Die China Bubble

Früher galten die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Jetzt übernimmt China immer mehr die Rolle. Inzwischen hat China selbst Japan als Land mit dem zweitgrößten Aktienmarkt abgelöst. Gleichzeitig werden beachtliche 7,9 Prozent Wirtschaftswachstum der chinesischen Volkswirtschaft für das zweite Quartal dieses Jahres vermeldet. Allerdings ist neben den einmalig hohen

chinma.jpgFrüher galten die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Jetzt übernimmt China immer mehr die Rolle. Inzwischen hat China selbst Japan als Land mit dem zweitgrößten Aktienmarkt abgelöst. Gleichzeitig werden beachtliche 7,9 Prozent Wirtschaftswachstum der chinesischen Volkswirtschaft für das zweite Quartal dieses Jahres vermeldet. Allerdings ist neben den einmalig hohen Staatsausgaben zur Konjunkturstützung auch ein Kreditboom zu verzeichnen, der durch eine Politik des leichten Geldes, die Binnenkonjunktur antreibt. Dies könnte jedoch am Ende ähnlich wie in den westlichen Ländern schief gehen. Eine chinesische Kreditblase kann genauso platzen wie anderswo.

Kreditblase in China?

Die chinesische Regierung geht von der Annahme aus, dass das Land langfristig eine Wachstumsrate seines Bruttoinlandsprodukts von rund acht Prozent jährlich braucht. Diese wurde zuletzt durch ein exportorientiertes Wachstum insbesondere in die USA ermöglicht. Nach dem weltweiten Einbruch des Welthandels im Zuge der globalen Finanzkrise hat China sehr rasch auf eine Binnenmarkt gestütztes Wirtschaftswachstum umgeschaltet.

Mit schätzungsweise 1,2 Billionen Euro wird derzeit durch den chinesischen Staat die Binnenkonjunktur angeschoben. Damit auch die Kaufkraft im wesentlichen in China bleibt, wird durch eine offene oder auch verdeckte Buy-Chinese-Politik der Marktzugang ausländischer Anbieter massiv eingeschränkt. Damit folgt man dem unsäglichen Beispiel der USA, die mit ihrer Buy-American-Klausel bereits zum Jahresanfang für weltweiten Wirbel gesorgt haben. Trotz aller Erklärungen der Spitzenpolitiker scheint die Tendenz zuzunehmen, dass offen oder verdeckt der Protektionismus weiter um sich greift. China und die USA spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Gleichzeitig wird offenbar die inländische Kreditvergabe gelockert, das heißt es ist derzeit leicht an Kredite zu kommen. Damit möchte man eine Kreditklemme wie anderswo befürchtet oder bereits eingetreten verhindern. Allerdings kann dies später unangenehme Folgen haben, wenn das Geld leichtfertig in unrentable Investitionsprojekte oder für einen Konsum ausgegeben wird, der sich mit der Einkommensentwicklung der chinesischen Haushalte am Ende nicht finanzieren lässt. Schließlich ist ein Teil der amerikanischen Krankheit ein Ausgabeverhalten der amerikanischen Verbraucher aber auch Unternehmen gewesen, dass auf Dauer aufgrund der dabei eingegangen Kreditverbindlichkeiten nicht finanzierbar war.

Auch China hat bereits in der Vergangenheit Abschreibungen auf faule inländische Bankkredite in dreistelliger Milliardenhöhe vornehmen müssen. Wie hoch letztlich der Wertberichtigungsbedarf am Ende einer solchen Kreditblase in China sein wird ist ungewiss. Im Jahr 2005 wurde jedoch der Anteil der Non-performing-loans (NPL) auf 35 bis 340 Prozent des Kreditvolumens geschätzt. Ähnliche Probleme könnten sich auch erneut in dem jetzt angefachten Kreditboom in China zu einem späteren Zeitpunkt zeigen. China dürfte mithin nicht wie von einigen westlichen Beobachtern als Hort der globalen Finanzstabilität angesehen werden.

