Das Erstaunliche ist: amerikanische und britische Medien berichteten genauer über die Hintergründe, so die New York Times. Deutsche Medien, und gerade deren Wirtschaftsmedien – außer der FTD, der Financial Times Deutschland – gingen nicht genauer oder gar nicht auf den alternativ-ökonomischen Hintergrund der neuen US-Fed-Erwägungen ein. Gut, die amerikanische Notenbank hat das angedachte Konzept – eben diese Negativzinsen auf Liquidität – bis jetzt nicht umgesetzt und zögert wohl auch noch in Zukunft. Noch setzt man weiter auf das “quantitative easing”, die mengenmäßige “Lockerung” an den Geld- und Kreditmärkten. Über deren potentielle Inflationsgefahren ist man sich allerdings schon im Klaren.
Die Frage bleibt allerdings: Warum zeigen sich die Deutschen, auch ihre Medien – und zumal ihre Wirtschaftmedien – hier wieder einmal päpstlicher als der Papst selbst? Sprich: Warum diskutieren die Deutschen und ihre Medien kaum oder gar nicht die alternativ-ökonomischen Konzepte, die ja nicht auf reinen Träumereien, sondern handfesten mathematischen Überlegungen beruhen? Überlegungen, die in Geld- und Kreditmodelle explizit den Zeitfaktor einbeziehen – und zwar sowohl “in the long”, als auch “the short run”, lang- wie kurzfristig!
Warum bringen die deutschen Medien die so neuen bzw. alternativen Gedanken nicht einmal auf Papier bzw. die (elektronischen) Bildschirme? Was bringt sie dazu, nur im Mainstream zu schwimmen – und ihre Leser und Leserinnen nicht über Alternativen zu informieren?
Darauf gibt es sicher keine einfache Antworten. Sicher aber ist: Nicht nur Banken versagten hier in der Krise, nicht nur Noten- und Zentralbanken, die bisher – außer der US-Fed! – alternative Konzepte nicht einmal in Erwägung zogen. Nein, es versagten und versagen bisher auch viele Medien, gerade führende – und zumal in Deutschland.
Sie diskutieren das nicht, was nicht bereits größeren Erfolg hat. Vielleicht werden ihnen von ihren – früheren! – Lesern einmal ähnliche Vorwürfe gemacht werden, wie sie bisher nur angeblich oder tatsächlich gierigen Bankmanagern, dummen Politikern und bisweilen schon blinden Zentralbankern gemacht werden. Nämlich den Vorwurf einen Paradigmen-Wechsel nicht nur verschlafen zu haben, sondern auch teilweise mit unterdrückt zu haben, der vielleicht mit dem früheren Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften vom Ptolemäischen zum Kopernikanischen Modell umschrieben werden kann.
Aber der hat ja, jedenfalls bei der damals maßgeblichen Kirche auch runde 500 Jahre gedauert. Ob die etablierten Ökonomen in Zentralbanken, Medien und Universitäten heute vielleicht doch ein wenig schneller umdenken? Schließlich geht es nicht nur um ein Weltbild, sondern um die Existenz von mehreren Milliarden Menschen.
- Die Krise, die Banken und die Medien: “Es gibt keine Alternative!” – Oder doch?
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