Gerechtigkeit für die SPD!
“Gerechtigkeit für die SPD!” fordert die ZEIT in ihrem Leitartikel. Dank SPD, so Matthias Geis, sei das Land “ökologischer, liberaler, moderner, ökonomisch stabiler und entspannter als vor ihrem Machtantritt im Jahre 1998.” Mit “Land” meint der ZEIT-Journalist die Bundesrepublik. Man reibt sich die Augen.
Deutschland “liberaler” dank SPD?
Sind die Ausspähpläne Schilys vergessen, die Bespitzelungsaktionen durch die HartzIV-Quasi-Stasi-Behörde, die Abhörskandale bei Lidl, SIEMENS, Telekom, Deutscher Bank und Bundesbahn, die Tornados über Heiligendamm - sind das alles Zeichen von mehr Liberalität?
Deutschland “moderner” dank SPD?
Wenn mit “modern” gemeint ist, dass Millionen von Menschen nicht mehr von ihrer Arbeit leben können, dass sich die meisten Zeit- und Leiharbeiter für einen Hungerlohn verdingen müssen, dass HartzIV und Ein-Euro-Jobs die Tarifverträge weichgeklopft haben, dass Berufs-und Lebensplanung heute völlig ungewiss sind, die Altersvorsorge unsicherer denn je, dann ist Deutschland in der Tat “moderner” geworden - und das vor allem dank SPD.
Deutschland “ökonomisch stabiler” dank SPD?
Ist Matthias Geis von der ZEIT entgangen, dass die SPD eine Massenarbeitslosigkeit von rund fünf Millionen hinterlassen hat und immer noch weit über drei Millionen arbeitslos sind? Weiß Matthias Geis irgend etwas von den sieben Millionen HartzIV-Empfängern - Tendenz steigend? Hat Matthias Geis schon davon gehört, dass wir vor einer Pleitewelle und Massenentlassungen nie gekannten Ausmaßes stehen, dass die von der SPD-Spitze hochgepriesene private Altersvorsorge wie Schnee im Juli dahinschmilzt? Dass genau jene Schrottpapiere und Konstrukte wie CDS, CBL und ABS, die Schröder, Clement, Steinbrück und sein Assistent Asmussen - alle von der SPD - jahrelang so heiß empfohlen haben, das Finanzdesaster ausgelöst haben?
Deutschland “entspannter” gar dank SPD?
Meint Matthias Geis die Bundeswehr am Hindukusch sorge wirklich für Entspannung? Hat Matthias Geis eine Ahnung davon, dass unter SPD-Ägide allein das Netto-Geldvermögen der 25 Prozent Reichsten im Lande um rund 30 Prozent gestiegen ist, während die Ersparnisse der 25 Prozent Ärmsten von ehemals im Schnitt 5000 auf weniger als 2500 Euro geschrumpft sind? Kann der ZEIT-Redakteur sich vorstellen, wie entspannend es sein muss für einen Menschen, der 40 Jahre lang geschuftet hat, wenn er von den angesparten 50.000 Euro bis auf 12.000 Euro alles aufbrauchen muss, ehe er HartzIV bekommt? Dank SPD wohlgemerkt.
Ist dem ZEIT-Journalisten bekannt, dass der Anteil der Studierenden aus vermögensschwachen Haushalten unter Schröder, Steinbrück, Steinmeier spürbar zurückgegangen ist? Entspannend? Für wen fragt man sich. Hat Matthias Geis schon einmal die Arbeitshetze in den Kliniken, den alarmierenden Pflegenotstand in der Republik mitbekommen? Weiß Matthias Geis, dass sich unter SPD-Regentschaft die Kinderarmut in Deutschland von einer Million auf zwei Millionenverdoppelt hat?
Offensichtlich nicht.
Am Ende seines Artikels klagt der ZEIT-Redakteur: “Hat es die SPD nach elf Jahren Regierung wirklich verdient, in der tiefsten Krise ihrer Geschichte zu landen? Soll ihr Einfluss auf die bundesdeutsche Politik drastisch und dauerhaft zurückgeschraubt werden…?”
