Readers Edition Werden Sie Reporter!



Kultur

Da könnte ich ewig spielen!

Freitag, den 3. Juli 2009 um 15:55 Uhr von volly tanner

Koma Kschentz ist Sohn eines Renft-Musikanten aber vor allem selber Musiker. Und dies wirklich und wahrhaftig in sehr fleißig! Geht eben nicht immer so: Casting, Vertrag, Weltruhm, Kohle. Meist heißt Musikmachen einfach “Rocken bis an den Socken die Flocken zocken!”. Und da Koma schon vor fast zwanzig Jahren mit Volly Tanner so manches Getränk vernichtete, darf er heute erzählen, was so geht im musikalischen Geschehen des Planeten:

Volly Tanner: Hallo Koma Kschentz. Du bist ja einer der meistbeschäftigsten Drummer unseres Kulturkreises. Bei wem spielst Du denn derzeit den Fellgerber?

Koma: High, Volly! Ja, zurzeit schwinge ich die Stöcke für die Bands ‘Wolfs Vision’ (ehemals ‘The Art Of Voices’), ‘Julia Montez’, ‘Ever New Name’, ‘Herbst9′ und ‘Treffer’, sowie ab und zu mit ‘Blue Men Kool’ und den ‘Mad House Chicken’. Mir ist es wichtig mich in verschiedenen musikalischen Gefilden zu verwirklichen was im Augenblick ganz gut abgedeckt wird. Das Spektrum reicht von achtziger Jahre Cover (Wolfs Vision) und Mainstream-Rockigem (Julia Montez) über Blues (Blue Men Kool), Experimentell-Jazzig-Metallischem (Ever New Name) und Dark Ambientes (Herbst9) bis zu Punk’n'Roll (Treffer) und percussiven Sachen (Mad House Chicken).

“Außer mir selbst muss ich niemandem etwas beweisen”

Volly Tanner: Gibt’s in Leipzig einfach zu wenige gute Drummer - oder wie kommts, dass Du allerorten an den Drumsticks hantierst?

Koma: Naja, das würd ich so nicht sagen, es gibt aus meiner Sicht schon etliche gute Drummer in der Stadt. Ausschlaggebend ist vielleicht eine gewisse Konsequenz mit der ich an die ganze Sache rangehe und die Fähigkeit mich in den Dienst der Sache zu stellen. Außer mir selbst muss ich niemandem etwas beweisen und das macht mich glaub ich zu einem ganz umgänglichem Typen. Abgesehen davon hab ich auch über zwanzig Jahre Erfahrung, vielleicht ist das alles zusammen der Grund warum man gerne mit mir arbeitet. Eigentlich müssten das meine Kollegen beantworten.

Volly Tanner: Das ist ja auch so eine Sache, die mit hin und wieder auffällt - das Stargehabe nicht wirklich erfolgreicher und untalentierter Musikanten. Die dann einfach nur schwierig sind. Ist Musikmachen Arbeit?

Koma: Musikmachen ist auf jeden Fall auch Arbeit, allerdings mit hohem Spaßfaktor. Zu jedem Gig den man spielt und zu jeder CD die man veröffentlicht usw. gehört ‘ne Menge Vorbereitung und Organisation. Die Entschädigung kriegt man dann, wenn vor der Bühne der Mob tobt. Da könnt ich ewig spielen. Wenn ich dann in der Frühe nach Hause komme fühl ich mich schon manchmal als hätte ich acht  Stunden auf’m Bau geschuftet, nur wesentlich zufriedener.

“Mein erster Job war Zeitungsverkäufer.”

Volly Tanner: Du bist ja ausgebildeter Klavierbauer. Hast Du schon mal in dem Job gearbeitet - oder schon immer deine Brötchen mit Felleprügeln verdient?

Koma: In meinem erlernten Job hab ich nur ganz kurze Zeit gearbeitet, was auch damit zusammenhängt, dass das Ende meiner Ausbildung in die Wendezeit fiel. Kurzarbeit. Ich gehörte nicht unbedingt zu den besten Mitarbeitern, war aber auch nicht traurig darüber. Mein erster Job war Zeitungsverkäufer. Danach schlug ich mich etliche Jahre mit verschiedenen Bau- und Hausmeisterjobs durchs Leben, machte zwischendurch mal meinen Zivi, zeitweise arbeitete ich beim Bühnenbau und Fahrradrikscha bin ich in Leipzig auch schon gefahren. Das Musizieren passierte in dieser Zeit nebenher. So ab 2003 ging ich die ganze Sache dann etwas professioneller an und mittlerweile ist es mein Job.

Volly Tanner: Interessant ist ja dahingehend auch die Sicht eines Profis - also Deine - auf die Leipziger Szene. Denkst Du, dass irgendeine Kapelle aus diesen Breiten das Zeug zum großen Ding hat - hat Leipzig Seattlequalitäten? Oder warum klappts einfach nicht?