China möchte den Yuan als Weltreservewährung etablieren

Um möglichen Turbulenzen in seinem Finanzsystem vorzubeugen, hat China einerseits ein gewaltiges Polster an US-Dollar angehäuft, um sich im Falle einer Kapitalflucht durch ausreichend Devisenreserven des Auslands dagegen absichern zu können. China hat gerade die Zwei Billionen US-Dollar Grenze bei seinen offiziellen Devisenreserven überschritten. Soviel Hortung von Devisenreserven hat jedoch ihren Preis. Einerseits droht China durch eine mögliche drastische Aufwertung des Yuan ein dramatischer Buchverlust auf diese Währungsreserven, den jeder Fall des US-Dollar um einen Prozentpunkt gegenüber dem Yuan mindert den Wert der chinesischen Dollar-Reserven um rund 20 Mrd. US-Dollar. Mithin können die Chinesen wenig Interesse an einer deutlichen Aufwertung des Yuan insbesondere gegenüber dem US-Dollar haben.

Als Alternative möchte China über den Umweg der Sonderziehungsrecht des IWF und der potentiellen Berücksichtigung des Yuan darin, sich von seiner Last an überdimensionierten Währungsreserven befreien. Eine Flucht aus dem US-Dollar der Chinesen ist derzeit auch kaum vorstellbar, da dies einen sicht selbst verstärkenden Rückkopplungseffekt auf die Aufwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar haben würde. Der durch Exportüberschüsse der letzten anderthalb Dekaden angesammelte Devisenberg an US-Dollar würde wie Schnee in der Sonne in seinem Buchwert dahin schmelzen.

Hinzu käme ein drastischer Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft im Außenhandel, der derzeit sowieso wie alle übrigen führenden Welthandelsnationen einen herben Rückschlag hinnehmen muss.

Drahtseilakt zwischen Wirtschaftswachstum und Finanzstabilität

Auch China bleibt der Drahtseilakt der nachhaltigen Wahrung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung einerseits und einer Finanzstabilität der Binnenwirtschaft nicht erspart. Derzeit scheint man offenbar diese Problematik verdrängen zu wollen, weil man die Stimulierung der chinesischen Binnenkonjunktur Vorrang einräumt um möglichst rasch aus der Wirtschaftskrise herauszukommen. Ob dies am Ende jedoch gut geht, das heißt nicht später mit einem hohen Preis im Zuge einer Finanzkrise gezahlt werden muss, bleibt abzuwarten. Hinzu kommt, dass die chinesische Kehrtwende hin zu einer binnenwirtschaftlichen Orientierung auch mit dem Mittel eines zunehmenden chinesischen Wirtschaftsnationalismus und auch darüber hinaus einem asiatischen Regionalismus, seine Rolle in der übrigen Weltwirtschaft nachhaltig schwächen könnte. Der Versuch die Krise als Chance für einen Ausbau einer chinesischen Vormachtstellung insbesondere auf den Weltrohstoffmärkten auszunutzen scheint derzeit bereits auf deutlichen Widerstand zu stoßen. Der Fall Rio-Tinto macht dies deutlich. Es wird daher großer Umsicht der chinesischen Staatsführung bedürfen sich nicht am Ende als Elefant im Porzellanladen der Weltwirtschaft aufzuführen. dazu sind zu viel Stakeholder mit eigenen rivalisierenden Interessen im Spiel.

Photo Quelle/Copyright: Steve Webel, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

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  1. Wegen der ausufernden Kreditvergabe in China wird bereits an den Finanzmärkten auf eine Anhebung der Zinsen hin spekuliert. Dies hat ebenfalls zur Folge, dass der chinesische Staat seine niedrigverzinslichen Schuldverschreibungen nicht mehr am Markt plaziren kann.(siehe hierzu die Meldung von Bloomberg)

    http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=abvOxEK1tv8w

    Weitere Details zum Kreditboom in China finden sich heute auch bei der FTD

    http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Leitartikel-Chinas-Boom-mit-Schlagseite/541185.html