Die Krise, die Banken und die Medien: “Es gibt keine Alternative!” – Oder doch?

Der Lösungsansatz der “Ketzer der Ökonomie”, die seit langem eine neue Megakrise II des modernen Kapitalismus prognostiziert haben. Warum werden sie bis heute nicht gehört? Die Krise kommt langsam in die Jahre. Aber sie ist noch lange nicht vorbei. Die Finanzkrise brach bereits im Jahre 2007 aus, für die Insider der Finanzindustrie

Der Lösungsansatz der “Ketzer der Ökonomie”, die seit langem eine neue Megakrise II des modernen Kapitalismus prognostiziert haben. Warum werden sie bis heute nicht gehört?

Die Krise kommt langsam in die Jahre. Aber sie ist noch lange nicht vorbei. Die Finanzkrise brach bereits im Jahre 2007 aus, für die Insider der Finanzindustrie und der Bankenwelt ziemlich klar erkennbar. Im Herbst 2008 kam es zum offenen Show-Down, auch für den Laien – unterrichtet jetzt durch die breiten Medien – klar erkennbar. Nur eine vorgreifende Einlagen-Garantie der Bundesregierung mit einer nachfolgenden des Parlamentes verhinderten in Deutschland wahrscheinlich den Run auf die Banken und den Ruin der Bankkonten.

Weitere, nicht ganz so hektische Maßnahmen der Regierungen weltweit folgten: neue Bilanzierungsregeln, neue, vorerst meist nur angedachte Regulierungen des Banken- und Finanzsektors – und eine Reihe von Meetings auf oberster und globaler Ebene, oft unter so mehr oder weniger erfolgversprechenden Namen wie G 8, G 20 oder ähnlich illustren Teilnehmer-Kreisen.

Aber kam es zu wirklichen und dauerhalften Lösungen? Bis jetzt ganz sicher nicht. Vieles wurde angedacht, einiges verwirklicht, vieles ist bis jetzt völlig umstritten. Und was auch dem Laien, nicht nur dem Insider der Finanzindustrie auffällt: schon werden viele wieder übermütig, glauben, das Ärgste sei vorbei. Ackermann von der Deutschen Bank plädierte schnell wieder für seine 25-Prozent-Eigenkapital-Rendite. Und jetzt scheinen die Gehälter vieler Investmentbanker bereits wieder anzuziehen.

Nur eine kleine Moment-Aufnahme - der heutige 15. Juli 2009. Da meldet das Handelsblatt groß auf Seite 1: “Goldman glänzt schon wieder – Die US-Investmentbank erwirtschaftet ein Rekordergebnis und zeigt sich risikofreudiger.” – Schon wieder also. Für das zweite Quartal von 2009 habe Goldman Sachs jetzt ein um 33 Prozent über dem Vorjahreszeitraum liegendes Ergebnis erwirtschaftet. Was die Banker natürlich auch gleich für sich selbst zu nutzen verstehen:

Wie das Handelsblatt errechnet, bedeuten die Rückstellungen für Personalkosten allein im ersten Halbjahr, dass jeder Angestellte von Goldman durchschnittlich und hochgerechnet für das Jahr 2009 rund 900.000 Dollar verdienen würde. Das freut natürlich die Normal-Verdiener und Normalverbraucher der mittlerweile auch in Deutschland am Arbeitsmarkt langsam ankommenden Krise!

Genauer gesagt: Es freut sie natürlich nicht, sondern bringt sie zu einem nicht ganz geringen Teil in Wut. Selbst das Handelsblatt sieht das bzw. sein New Yorker Korrespondent Rolf Benders, der seinen entsprechenden Kommentar mit “Wut auf Vampirkrake” überschreibt. Und er zitiert einen US-Kolumnisten, der sich ähnlich zornig – oder noch zorniger – über die Krake Goldman und der in der Krise nochmals gesteigerten Geld-Gier der Banker äußert.

Eine andere Momentaufnahme, vom gleichen Tag: Die Frankfurter Allgemeine titelt, auf Seite 1: “1 840 000 000 000 Dollar – Amerikas Haushalt mit Rekorddefizit”! – Wohlgemerkt, nicht die Gesamtverschuldung der USA – das würde dann ungefähr der deutschen Gesamtverschuldung entsprechen – , sondern das Defizit des Jahres 2009 allein, das die US-Regierung selbst prognostiziert! Wo soll das enden – das fragen sich jetzt sicher nicht ganz wenige Leser?

Aber es gibt oder gäbe ja keine Alternative! – Das behaupten ja unisono Regierungen weltweit und ihre Berater. Wirklich?