Die Antwort kann nur lauten: Ja.
Jedes Wahlprozent über 20 für die SPD wäre eine schwere Ungerechtigkeit gegenüber den von der SPD im Stich Gelassenen, Ausgetricksten und Betrogenen.











Peter Glanzruß
Nicht vergessen Gerhard Schröder !!! Der beste Kanzler, den wir je hatten.
Andreas Grieß
Der Autor dieses (RE)-Artikels hat natürlich vollkommen recht, die SPD hätte eine Wunderheilung nach 16 Jahren CDU hervorrufen müssen. Es ist ja allgemein bekannt, dass man wenn man eine Partei wählt, ab sofort nur noch die Sonne scheint.
Mal ehrlich, vielleicht mal darüber nachgedacht, dass nicht immer alles klappt wie geplant? Das Heiligendamm schon unter CDU-Mitherrschaft fällt? Und dass, so meine feste Überzeugung, das Land noch viel schlechter dastehen würde ohne die rot-grünen Jahre?
Ich sag nur eines: Kohl hatte 1998 noch Angst vor Russischen Panzern, wie er wohl auf 9/11 vorbereitet gewesen wäre von seinem Horizont? Merkel und Stoiber waren beim 2002er Wahlkampf definitiv NICHT gegen eine Beteiligung am irak-Krieg. Sollten Leute, die schon Afghanistan kritisieren auch einmal bedenken!
Gary7
Hochverrat hat einen Namen: Große Koalition
Wenn Sie allerdings nach der Verräterpartei suchen dann tippen Sie selbiges mal in google ein.
Tenner
Was rauchte Matthias Geis oder was bekam er dafür? Egal was, wieso, weshalb, warum; ich will das auch.
Margareth Gorges
Es war die Agenda, nichts sonst, es war new labour, was die Sozialdemokratie zerstört hat. Und ich kann mir nicht vorstellen (oder kann man derart realitätsvergessen sein?), dass das Leuten wie Steinbrück,Steinmeier oder Müntefering letztlich nicht auch klar ist.
Woher dann die Borniertheit, mit der diese Gruppe die SPD mit Inbrunst immer wieder an die Wand fährt?
Es kommt aber noch ein psychisches Element dazu. Die Agenda-Sozis sind, was ihre Biographie betrifft, mit der Agenda auf Gedeih und Verderb verheiratet. Die Agenda darf kein Fehler gewesen sein.
Das scheint mir der tiefere Hintergrund zu sein für den schlechthin aberwitzigen Realitätsverlust der SPD-Führung. Jeder Trottel weiß, und die Wahlergebnisse der letzten Jahre belegen es problemlos, dass die Agenda die SPD auf den Hund gebracht hat.
Ich kann psychologisch sogar noch halbwegs verstehen, dass ein Agenda-Sozi da jetzt persönlich nicht mehr rauskommt. In der Art betrogener Betrüger, die es nicht wahrhaben dürfen und doch innerlich längst wissen, reden sie sich jetzt in Rage und glauben sich ihre Empörung fallweise womöglich auch noch.
Es hilft nichts: Diese SPD können wir vorderhand vergessen. Sie ist so leider nicht wählbar. Ob Leute wie Otmar Schreiner dort noch bleiben können? manchmal hoffe ich es - und manchmal denke ich: Macht ein Ende! Macht ein Ende, es ist nur noch quälend…ich weiß es nicht. Irgendwann werden die Agenda-Leute von der Realität eingeholt, sicher…fragt sich, ob es dann nicht zu spät ist.
Eine ernüchternde Bilanz einer neoliberal gewendeten SPD-Regierungspolitik – selbst wenn man berücksichtigt, dass die SPD nicht nur von Schröder an die Wand gedrängt sondern von konservativen Kräften und den Medien getrieben wurde . Das Paradoxe ist, dass sich viele Wählerinnen und Wähler sagen werden, schlimmer kann es mit der Union und der FDP nicht mehr kommen und nur noch die Wahlenthaltung oder Schwarz-gelb als Alternative sehen.
