Diese Großmutter ist in heller Aufregung, diese Großmutter ist mit den Nerven fertig, diese Großmutter macht sich Sorgen um ihre Tochter, diese Großmutter hat am 29. Juni 2009 Post aus Mönchengladbach bekommen, eine Antwort auf ihre Dienstaufsichtsbeschwerde über das Jugendamt, gerichtet an Oberbürgermeister Norbert Bude, der sich auch herausgehalten hat, als es um Jessica Müller ging, die aus immer noch merkwürdigen Gründen in einem Kinderheim gelandet ist und dort inzwischen ihren 12. Geburtstag feierte.
“Man kommt gegen diese Behörden nicht an”, sagt diese Großmutter. Auch nicht vor Gericht? Kenner der Szene zucken stets zusammen, wenn sie hören: Mönchengladbach-Rheydt. Bei einem Termin vor dem Amtsgericht soll der Richter einleitend gesagt haben: “Mich verbindet mit dem Beklagten eine Segler-Freundschaft. Deswegen können Sie mich ablehnen. Dann bekommen Sie Y als Richter. Aber auch den verbindet eine Seglerfreundschaft mit dem Beklagten.”
Vor Gericht
Scheint zu stimmen: Vor Gericht und auf hoher See… Diese Großmutter will belegen, was sie erzählt. Ein Teil der Geschichte spiele auf Fehmarn, ein anderer in Eutin, der dritte in Mönchengladbach. “Ich habe mich auch schon an die Presse gewandt”, berichtet sie. Doch für die sei die Geschichte von ihrer Tochter und von ihren Enkeln wohl nicht sensationell genug: “Die wollen einen Selbstmord oder etwas in der Art, bevor sie sich mit einem Thema beschäftigen.”
Ergo: Wird die Geschichte demnächst hier erzählt. Die auch ein Landrat nicht hören wolle, weiß diese Großmutter inzwischen, dass die Familie zwar unter dem Schutz des Grundgesetzes steht, aber das scheint es auch schon gewesen zu sein, wenn sich Politikerinnen und Politikern mit dem Verhalten von Jugendämtern beschäftigen müssten. Nicht nur Edmund Stoiber seinerzeit als Ministerpräsident scheint nicht so recht weiter zu wissen, wenn es um Kinder geht. Das hat er wohl bewiesen, als er eines Tages sagte: “Kinder sind… ähm…”
Kein eigenes Urteil möglich
Genau – dazu passt ein Satz aus der Antwort auf die Dienstaufsichtsbeschwerde über das Mönchengladbacher Jugendamt: “(Es ist nicht gelungen, Ihre Tochter) zufrieden zu stellen.” Und dieser auch: “Bei allem Verständnis dafür, dass Sie Ihre Tochter unterstützen möchten, ist festzustellen, dass Sie selber nicht aus eigener Anschauung beurteilen können, wie die Angelegenheit Ihrer Tochter und Ihres Enkelsohnes beim Fachbereich bearbeitet wird.”
Korrektur: Die Gerichtsszene hat sich in Oldenburg (Schleswig-Holstein) abgespielt, teilt mir gerade die Tochter dieser Großmutter mit. Es handele sich um ein kleines Gericht. Der Richter soll darauf hingewiesen haben, dass er mit einem Verwandten des Beklagten eine Seglerfreundschaft pflege.