Einen indirekten Hinweis gibt die FAZ heute vielleicht selbst, wenn auch eigentlich zu einem ganz anderen Thema:

Sie hat das “Tagesfoto” auf Seite 1, dessen sie sich seit längerem und im neuen Stil befleißigt, überschrieben mit “Das Schweigen brechen”. In dem Foto geht es zwar um den Gaza-Streifen in Palästina und den alt-neuen Enthüllungen über Kriegsverbrechen der israelischen Armee, ans Licht gebracht durch israelische Soldaten selbst, die dort im Einsatz waren. Aber, auch wenn es ein Zufall ist, das Gaza-Foto mit seinem bezeichnenden Text steht genau über der ominösen Zahl von 1,84 Billionen US-Defizit in diesem Jahr!

Da denken die, die man als die “Ketzer des Faches Ökonomie” bezeichnet, auch an ganz anderes: Warum werden ihre Ideen, die Ideen der Alternativ-Ökonomie und der Alternativ-Ökonomen, wie sie sich selbst heute nennen, in den Medien kaum bis gar nicht diskutiert? Jedenfalls nicht in den Mainstream-Medien und schon gar nicht in deren führenden Organe!

Sie waren es ja, die schon seit vielen Jahrzehnten auf die immer größer werdenden Krisen-Potentiale hingewiesen haben – vor allem auf das immer stärkere Auseinanderklaffen von realen und so genannten monetären Größen. Helmut Creutz hat das getan, Margrit Kennedy hat es in ihren Büchern zur Alternativ-Ökonomie getan und eine Reihe weiterer Autoren nicht nur aus dem deutschen Sprachfeld.

Resonanz in den großen Medien, zumindest in Deutschland? Keine. Jedenfalls nichts außer ab und zu ein meist ziemlich gekürzter Brief in den Leserbriefspalten. Dabei wurde das Konzept der “alternativen” Ökonomen kürzlich sogar von der US-Fed, der US-Notenbank, wenn auch in verdeckter Form diskutiert: Negativzinsen auf Liquidität, Durchhaltekosten auf Geld. Nur damit könne die Krise jetzt vielleicht noch fundamental bekämpft werden.

Die US-Fed bzw. deren Berater beriefen sich zwar auf die so genannte Taylor-Regel. Aber die konkreten Vorschläge zur Umsetzung deuteten auf ein zumindest heimliches Abschauen bei den Alternativ-Ökonomen hin. Die deutsche Financial Times nannte sogar Roß und Reiter: dieser Silvio Gesell sollte zuerst diese Idee gehabt haben. Aber keine weiteren Reaktionen in der deutschen Medienlandschaft.

(Fortsetzung folgt)

Kommentare

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  1. Das ist kein Einwand gegen die Alternativen.
    Gerade unlängst wurde in einem reichlich zynischen Gerichtsurteil dem
    Ex- IKB – Vorstand Recht gegeben. Gemeldet wurde dies komischerweise
    (nach oberflächlicher Durchsicht) nur von der WirtschaftsWoche.
    Mit dem Urteil wurde – interessanterweise – mal wirklich deutlich auf das Thema
    der Rechtsstellung der Banken hingewiesen. (Diese sind ja ziemlich aktiv punkto
    Lobbying um über die Legislative / Gesetzgebung entsprechende Rechtsstellung
    zu haben. Dies jeweils von den vehementen Slogans ihrer öffentlichen Herumsteher:
    “keine Einmischung der Regierung”, “weg mit der Regierung aus den Geschäften”,
    “keine Regulierung, weil schädlich”, usw., wie eben diese Schlagworte immer heissen.)

    Jetzt gibt es also endlich mal ein reichlich provokantes Rechtsurteil das dies
    alles verdeutlicht. – Mit anderen Worten, das Urteil mag aufregen aber es war
    auch mal nötig um diese Problematik mal hochzukriegen. – Irgendwie gibt es
    schon auch mal den Bequemlichkeitsfaktor bis zu einem nahezu sagenhaften
    Grad.
    Abgesehen von dem offensichtlichen Bedarf nach einer “Jammerpartei”, für
    jene, denen ausschliesslich darauf ankommt zu jammern, zu lamentieren,
    usw., aber niemals das was eigentlich wesentlich ist, worauf es wirklich ankommt
    jemals ernst nehmen.

    Und eben wegen dieser Thematik, die ziemlich aktuell ist, würde da manches
    eigentlich umgehend Aufmerksamkeit verdienen. (keine Kritik an obigem Artikel,
    aber bitte nicht sowas übersehen.)