im Iran entzieht. Der traditionelle Journalismus, insbesondere auch der Auslandskorrespondenten, erlebt eine Zeitwende. Während ihnen vom Regime das Berichten aus dem Iran weitgehend untersagt werden kann, ist die Reportage der Massen, was sich auf den Straßen Teherans und anderswo im Iran abspielt, nicht aufzuhalten. Damit gerät das Regime immer mehr in Legitimationsprobleme. Die Menschen hören, sehen und können lesen, was sich abspielt. Es gelingt nicht mehr durch Medienmanipulation das Geschehen im Sinne der Machthaber zu filtern und umzuinterpretieren. Die Folge ist eine Legitimationskrise. Jedenfalls bringen sie derzeit die dortigen Verhältnis zum Tanzen.

Photo: Faramarz Hashemi via Flickr (cc Lizenz)

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