Beziehungsfalle Urlaub: So retten Sie Ihre Beziehung über die arbeitsfreie Zeit

Spätestens zwei Monate nach dem Ende der Urlaubszeit haben Paartherapeuten und Scheidungsanwälte Hochkonjunktur: der Urlaub, im Vorfeld meist verklärt als „die schönste Zeit des Jahres“ wird jährlich für zahlreiche Paare zum Beziehungs-Horror-Trip. Unterschiedliche Vorstellungen über das, was man gemeinhin als „Erholung“ bezeichnet, überzogene Erwartungen an die Beziehungsharmonie und nicht zuletzt

PICT0418.jpgSpätestens zwei Monate nach dem Ende der Urlaubszeit haben Paartherapeuten und Scheidungsanwälte Hochkonjunktur: der Urlaub, im Vorfeld meist verklärt als „die schönste Zeit des Jahres“ wird jährlich für zahlreiche Paare zum Beziehungs-Horror-Trip. Unterschiedliche Vorstellungen über das, was man gemeinhin als „Erholung“ bezeichnet, überzogene Erwartungen an die Beziehungsharmonie und nicht zuletzt ein Ausbleiben heimlich erhoffter sexueller Höhepunkte führen direkt in die Beziehungsfalle. Auf Ihrer Plattform Readers Edition erhalten Sie rechtzeitig Tipps, wie Sie Beziehungsstress im Urlaub vermeiden.

Gut geplant ist halb überlebt

Wie die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie in Köln herausfand, wird etwa jede dritte Ehe-Scheidung nach dem gemeinsamen Urlaub eingereicht, immerhin jedes fünfte Paar überdenkt aufgrund im Urlaub aufgetretener Konflikte kritisch die gesamte Beziehung. Um die wertvolle Erholungszeit auch wirklich als solche nutzen zu können, ist eine gemeinsame Planung unerlässlich. Und zwar möglichst eine, die über eine reine „Berge oder Meer“ und „Wo-gibt-es-den-größten-Rabatt“-Diskussion hinausgeht. Auf diese Weise hat das Paar bereits im Vorfeld die Gelegenheit festzustellen, dass sie endlich mal stundenlang am Strand liegen und lesen möchte, während er die Monotonie des Alltags mit zwei Wochen beständiger, sportlicher Aktivität ausgleichen will. Sie sollten sich so konkret wie möglich darüber austauschen, was Sie sich in der aktuellen Situation als Kontrastprogramm zum Alltagsstress vorstellen können – und was nicht. So werden vor Ort auftretende Enttäuschungen vermieden. Unterschiedlichen Erwartungen sollte dabei mit Toleranz begegnet und ausreichend Zeit für eigenständige Aktivität offengelassen werden. Konkret bedeutet das, maximal 40 % der zur Verfügung stehenden Zeit überhaupt zu verplanen. Positiver Nebeneffekt: Sie freuen sich gemeinsam auf den Urlaub, wovon die Beziehung profitiert. Und die Erwartungen sind bestenfalls realistisch.

Nur nicht zu viel Harmonie – Fremdeln und Streiten erlaubt

Angesichts der Tatsache, dass sich die gemeinsam verfügbare Zeit mit Beginn des Urlaubs plötzlich vervielfacht, wird die zeitgleich mit völlig normalen, aufeinander bezogenen Entfremdungsgefühlen auftretende Arbeitslücke oft mit hastigen Bemühen gefüllt. Einerseits gilt es, für sich selbst die Entspannung zu finden – andererseits soll das Liegengebliebene und unter-den-Tisch-Gefallene der Beziehung nachgeholt werden. Nach dem Motto „Bloß keinen Streit im Urlaub!“ erzeugen viele Paare so unmittelbar nach der Ankunft das Mehrfache an Stress, den sie sonst haben. Geben Sie sich vor allem in den ersten drei Tagen nach der Ankunft gegenseitig Zeit und Gelegenheit, ein wenig zu fremdeln und auch für sich allein eigenen Interessen nachzugehen. Akzeptieren Sie kleinere Gereiztheiten und Auseinandersetzungen als normale Startschwierigkeiten in einer ungewohnten Umgebung und einer ganz anderen Zeitstruktur – und missdeuten Sie diese nicht vorschnell als prinzipielle Unstimmigkeit. Gleiches gilt auch für eine vorübergehende sexuelle Unlust: Insbesondere Frauen reagieren auf einen Umgebungswechsel häufig sensibel und müssen unbewusst erst einmal Vertrauen in die Situation gewinnen.

