Wie das Handelsblatt heute meldet, stecken allein in den Bilanzen der führenden deutschen Konzerne knapp 44 Prozent ihres Bilanzwertes in Goodwill-Bewertungen. Absolut addiert sich dies auf 189 Mrd. Euro auf. Würden diese Bilanzpositionen, die im Zuge der Krise massiv an Wert verloren haben, entsprechend den Regel Value-to-market korrigiert, dann würde die Eigenkapitalquoten der deutschen Konzerne von derzeit 40 Prozent auf rund die Hälfte halbiert werden müssen.
Studie offenbart immense Risiken
Die Studie, die vom Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) und der Unternehmensberatung Oliver Wyman 133 Unternehmen des Dax, Mdax, TecDax und Sdax analysierte, kommt zum Ergebnis, dass die Unternehmen bisher erst im vergangenen Jahr 6,6 Mrd. Euro an Wertberichtigung vorgenommen haben. Bei einem längeren Andauern der Wirtschafts- und Finanzkrise wird sich der Abschreibungsbedarf dramatisch erhöhen. Goodwill ist im Prinzip eine Wette auf die Zukunft. Als Goodwill wird die Differenz zwischen dem Kaufpreis eines Übernahmeobjekts und dem nach Übernahme neubewerteten Nettovermögen bezeichnet. Nur wenn sich die Hoffnung realisiert, dass die bei der Übernahme gezahlten höheren Ertragserwartungen auch tatsächlich realisiert werden, lässt sich die Goodwill-Bewertung aufrechterhalten. Fallen die Erträge jedoch wie derzeit in der Krise deutlich niedriger aus, dann sind entsprechende Korrekturen am Goodwill unvermeidlich. Dies folgt zwingend aus den Bilanzregeln des IFRS bzw. US-GAAP, die für diese Unternehmen verbindlich sind. Die Aufsicht über korrekte Bilanzierungen bei den deutschen Großkonzernen wird von der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung wahrgenommen.
Das dicke Ende einer Übernahmewelle
Die Deutsche Telekom musste so bereits im ersten Quartal dieses Jahres eine Wertberichtigung seiner britischen Beteiligung T-Mobile UK um 1,8 Mrd. Euro vornehmen. Ähnliche Probleme könnten sich jetzt für die Deutsche Telekom auch in den USA ergeben. Die Wertberichtigungen sind das Ergebnis von Unternehmensübernahmen und -beteiligungen aus vorangegangenen Jahren, die jetzt aufgrund überhöhter Bewertungen bei der Übernahme zunächst als Goodwill-Bewertungen in den Bilanzen schlummerten und jetzt bilanztechnisch korrigiert werden müssen. Allein die Deutsche Telekom hat mit der Übernahme der griechischen OTE-Gruppe sich erneut ein Bilanzrisiko von 2,5 Mrd. Euro eingehandelt. Sie ist auch insgesamt in Deutschland mit einem Goodwill-Bilanzvolumen von 20,6 Mrd. Euro im Jahr 2008 Spitzenreiter der Untersuchung. Es folgen E.on mit 17,2 Mrd., Siemens mit 16 Mrd. Euro und die deutsche Post mit 10,1 Mrd. Euro. Allein der Goodwill in der Bilanz der Deutschen Post beträgt 103 Prozent des Eigenkapitals. Die Gefahren einer drastischen Deflation der Bilanzwerte der Unternehmen ist eine Spätfolge einer massiven Übernahmewelle, die die Wirtschaft aufgrund der Liquiditätsschwemme der zurückliegenden Jahre ausgelöst hat.
Finanzierungsprobleme verschärfen sich
Sollten sich wie befürchtet die Eigenkapitalquoten der Dax-Unternehmen drastisch aufgrund von Goodwill-Wertberichtigung verschlechtern, dann dürfte dies nicht ohne Folgen für den Börsenwert und die Bonität der Unternehmen sein. Da bereits jetzt der Markt für Unternehmensanleihen aufgrund der Finanzkrise deutlich an Liquidität verloren hat und auch dort steigende Finanzierungskosten sich bemerkbar machen, könnte es zu einer ähnlichen Lage wie bei Banken und anderen Finanzinstitutionen kommen. Viele Unternehmen haben auf Pump eine massive Expansionspolitik im Zuge der Globalisierung betrieben. Wegen des Wettbewerbs um Unternehmen im Ausland wurden oftmals überhöhte Preise bei den Übernahmen bezahlt. Durch die Goodwill-Rückstellungen konnte man diese zeitweilig bilanzkosmetisch als Eigenkapital aufrechterhalten. jetzt in der Krise brechen derartige Modelle zusammen. So hat ProSiebenSat1 ein Verhältnis von Goodwill zu Eigenkapital von 467,2 Prozent, United Internet von 260,2 Prozent und Arcandor von 248,7 Prozent im Jahr 2008.
Mithin sind die sich abzeichnenden Wertberichtigungen auf den Goodwill für zahlreiche Unternehmen Existenz bedrohend. Die Unternehmen nicht nur die Konsumenten haben in großem Stil über ihre Verhältnisse gelebt. In Zeiten des Wachstumsoptimismus glaubte man durch Übernahmen und Beteiligungen sich rascher auf dem Weltmarkt positionieren zu müssen. Jetzt in der Krise rächt sich dieser Optimismus und droht die Unternehmen, wenn kein Wunder – sprich Änderung der Bilanzierungsregeln – geschieht, in die Insolvenz zu drängen. Arcandor lässt grüßen.
Die Rosstäuschung, die Änderung der Bilanzierungsegeln heißt, hat bei den Banken ja schon in 2008 angefangen und hat bei den Bad Banks geendet.
Nach der neuen EU- Regelung dürfen die Kreditinstitute der EU ihre Vermögenswerte vom Handelsbuch ins Bankenbuch übertragen. Das heißt: Werden Papiere bis zur endgültigen Fälligkeit behalten, können sie zum Anschaffungswert verbucht werden und müssen nicht permanent auf den aktuellen Marktwert abgeschrieben werden. Sie müssen nur dann wertberichtigt werden, wenn tatsächlich kein Mittel-Rückfluss mehr zu erwarten ist. Natürlich hat keines der toxiscxhen Papiere mehr seinen Anschaffungswert. Alles Lüge!