Gelebte Geschichte – Jugendliche arbeiten Lücken aus der NS-Zeit auf

Ihre Themen heißen “Der politische Häftling Erich Boltze in Sachsenhausen”, “Das Schicksal des jüdischen Arztes Dr. Bamberger” oder “Das Kriegsende in Scharnitz”. Über 70 junge Menschen aus Europa produzierten mit der Jugendinitiative step21 die Zeitung [Weiße Flecken], um Lücken aus der NS-Zeit zu schließen. Heute fand die feierliche Präsentation im

step211.jpgIhre Themen heißen “Der politische Häftling Erich Boltze in Sachsenhausen”, “Das Schicksal des jüdischen Arztes Dr. Bamberger” oder “Das Kriegsende in Scharnitz”. Über 70 junge Menschen aus Europa produzierten mit der Jugendinitiative step21 die Zeitung [Weiße Flecken], um Lücken aus der NS-Zeit zu schließen. Heute fand die feierliche Präsentation im Jüdischen Museum in Berlin statt.

Grundgesetz, Mauerfall, EU-Osterweiterung – 2009 ist das Jahr der Jubiläen. Wie solch abstrakte Gedenktage jedoch mit Leben erfüllt werden können, das bewiesen am heutigen Dienstag 70 Jugendliche aus Deutschland, Polen, Tschechien und Österreich. Gemeinsam stellten sie die step21 [Weiße Flecken]-Zeitung gegen das Vergessen vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst nahm das erste Exemplar entgegen und diskutierte mit den jungen Europäern über Rechtsextremismus.

“Mit spannenden Projekten regt step21 junge Menschen an, gegen Unrecht, Diskriminierung und Gewalt aufzustehen”

Ihre außergewöhnliche Zeitung präsentierten die Jugendlichen im Glashof des Jüdischen Museum Berlin vor jungem Publikum und prominenten Gästen. In Anwesenheit der Botschafter von Polen, Tschechien, Österreich und Israel zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel beeindruckt: “Mit spannenden Projekten regt step21 junge Menschen an, gegen Unrecht, Diskriminierung und Gewalt aufzustehen – und für Wahrheit einzustehen.”

Sehr persönliche Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus

Für die Jugendinitiative recherchierten insgesamt 15 Schülerteams von Berlin bis Brno, von Klagenfurt bis PoznaÅ„, was zur Zeit des Nationalsozialismus in ihrer Heimatregion geschah. Neun Monate durchforsteten sie die Archive und spürten die letzten noch lebenden Zeitzeugen auf. Sie nahmen an Redaktionsworkshops in Deutschland und Polen teil, um eine Zeitung zu schreiben, die die “weißen Flecken” der NS-Presse beleuchtet. Unterstützt von professionellen Coaches – Journalisten und Historikern – erarbeiteten sie so sehr persönliche Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus.

st212.jpgSonja Lahnstein, Gründerin und Geschäftsführerin von step21, machte in ihrer Begrüßungsrede darauf aufmerksam: “Gerade in Krisenzeiten sind fremdenfeindliche und rassistische Tendenzen im Aufwind, wie die aktuellen Ergebnisse der Europawahl und der Kommunalwahlen bestätigen. Wir sollten das ernster nehmen. step21 [Weiße Flecken] setzt sich dafür ein, dass solches Gedankengut nicht gesellschaftsfähig wird.” Auch in ihrem gemeinsamen Leitartikel mahnen die Nachwuchsredakteure: “Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass die Menschenrechte auf dem Papier existieren, wir müssen für sie eintreten! Was uns heute selbstverständlich erscheint, ist hart erstritten worden. Kaum vorstellbar – aber noch vor 20 Jahren wäre es nicht möglich gewesen, unsere vier Länder zu einem solchen Projekt zusammen zu bringen.”

Seit zehn Jahren Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt

Bereits seit 1998 existiert step21 nun schon. Gegründet im Zuge der ausländerfeindlichen Übergriffe in den 90er Jahren, versuchen die Verantwortlichen seitdem Kinder und Jugendliche mit einem medienpädagogischen Programm darin zu bestärken Selbstbewusstsein und Rückgrat zu entwickeln, um gegen Unrecht, Diskriminierung und Gewalt aufzustehen. Fast eine Millionen junger Menschen wurden bis dato an 13.000 Schulen und Jugendeinrichtungen erreicht. Das Projekt “Weiße Flecken” wurde in diesem Jahr – nach 2006 und 2008 – zum dritten Mal realisiert. Mehr als 200 europäische Jugendliche haben sich bis heute engagiert und haben damit mehr als 100.000 Gleichaltrige erreichen können.

Ab kommenden Mittwoch wird die step21 [Weiße Flecken]-Zeitung, die vom Verein “ein Herz für Kinder”, der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und einigen anderen mehr gefördert wird, an Schulen, Jugendeinrichtungen und Gedenkstätten in den vier teilnehmenden Ländern in einer Auflage von 30.000 Exemplaren verbreitet. Als Modellprojekt soll sie junge Menschen inspirieren, selbst “weiße Flecken” in ihrer Region zu erforschen.

Interessierte können die Zeitung kostenlos per E-Mail an: weisseflecken@step21.de bestellen.

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  1. Der Vollständigkeit halber und der Wahrheit zuliebe muß korrekterweise darauf hingewiesen werden, daß beispielsweise das KZ Sachsenhausen von den Sowjets
    nach Abzug der SS nahtlos weitergeführt wurde als sowjetisches Speziallager. Wenn schon weiße Flecken untersuchen, dann aber bitte alle, sonst ist das unglaubwürdig.
    Die DDR-Vergangenheit bietet noch eine Unmenge weißer Flecken !

    Bernd Stichler