Beziehungsbilanzen und Immer-schon-Probleme begrenzen

Durch die massiv gestiegenen Arbeitsanforderungen verbleibt Paaren unter Alltagsbedingungen kaum Zeit, sich auch über als problematisch empfundene Aspekte der Beziehung auszutauschen. Doch Ihr(e) Partner(in) ist kein neuer (und verständnisvollerer) Mensch geworden, nur weil Sie gerade miteinander im Urlaub sind. Wenn Beziehungsbilanzen und Immer-schon-Probleme einen Großteil des Reise-Gepäcks ausmachen, ist an echte Erholung aber kaum zu denken. Überlegen Sie sich daher gut, was Sie in welchem Umfang ansprechen wollen – und welche Themen Sie lieber ganz außen vorlassen. Im Zweifelsfall versuchen Sie, Probleme als konkrete Wünsche für die kommenden Tage umzuformulieren. Sollte dennoch plötzlich eine „grundsätzliche“ Beziehungsdiskussion anstehen, begrenzen Sie diese auf konkrete aktuelle Schwierigkeiten und auch zeitlich. Keinesfalls sollten Streitgespräche über 21.00 Uhr hinaus fortgesetzt werden – das schafft nur Zündstoff, aber keine Lösungen.

Die rosa (Sonnen-)Brille mitnehmen

Bei allem Stress den ein Urlaub zu zweit realistischerweise bedeutet: Denken Sie dran, die rosa Sonnenbrille mitzunehmen! Subjektiv erlebte „Schwächen“ des Partners als Stärken umzuformulieren und eine positive Perspektive auf den Urlaub als Herausforderung, Nähe miteinander zu leben, kann wirksam über kleinere Spannungen hinweg helfen und Sie in Ihrer Liebe füreinander bestärken.

Bildquelle: pixelio.de (hartzi)

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Sehr schöne praktische Hinweise! Ich kann aus meiner früheren Arbeit als Scheidungsanwalt und Mediator bestätigen, dass viele Paare im Alltag ihre Probleme vor sich her schieben und im Stillen hoffen, dass sie sich im Urlaub von selbst verflüchtigen werden. Leider bleiben die Partner dann trotz der Menge an gemeinsamer Zeit sprachlos und kehren am Ende des Urlaubs mit den summierten
    unerledigten Problemen zurück.

    Ich würde jedem raten, Probleme mit seinem Partner alsbald zu besprechen, wenn sie klar erkannt sind und ihre Lösung nicht zu verschieben, insbesondere nicht auf den Urlaub. Kommt nämlich später wie “Hölzchen auf Stöckchen” ein vergrabener Ärger zum nächsten, schaffen die Beteiligten es nicht mehr, den Wust aufzulösen. Wenn sie sich dann scheiden lassen, wählen Sie fast zwangsläufig ähnliche Partner mit ähnlichem Verhalten und der Unsinn fängt von vorne an.

    Die Lösung ist mehr Selbsterkenntnis, mehr Bescheidenheit, mehr Toleranz und mehr Courage im Umgang mit dem Partner! Wenn der Urlaub erinnernswert werden soll und der Beziehung einen positiven Impuls geben soll, müssen die
    Partner vor der Reise die Leichen aus dem Keller geholt und entsorgt haben!