Jugendamts-Umfrage: Mönchengladbach weiter vorn

…Leipzig und Oldenburg werden ins Rennen geschickt. Ein Mädchen läuft gegen eine Tür, bekommt ein blaues Auge, geht in den Kindergarten, begegnet dort einer Mitarbeiterin des Jugendamtes, der sofort Kindesmisshandlung einfällt, Ärzte einer Klinik bestätigen diesen Verdacht, die Eltern wehren sich, denn sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen und

…Leipzig und Oldenburg werden ins Rennen geschickt. Ein Mädchen läuft gegen eine Tür, bekommt ein blaues Auge, geht in den Kindergarten, begegnet dort einer Mitarbeiterin des Jugendamtes, der sofort Kindesmisshandlung einfällt, Ärzte einer Klinik bestätigen diesen Verdacht, die Eltern wehren sich, denn sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen und erstreiten vor dem Landgericht in München ein Schmerzensgeld von 20 000 Euro wegen der haltlosen Beschuldigung. Dieses Mädchen ist nur kurze Zeit von ihrem Elternhaus ferngehalten worden – und schon rechnen Kritikerinnen und Kritiker, die sich mit Jugendämtern und Familiengerichten beschäftigen, hoch, wie viel Schmerzensgeld in anderen Fällen fällig wäre, wenn man die Münchner Messlatte anlegt.

Würde man solch einen Fall in Sachsen aufdecken, bekäme man von einer Jugendamts-Mitarbeiterin möglicherweise zu  hören: “Wir können tun, was wir wollen, Kritik gibt es immer.” Aus einem Kinderheim abgehauen sind dort kürzlich sechs Kinder. Sie wollten zusammenbleiben. Das Leipziger Jugendamt hatte andere Pläne.

Kindeswohl geht den Niederrhein herunter

Wenn eine solche Behörde andere Pläne hat als beispielsweise die Eltern, wird es schwer – auch für die Kinder. Landauf und landab gibt es sicherlich unzählige Fälle, in denen ein Einschreiten des Jugendamtes erforderlich ist, aber die Zahl der Fälle, in denen das so genannte “Kindeswohl” zum Beispiel den Niederrhein heruntergeht, ist nicht unerheblich. Das beweist auch eine Umfrage, die Anfang des Jahres auf www.kindesunwohl.de gestartet worden ist. 251 Stimmen sind bereits abgegeben worden. Die Frage lautet: “Welches Jugendamt tut am meisten für das Kindesunwohl?” Zugegeben: Diese Frage muss man zweimal lesen, bevor es klick macht. Doch inzwischen ist sie von vielen verstanden worden. Weiter in Führung liegt mit 71 Stimmen das Jugendamt von Mönchengladbach, doch Lüneburg ist mittlerweile bis auf 3 Stimmen herangekommen.  Viersen, Stuttgart, Herford, Düsseldorf, Cottbus, Wuppertal und Krefeld sind weit abgeschlagen. 93 würden gern ein anderes Jugendamt ins Kindesunwohl-Rennen schicken. Das geschieht jetzt mit Leipzig und mit Oldenburg.

Ausreiseverbot für Zehnjährige

An der Hunte gibt es Eltern, die immer noch nicht verstanden haben, warum ihnen ihre sechs Kinder weggenommen worden sind. Auch ein drei Monate altes Baby ist nicht mehr da. Dinah dagegen ist bereits zehn Jahre alt. Sie wohnt im Badischen und hat äthiopisch-stämmige Eltern. Als die Kleine ihre Großeltern in Äthiopien besuchen wollte, geriet sie in die Behördenmühlen. Befürchtet wurde eine Genitalverstümmelung. Also wurden Eltern und Kind zum Hierbleiben verdonnert. Die Mutter ist zwar katholischen und der Vater orthodoxen Glaubens, der Spuk endete aber erst vor dem Karlsruher Oberlandesgericht. Zwischenzeitlich auch noch vergessen hatten Jugendamt und Familiengericht: In Äthiopien ist die Beschneidung verboten.

Und was geschieht, wenn die Umfrage auf www.kindesunwohl.de beendet ist? Die Antwort: Dann bekommt das Jugendamt, das Platz 1 belegt, einen Preis. Der wird öffentlich überreicht. “Wir werden darüber natürlich berichten”, sagt eine Redakteurin, die für einen Artikel zuständig wäre, wenn Mönchengladbach den bisherigen Spitzenplatz nicht mehr hergibt.

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  1. Ich halte diese Aktion für saudoof. Wenn es um die Vermeidung von Fehlentscheidungen durch Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen des Jugendamtes gehen soll, dann setzt Euch mit deren fachlichen Qualifikation, der personellen Ausstattung der Allgemeinen Sozialdienste der Jugendämter und dem persönlichen Druck unter denen die für den Kinderschutz verantwortlichen Mitarbeiterinnen stehen auseinander. Glaubt Ihr wirklich, die könnten Mal einfach so ein Kind aus einer Familie nehmen und ins Heim geben? Setzt Euch doch ernsthaft mit deren Arbeit auseinander! Es ist richtig, Verbesserungen zu fordern! Verbesserungen sind aber nur möglich, wenn man sich mit deren Ursachen auseinandersetzt. Eine solche Abstimmungsaktion von Frustrierten und Besserwissern ist doch ein Schuss in den Ofen.