Rolf Ehlers
Absolut richtig. Bei den Arbeitslosenzahlen vergessen wir immer wieder, auf die gekannte bewusste Fälschung der Statistiken hinzuweisen. Die wirkliche Zahl der Arbeitslosen ist die Riesenmenge von Menschen, die gar keine oder nur eine so gering bezahlte Arbeit haben, dass sie und die von ihnen familiär Abhängigen von ihrem Einkommen nicht leben können, die aber,wenn mehr Arbeit da wäre, gern mehr täten und mehr verdienten. Es gibt Ganz-Arbeitslose und Teil-Arbeitslose. Beiden geht es sehr schlecht. Zusammen machen sie den von ihnen familiär Abhängigen nach grober Schätzung in der gesamten Bundesrepublik bereits fast die Hälfte der Bürger aus, im Osten sind es weit mehr.
Zählt man dann noch die hinzu, die von ihren kleinen Renten kein ausreichendes Auskommen haben, erkennt man, dass weit mehr als die Hälfte aller Bürger in Deutschland in relativer Armut leben. Herzlichen Dank, SPD! Wenigsten Deinen Funktionären geht es besser.
Unsere Arbeitsverwaltung arbeitet nach dem Schema “Teile und herrsche!” Sie unterteilt die, die nicht von einer Arbeit leben können, in verschiedene Gruppen
wie “richtige Arbeitslose, die Arbeit suchen”, Dauerarbeitslose, die gar nicht mehr
registriert werden, Minderbeschäftigte, in Weioterbildungsmaßnahmen Gesteckte und mehr. Damit wird die Tatsache verwirbelt, dass unser Wirtschaftssystem, das
die wirtschafltiche Existenz der Bürger von der Ausübung einer Arbeit abhängig macht, längst obsolet ist.
Wir sollten die komplizierten überkommenden “Sozial”systeme sämtlich streichen und das an keine arbeitsmäßigen Voraussetzungen geknüpfte Vorassetzungen gekoppelte Grundeinkommen für jedermann einführen. Das Geld, ein solches System zu betreiben, ist da. Nur wird es heute regelrecht “verwaltet.” Der Wunsch nach absoluter Verteilungsgerechtigkeit nachdem Verdienst war vertretbar, als noch für alle genügend Arbeit da war. Dies Zeit ist endgültig vorbei. Heute kann nur ein an der gleichen Würde jedes Einzelnen orientiertes in jeder Altersgruppe gleiches Grundeinkommen für jedermann gerecht sein.
Beschäftigt man sich genauer mit den voraussichtlichen Konsequenzen, stellt man
bald fest, dass in diesem System nicht weniger, sondern viel mehr und viel erfolgreicher gearbeitet werden wird. Die alte Tante SPD, die wie die Gewerkschaften nur zurück blickt, ist wie die CDU (ohne Althaus) und die FDP, aber wohl auch die Linke, ein Klotz am Bein der Gesellschaft, der jeden freien Schritt nach vorn verhindert. Je länger wir so weiter machen, so unsozialer werden
sie Verhältnisse in unserem Land.
kuechenkabinett
Manuelles Trackback:
Die Zeit versucht sich an einer - nunja - positiven Darstellung der SPD unter dem oben genannten Titel. Die Öffentlichkeit, sprich der Wähler, würde die Leistungen der Partei nach 11 Jahren Regierung nicht gebührend wertschätzen - so die These. Das grausame Stimmungstief, in dem die Partei sich befindet, hätte sie beileibe nicht verdient. So etwas verdient aufmerksam gelesen zu werden. Der Autor Matthias Geis führt nun folgende Argumente ins Feld:
http://www.kuechenkabinett.org/2009/07/gerechtigkeit-fur-die-spd.html
Artikel “Gerechtigkeit für die SPD” « Snapshorty's Blog
[…] Artikel gefunden […]
Margareth Gorges
Asymmetrie zu Lasten von SPD und Linker
Staunend stehen jetzt einige Zeitgenossen vor den Umfrageergebnissen der SPD und der Linkspartei - zwischen 20 und 25 % für die SPD und um die 10 % für die Linkspartei und zusammen mit den Grünen kaum über 40 %, das ist nicht gerade berauschend. Dann geht die Ursachensuche los. Ein typisches Beispiel ist der Beitrag bei Zeit.de von Matthias Geis mit dem Verlangen „Gerechtigkeit für die SPD!“ (Siehe Anlage 1.)
