Kampagnenjournalismus vom Feinsten: Oskar Lafontaine im ZDF- Sommerinterview

Oskar Lafontaine im ZDF- Sommerinterview – Kampagnenjournalismus vom Feinsten – lesen Sie selbst:  ZDF: Aber im entscheidenden Moment, im Jahr 1999, haben Sie hingeschmissen? Lafontaine: Ich weiß, Sie kommen immer wieder auf den Rücktritt als Finanzminister zu sprechen. Das Wort Hinschmeißen ist eine Diffamierung. Ich war nicht einverstanden mit der

makut.jpgOskar Lafontaine im ZDF- Sommerinterview – Kampagnenjournalismus vom Feinsten – lesen Sie selbst: 

ZDF:
Aber im entscheidenden Moment, im Jahr 1999, haben Sie hingeschmissen?

Lafontaine: Ich weiß, Sie kommen immer wieder auf den Rücktritt als Finanzminister zu sprechen. Das Wort Hinschmeißen ist eine Diffamierung. Ich war nicht einverstanden mit der Sozialpolitik, das kann heute niemand mehr bestreiten. Ich war nicht einverstanden mit der Vorbereitung des Krieges auf Jugoslawien, das kann auch niemand bestreiten. Wenn jemand dann sagt “ich gehe”, dann sollte man das respektieren und nicht so dämlich von Hinschmeißen reden.

ZDF: Es ist doch ein Faktum, dass Sie das Amt niedergelegt haben.

Lafontaine: Bitte unterbrechen Sie mich nicht ständig. Ich möchte doch darauf hinweisen, dass ich 1999 auch zurückgetreten bin, weil meine Vorschläge, die internationalen Finanzmärkte zu regulieren, vom deutschen Kanzler nicht unterstützt wurden, vom britischen Premier nicht unterstützt wurden, natürlich auch von den USA abgelehnt wurden und deshalb keine Chance hatten. Mittlerweile gibt es ja einige anständige und faire Journalisten, die sagen: Wir haben damals über ihn gelacht, wir müssten heute sagen, er hatte Recht.

ZDF: Also, Herr Lafontaine, wir haben hier die Möglichkeit 20 Minuten zu sprechen und wenn Sie mit dem “anständig” vielleicht mich gemeint haben, dann weise ich das zurück. Ich sag nochmal: Sie waren 1999 einer der mächtigsten Männer der Republik. Sie waren Finanzminister. Sie waren Parteichef der SPD. Sie hätten damals die Rentenformel ändern können. Sie hatten mit dem Haushalt zu tun. Sie hätten über Auslandseinsätze der Bundeswehr mitentscheiden können. Sie sind gegangen, das ist doch ein Faktum.

Lafontaine: Sehen Sie, wenn Sie schon sagen, wir hätten die Rentenformel damals ändern können, dann sind Sie jetzt so tief in die Geschichte gegangen, dass Sie die Fakten nicht mehr präsent haben. Die Rentenformel war damals ausgezeichnet, die hätte ich gerne heute wieder.

ZDF: Aber die anderen Dinge? Sie haben nicht mit gestanden. Sie sind gegangen. Sofort, als die Küche heiß wurde, sind Sie gegangen.

Lafontaine: Ich weiß nicht, was dieses polemische Interview jetzt soll? Sie reiten auf dem Rücktritt herum, unterstellen Dinge, die gar nicht stimmen. Als könne ein Einziger von mehreren hundert Abgeordneten eine Formel im Bundestag ändern. Als könne ein Einziger von mehreren hundert Abgeordneten die Sozialgesetzgebung ändern. Das ist doch alles kalter Kaffee.

ZDF: Warum profitiert die Linke nicht mehr von den Zeiten, wo selbst der Papst den Kapitalismus kritisiert. Die Umfragen werden ja schlechter und nicht besser.

Lafontaine: Wir haben ein Medienproblem, das haben wir jetzt gerade wieder festgestellt. Die Medien sind uns gegenüber nicht gerade freundlich gesonnen. Beispielsweise werden Vorschläge von uns gar nicht diskutiert. Auch dann, wenn allgemein in Deutschland darüber verhandelt wird. Zwei Beispiele: Wir haben Kurzarbeit. Wer redet darüber, dass die Linke einen Gesetzentwurf im Bundestag hat, Kurzarbeitergeld nicht zu versteuern? Wir haben Wucherzinsen in Deutschland. Wer redet darüber, dass die Linke als einzige Partei im Bundestag einen Gesetzentwurf hat, die Zinsen für Überziehungskredite, die die Ärmsten betreffen, auf sechs Prozent zu begrenzen. Ich danke Ihnen aber, dass ich das jetzt hier einmal sagen kann.

