Knapp ein Dreivierteljahr nach der Pleite von Lehmann Brothers am 15. September 2008 – einem der Hauptkonkurrenten von Goldman Sachs unter den US-Investmentbanken und den Milliarden-Rettungspaketen für die Bankensysteme in den einzelnen Ländern feiern die Masters of Desaster, die ehemaligen US-Investmentbanken wie JP Morgan und Goldman Sachs Milliardengewinne und entsprechend hohe Bonizahlungen für ihre Spitzenmanager. Gleichzeitig gehen weiterhin in den USA massenweise kleine Banken in die Insolvenz.
Die kleineren US-Banken genießen keinen Staatsschutz
Der letzte größere Zusammenbruch zeichnet sich offenbar bei CIT einer US-Mittelstandsbank ab, da ihnen keine Unterstützung durch die US-Regierung angeboten wird. Mithin wird im Zuge einer staatlich kontrollierten Triage – wie es so schön heißt – der Konzentrationsprozess des US-Finanzsektors weiter vorangetrieben. Es begann mit zwei kleineren US-Regionalbanken im Januar und hat bis Ende Juni dieses Jahres insgesamt über 40 US-Banken in den Abgrund gerissen. Damit liegt bereits zur Jahresmitte die Zahl der US-Bankpleiten weit über den 25 Insolvenzen des vergangenen Jahres.
Die Übernahme von Merryl Lynch durch die Bank of America, die letztere in schwere finanzielle Turbulenzen brachte, führt derzeit zu einer Untersuchung im US-Kongress inwieweit durch Ben Bernanke von der Fed und dem damaligen Finanzminister Hank Paulson Druck ausgeübt wurde, diese Übernahme zu vollziehen. Beide sind sich in diesem Fall keiner Schuld bewusst und fühlen sich missverstanden. Als weitere Folge zog sich die Bank of America von Übernahmegesprächen bei Lehman Brothers zurück. Letztere meldete nach dem Scheitern dieser Gespräche unmittelbar Insolvenz an. Damit war die größte Finanzkrise in der US-Geschichte unvermeidbar geworden.
Wenn sich dieser Prozess in den kommenden Monaten fortsetzen wird, dann dürfte das US-Finanzsystem einen einmaligen Konzentrationsprozess durchlaufen haben. Die großen ehemaligen Investmentbanken werden dabei weiterhin als Too-big-to-fail noch mehr Einfluss auf die globalen Finanzmärkte ausüben können. Mithin wird die Kontrolle der US-Großbanken über die US-Politik weiter zunehmen.
Auch in Deutschland findet ein vergleichbarer Konzentrationsprozess statt
Während durch das Bad-Bank-Gesetz, das Finanzmarktstabilisierungsgesetz, etc. die Banken von ihren Altlasten befreit werden, freuen sich deren Aktionäre über jetzt wieder sprudelnde Gewinne. Mit erneut hochspekulativen Geschäften im Bereich der Finanzderivate wird Kasse gemacht. Gleichzeitig kommt es zu deutlich steigenden Kreditkosten im normalen Kreditgeschäft. Die Liquiditätsschwemme, die die Zentralbanken weltweit in Gang gesetzt haben, kommt also zuerst wieder in den Spekulationsmärkten an. Dort ist am schnellsten ein hoher Gewinn zu erzielen. Da es bisher zu keiner erfolgreichen Finanzmarktreregulierung gekommen ist und vermutlich auch nicht rechtzeitig kommen wird, führt billiges Geld und Bailouts durch den Steuerzahler zu einer Fortsetzung der Spekulationskultur im Finanzsektor. Während die deutschen Landesbanken wohl aus diesem Markt verschwinden müssen, überlassen sie wieder den traditionellen Champions das Feld. Ebenso verschwindet die HypoVereinsbank – jetzt Teil von Unicredit (Italien) und die Dresdner Bank – jetzt Teil der Commerzbank – vom deutschen Finanzmarkt. Die HRE wird sowieso auf Staatskosten abgewickelt. Wegen der Haftungsübernahme bei den Verlusten der Landesbanken sind auch die Sparkassenverbände schwer angeschlagen. Die Postbank wird von der Deutschen Bank kontrolliert. Der Wettbewerb im Bereich der Bankdienstleistungen dürfte aufgrund der asymmetrischen Finanzhilfen des Staates zugunsten der privaten Großbanken und zu Lasten der übrigen Finanzinstitute wirken. Vom viel gerühmten Drei-Säulen-Modell (Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken) wird am Ende nicht viel mehr übrig bleiben. Platzhirsch Nummer Eins wird die Deutsche Bank sein. Da Deutsche Bank und Goldman Sachs bereits in der Vergangenheit eng miteinander kooperierten, man fädelte beispielsweise gemeinsam die glücklose Fusion von Daimler und Chrysler ein, wird man auch zukünftig in enger Zusammenarbeit wieder innovative Finanzprodukte an ahnungslose Anleger vertreiben. Da trifft es sich gut, dass der neue US-Botschafter in Berlin Philip Murphy, ein Ex-Banker von Goldman Sachs ist.
Ebenso ist man mit der Commerzbank privat bereits bestens vernetzt. Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs, hat als Beraterin insbesondere bei Firmenübernahmen Dorothee Blessing, die Frau von Martin Blessing, dem Vorstandschef der Commerzbank, ins Unternehmen geholt. Beim Aufbrechen der Deutschland AG sind solche Kontakte äußerst nützlich bevor US-Hedgefonds sich dann in den Unternehmen durch ihre Beteiligungen breit machen.
Das einzige Unangenehme ist derzeit für GS, dass ein untreuer Mitarbeiter den wichtigen Softwarecode ihrer Handelssoftware illegal kopiert hat. Das Geschäftsgeheimnis, wie man Finanzmärkte durch Computerhandel zu seinen Gunsten manipuliert könnte ja am Ende in falsche Hände gelangen.
Es zeigt sich, dass sich der Geldadel in der Finanzbranche wunderbar mit der Krise arrangiert hat. Auch an einer schwer angeschlagenen Weltwirtschaft lässt es sich – hat man das nötige Insider-Wissen, Einfluss auf die Politik und die entsprechenden Finanzmittel zur Verfügung, wunderbar Gewinne à la Milo Mindbinder machen. Es ist eine Catch-22-Situation. Die anderen kämpfen ums Überleben und man selbst macht wunderbare hoch profitable Geschäfte. Mag doch die Weltwirtschaft in Scherben liegen, der Geldadel der Finanzbranche feiert weiterhin rauschende Feste. Der Rest sind dann eben die Loser, die Dummen der Gesellschaft, die noch nicht begriffen haben, was gespielt wird.
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Also, dazu kann ich nur sagen, mit einer Krise, in der andere meine Fehlleistungen finanzieren, könnte ich auch sehr gut leben. Leider kommt man als Freiberufler oder mittelständischer Unternehmer nie in diese Lage.