Koma: Uh, da muss ich ja aufpassen was ich jetzt sage. Aus meiner Sicht fehlt da in Leipzig ‘n bisschen was Eigenes und Originelles, die Einzigen waren da bis jetzt Think About Mutation in den Neunzigern, wenn man mal von den Prinzen absieht. Allerdings weiß ich auch nicht genau, was damals das Entscheidende war in Seattle. Wahrscheinlich ‘n eigener Style und Menschen wie Olle Kurt Cobain. Von alledem ist L.E. aus meiner Sicht weit entfernt, was mich aber gar nicht so stört, ich steh überhaupt nicht auf solche Hypes. Abgesehen davon glaub ich aber schon, dass Leipzig eine Rolle auf der musikalischen Landkarte spielt, es muss ja nicht immer der große Hype sein. Und ich denke Qualität setzt sich irgendwann immer durch.

Volly Tanner: Derzeit ist ja auch die Erhöhung der GEMAgebühren um 600! Prozent im Gespräch (informier Dich ma!). Denkst Du, dass das ganz speziell auch auf Deine Arbeit Auswirkungen hat? Wirds weniger Live geben?

Koma: Da wart ich mal ab wie sich das konkret entwickelt bzw. wie sich das auf meine Arbeit auswirken wird. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Strukturen in denen Musik stattfindet verändern und anpassen werden. Mehr zurück an die Basis und weniger die Big Bangs, wahrscheinlich zu Lasten der Sachen, die irgendwo dazwischen liegen, und direktere Kontakte zwischen Musikkonsumenten und -produzenten. But, who knows?

Volly Tanner: Denkst Du, dass in dem irrsinnig großen Bereich Musik - ich verweise da gern darauf, dasses heut schon für 75 Eus beim Discounter die ganze Gitarrenanlage plus e-git gibt - irgendetwas bleibt?

Koma: Sorry, aber wie meinst’n das?

Volly Tanner: Na, so bleibende Werte - Evergreens, Musik, die auch in 100 Jahren noch im Gedächtnis bleibt?

Koma: Ha ha, das ist natürlich schwer einzuschätzen, da müss’mer uns in 100 Jahren nochmal darüber unterhalten! Viele Sachen haben heutzutage natürlich ‘ne sehr kurze Halbwertszeit und ich denke aus jetziger Sicht, dass die Musik die in 100 Jahren noch gehört wird schon geschrieben ist. Wenn man sich aber ein bisschen Mühe gibt kann man auch in diesen Zeiten sehr schöne Musik entdecken. Und ob die dann in hundert oder in hunderttausend Jahren noch gehört wird ist mir eigentlich wurscht. Beeindruckend finde ich, dass das Interesse am Rock’n'Roll, in welcher Form und Spielart auch immer, nicht abzubrechen scheint und dabei aber nicht mehr diese Schubladenscheuklappen zum Tragen kommen, wie das noch in den Achtzigern angesagt war. Der Nachwuchs stirbt nicht aus und das stimmt mich erstmal positiv.

“Geht immer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt”

Volly Tanner:
Das ist doch auch malne ungejammerte Aussage. Gut so. Möchtest Du den Lesern noch irgendetwas mitgeben???? Eine Weisheit aus berufenem Munde sozusagen?

Koma: Äh, na ja, geht immer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, lasst euch nix vormachen und glaubt an euch selbst! Die wichtigen und interessanten Dinge im Leben sind manchmal nicht so leicht zu entdecken bei all dem Müll der so durch die Gegend schwirrt. Mehr will ich dazu gar nicht sagen.

  • diesen Artikel drucken
  • E-Mail This Post/Page
3.7
  • derzeit 3.69 Sterne
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
 
 

Schlagwörter

Share it!

3 Reaktionen zu “Da könnte ich ewig spielen!”

Kommentare für diesen Artikel als RSS-Feed abonnieren.

  1. Manfred

    am 5. Juli 2009 um 19:33 Uhr | Link | Kommentar melden

    Elektrisches Schlagzeug ist super, man macht keinen lärm wenn man kopfhörer aufhat, es stört niemanden… Wenn ich doch nur geld dafür hätte… :(

  2. lindner inge

    am 17. Juli 2009 um 17:35 Uhr | Link | Kommentar melden

    ich muß zugeben,das ich das erste mal von dir gehört habe.ich bin nachwievor renft
    fan. aber es fehlt einer.
    und ich bin erstaunt,so eine aussage zu hören.
    wo kann man denn etwas von dir hören oder sehen?ich bin echt gespannt.
    lass was von dir hören.
    gruß ,inge aus suhl
    kann ich auch ein autogramm bekommen?
    danke
    inge lindner
    neuer friedberg 104
    98527 suhl
    ich würde mich sehr freuen!
    hab ja keine adresse,sonst hätte ich schon geschrieben,mit rückantworet.
    danke

  3. Koma Kschentz

    am 13. Januar 2010 um 12:00 Uhr | Link | Kommentar melden

    für alle die es interessiert hier meine web-adresse: myspace.com/drumkoma

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.

Lesen Sie hierzu auch "Intern: Kommentieren nach Registrierung weiter möglich!"