ZDF: Das wollen wir doch sagen. Wir haben immerhin 20 Minuten die Möglichkeit dazu, und Sie werden genauso behandelt wie alle anderen Parteivorsitzenden im ZDF-Sommerinterview.

Lafontaine: Ich gucke mir das Interview mit Frau Merkel an.

Anmerkung Dr. Wolfgang Lieb: 

Siehe den vorigen Beitrag von Albrecht Müller: Asysmetrie zu Lasten der Linken. Kampagnenjournalismus vom Feinsten http://www.nachdenkseiten.de/?p=4063

Sie konnten ja schon sehen, wie devot der Bundespräsident interviewt wurde. Achten Sie wirklich auf das Interview mit Frau Merkel und vergleichen die Fragen und vor allem die Tonart! Das gleiche Spiel wie mit Oskar Lafontaine auch mit Gregor Gysi im DLF. siehe:   http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/997404/

Anmerkung unseres Lesers M.H:

Jedem, der nach der beschriebenen ZDF-Ankündigung das Interview angeschaut hat, dürfte damit jeder Restzweifel an einer großangelegten Anti-Links-Medienkampagne verlustig gegangen sein. Bemerkenswerterweise beinhaltete das Interview nämlich nicht nur die üblichen Anti-Lafontaine-Polemiken, sondern die längst überfällige angemessene Reaktion darauf. Oskar Lafontaine hat in vorbildlicher und lang vermisster Weise endlich die Kampagnen-Berichterstattung auch des ZDFs öffentlich und in aller Deutlichkeit angeprangert und den äußerst ungeschickt agierenden und offenkundig darauf nicht vorbereiteten Peter Frey vorgeführt. Das Interview geriet dabei selbst zum Live-Beweisstück. Nicht zuletzt deshalb weil sich Frey völlig blindwütig und einem blutberauschten Kampfhund gleich auf Lafontaine stürzte. Außer der bekannten und abgedroschenen Polemik des Weglaufens und Hinschmeißens gegen Oskar Lafontaine brachte Frey nämlich rein gar nichts Substanzielles zustande. Der unter Anti-Links-Journalisten so beliebte Weglauf-Vorwurf wurde so zum Aufhänger dessen, was man beim ZDF wohl am liebsten totgeschwiegen hätte: Eine Medienpropagandakampagne gegen alles und jeden, der es wagt, für die substanziellen Interessen der Bevölkerung einzutreten.

Interessant und notwendig ist auf jeden Fall aber, dass Lafontaine tacheless redet und diese Medienbarriere gut wahrnehmbar thematisiert. Hier tut Wiederholung not. Peter Frey wirkte einerseits sehr hilflos, doch gepaart mit seiner Aggressivität gegenüber Lafontaine dann schließlich außerordentlich unglaubwürdig und voreingenommen, Dies ist wichtig, um die medial gelenkte Meinungsbeeinflussung ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Der Zuschauer merkt: Es sind keine abstrusen Verschwörungstheorien, wenn jemand behauptet, die Medien würden maßgeblich von konservativ-liberalen Kreisen gesteuert, sondern es ist tatsächlich was dran. Peter Frey ist nicht der nette und neutral agierende Journalistenonkel, sondern ein parteiischer, interessengeleiteter Meinungsmanipulateur und damit Teil eines Problems. Man achtet dann mehr auf diese Dinge und umso mehr fällt einem dann auf.
via  http://www.nachdenkseiten.de/?p=4061#h20

Mehr zum Thema:

- Oskar Lafontaine: Über Wunden

Kommentare

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  1. Zum Sommerinterview in der ARD mit Oskar Lafontaine schreibt die gleichgeschaltete Kampagnen-Presse (natürlich im Auftrag der Hochfinanz, der Amis und der CDU/CSU, siehe nachdenkseiten.de) u.a.:

    “Doch als Peter Frey wissen will, ob er gut mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kann, fühlt sich Lafontaine sichtlich in die Enge gedrängt – und macht er einen Fehler: „Ich kam mit ihm gut zurecht, als er Chef des Kanzleramts war.“

    Lafontaines Fehltritt: Steinmeier war erst ab Juli 1999 Kanzleramtschef – da war Lafontaine bereits vier Monate nicht mehr Mitglied der Regierung.”
    http://www.welt.de/fernsehen/article4109991/Die-hohe-Wuerde-des-Oskar-Lafontaine.html