Erst neulich lief mir beim Gedanken an gebratene Schafleber, bestreut mit Petersilie, gehörig das Wasser im Munde zusammen. Wie lang war es her, dass ich keine mehr gegessen hatte? Nun ist mir jedoch der Appetit von der einen auf die andere Minute vergangen. Seit heute nun weiß ich: auf den Genuss dieses Leckerbissens werde ich vorerst verzichten. Freiwillig. Warum? Die unermüdlich im Sachen Lebensmittelsicherheit für uns Verbraucher im Einsatz befindlichen Essensretter von foodwatch weisen seit nämlich daraufhin, dass der Genuss von Schafleber ein Risiko für unsere Gesundheit bedeuten kann. Die “Essensretter” um Thilo Bode, die schon einige Lebensmittelsauereien öffentlich machten, haben sich das nicht etwa ausgedacht. Nein, sie stützen sich auf ein Gutachten des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR).
Trotz Warnung gelangt weiter giftige Ware in den Handel
Es besagt: Von 140 Schafleber-Proben aus sechs Bundesländern überschreiten 94 Prozent die innerhalb der EU geltenden Höchstwerte für Dioxin! Das BfR warnt ausdrücklich vor dem Verzehr. Aber die Behörden scheinen das Risiko für die Verbraucher nicht für groß genug zu erachten. Beließen sie sonst die zweifellos giftige Ware im Handel? Oder wäre es denkbar, dass zirka 800 000 Konsumenten von Schafleber in Deutschland für vernachlässigbar gehalten würden? Gewiß: ein solches Denken wäre menschenverachtend.
Im BfR-Gutachten heißt es:
“Die Leber von Schafen ist eines der am stärksten mit Dioxin belasteten Lebensmittel von an Land lebenden Tieren”. Es stammt bereits aus dem April des Jahres 2009! Die BfR-Warnung ist besonders vor dem Hintergrund der Tatsache zu verstehen und deshalb besonders ernstzunehmen: “…da bereits eine dauerhafte Grundbelastung der Verbraucher mit Dioxinen und PCB aus unterschiedlichsten Lebensmitteln besteht,muss das BfR aus Vorsorgegründen auf Grund der jetzigen Datenlage vom Verzehr eines so hoch belasteten Lebensmittels wie Schafleber abraten, zumal die Daten aus der Lebensmittelüberwachung bisher zeigten, dass Überschreitungen der Höchstgehalte häufig zu erwarten sind”.
Das BfR-Gutachten: versteckt auf der Internetseite
Der umtriebige und engagierte Verein foodwatch bemängelt, dass außer eines nur schwer aufzufindenden, weil ziemlich versteckt auf der Internetseite des BfR eingestellten, PDF-Dokuments dieses Gutachtens bislang eigentlich nichts weiter geschah. Seitens von foodwatch hält man dies für einen Skandal. Für den Fall, es bliebe bei dieser Verharmlosung einer vorhandenen Gefahr, weißt foodwatch jedenfalls schon einmal vorsorglich daraufhin, dass das verbriefte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit unbedingt auch für Minderheiten gelte. Wer nun immer noch meint, hier würde wieder einmal Panikmache betrieben, möge geflissentlich zur Kenntnis nehmen, was das BfR festgestellt hat: Bereits “bei einem einmaligen wöchentlichen Verzehr von 250 Gramm” dioxinbelasteter Schafleber, werde “die vom europäischen Ausschuß für Lebensmittel festgelegte, tolerierbare öffentliche Aufnahme für einen lebenslangen Verzehr deutlich überschritten”. Nun dürfte es eigentlich kein Vertun mehr geben. Stattdessen müsste nun schleunigst ein Ruck durch Deutschland gehen, der da lautet: Schafleber mit einer überhöhten Dioxinbelastung gehört nicht auf die Teller der Verbraucher, sondern unverzüglich aus dem Verkehr gezogen.
“Vielverzehrer” von Schafleber: Menschen mit türkischen und griechischen Wurzeln
Zu den “Vielverzehrer” unter den ca. 800 000 Schafleber-Konsumenten in Deutschland gelten hauptsächlich Menschen türkischer und griechischer Herkunft. Dieser Personenkreis ist also in erster Linie gefährdet, weil von möglichen Krebserkrankungen bedroht. Auch wenn meine Person zu den “Wenigverzehrern” dieser gebrutzelten Köstlichkeit Schafleber, die mir durchaus auch kalt ganz gut zu einem Butterbrot mundete, zähl(t)e: Ich halte mich von nun trotzdem erst einmal davon fern. Nicht mal das Wasser will mir nun noch im Munde zusammenlaufen beim Gedanken an Schafleber. Wie schnell sowas doch geht! Stattdessen muss ich plötzlich an Seveso denken. Bei Schafleber. Wie ernüchternd. Schade…
Photo/Quelle: Marco Schlüter via Pixelio.de
Interessant, daß nur Schafe davon betroffen werden (sein sollen).
Leber ist ja generell ein Entgiftungsorgan.