Da wird nach objektiven Gründen gesucht und im konkreten Fall auch noch als Erfolg der SPD reklamiert, was zumindest zwei Gründe für ihren Niedergang waren: die Agenda 2010 und die Beteiligung an militärischen Operationen außerhalb des NATO-Bereichs. Die wichtigste Ursache, die Medienbarriere für die SPD, sobald sie etwas linker tickt, und für die Linkspartei in fast schon aggressiver Form, wird nicht thematisiert. Neuestes Beispiel für Letzteres: die Ankündigung des Sommerinterviews mit Lafontaine bei Berlin direkt am Abend des 12. 7.
hier weiterlesen von Albrecht Müller.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=4060#more-4060
Margareth Gorges
Kampagnenjournalismus vom Feinsten
Nachtrag zu „Asymmetrie zu Lasten von SPD und Linker“
Erst ein Tendenzstück zur Ankündigung, dann ein entsprechendes
„Sommerinterview“
und dann darf Peter Frey noch nachlegen:
Die öffentlich-rechtlichen Medien machen sich selbst kaputt.
hier lesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=4063#more-4063
Margareth Gorges
Die Kampagne für die Fortsetzung der Reformpolitik
Viele der Kampagnen sind lange vorbereitet und entfalten erst später ihre Wirkung. Zurzeit läuft zum Beispiel eine Kampagne mit der Hauptbotschaft, dass wir trotz Krise oder auch wegen der Krise nicht versäumen sollten, die so genannte Reformpolitik fortzusetzen. Die Botschaft wird uns auf vielfältige Weise und in Variationen nahe gebracht. Ich will das anhand von drei Veröffentlichungen in der „Zeit“ sichtbar machen:
Am 9.7.2009 erschien unter der Überschrift „Gerechtigkeit für die SPD! Eine Ehrenrettung“ ein Beitrag von Matthias Geis .Dabei ging es - aus meiner Sicht vordergründig - um die schlechten Chancen der SPD. Eine wesentliche Botschaft dieses Artikels steckt in dieser Passage:
Dennoch ist die Vorstellung fast schon absurd, die SPD könnte im Herbst, trotz ihrer respektablen Regierungsbilanz, auf einen historischen Tiefpunkt abstürzen. Immerhin hat sie die beiden entscheidenden politischen Weichenstellungen der vergangenen Jahre durchgesetzt. Ein Jahrzehnt nach der deutschen Vereinigung hat sie anerkannt, dass das Land seiner außenpolitischen Verantwortung notfalls auch unter Beteiligung an einem Kriegseinsatz nachkommen muss. So schickte sie Soldaten in das Kosovo und nach Afghanistan. Und sie hat weitreichende sozialpolitische Reformen eingeleitet, um den deutschen Sozialstaat unter schwieriger gewordenen internationalen Konkurrenzbedingungen stabil zu halten.
Die Leser sollen unter der Hand lernen, dass die eingeleiteten sozialpolitischen Reformen zentral und wichtig sind, und dass auch der 1999 begonnene Kriegseinsatz außerhalb des NATO-Bereichs eine verdienstvolle Leistung ist. Nebenbei soll der Artikel noch eine Hilfe für die SPD sein. Ob er das mit der transportierten Hauptbotschaft sein wird, ist eine andere Frage.
==>VOLLSTÄNDIGEN ARTIKEL HIER weiterLESEN:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=4088#more-4088