Die Unternehmer von morgen denken sozial
- Networking und informeller Austausch bei der Social Entrepreneurship-Konferenz
Zum ersten Mal fand am 16./17. Juli die Konferenz “Social Entrepreneurship: Status Quo 2009 (Selbst)Bild, Wirkung und Zukunftsverantwortung” statt (RE berichtete 1/ 2/ 3) Wesentliches Ziel der Konferenz war der Austausch zwischen den verschiedenen Social Entrepreneurship-Akteuren und die Beantwortung drängender Fragen, wobei insbesondere die Heterogenität der Teilnehmer kreative Lösungsansätze versprach.
Dafür war insbesondere der zweite Tag vorgesehen. Dieser begann mit einem Vortrag des neuen Ashoka-Geschäftsführers Deutschland, Felix Oldenburg. In einem spannenden Referat fragte er, was die Wissenschaft für die Social Entrepeneurs (in der Folge abgk. mit SE) tun könne und definierte das Ziel von SE, aus der Rolle des Bittstellers herauszukommen und selbstbewusster in die Wirtschaft vorzudringen. Denn SE eröffneten einen Markt zum Lösen von Problemen, für die es bisher keinen Markt gebe. Die oft gestellte Frage nach der Definition, was SE sei oder nicht sei, stellte er dabei bewusst in den Hintergrund. Diese Frage würde sich in der Praxis erübrigen. So könnte SE beispielsweise dazu beitragen, neue Strategien zu entwickeln, um Leuten die Finanzierung von Leistungen zu ermöglichen, die ihnen bisher verwehrt geblieben sind.
Open Space
Im Anschluss eröffnete Jutta Weimar (berliner open space cooperative, boscop eG) ein Open Space. Die von den Teilnehmern in den Raum gestellten Fragen wurden in der Folge von sich verändernden, selbst organisierenden Gruppen besprochen. Neben der Diskussion und der Erarbeitung alternativer Lösungsansätze, waren das Networking und der informelle Austausch indirekte Ziele des Open Space. Das Themenspektrum reichte von Theorie bis Praxis, so wurde die Notwendigkeit von Handlungstheorien, mögliche Synergien von BWL und Sozialwissenschaften, aber auch ganz praktischen Fragestellungen wie Einrichtung einer Schuldnerberatung für Jugendliche oder Erfolgsfaktoren von SE thematisiert.
Bereits am Vortag hatten die Teilnehmer in einer Kennlernrunde - einem simulierten “World Cafe” - die Möglichkeit erhalten, die dringendste Frage, “die mir unter den Nägeln brennt (…und die das Potenzial hat, mein Leben zu verändern!)“ auf einem Blatt Papier mit dickem Filzstift zu notieren. Darunter Fragen wie: “Wie kann ein gemeinsamer Lerneffekt durch Vernetzung am besten gelingen?”, “Wie sind Idealismus mit erfolgreichen Geschäftsmodellen am effektivsten in Verbindung zu bringen”?, “Gibt es einen Arbeitsmarkt für Social Entrepreneurs?” oder “Werden SE geboren oder gemacht?”
Danach wurden in verschiedenen Panels wie “Selbstbilder von Social Entrepreneurs - die Innenansicht eines Phänomens” oder “Social Entrepreneurship und politische Koordinierung” unterschiedlichste Themenfelder des SE, im Zusammenspiel mit- und in Abgrenzung von anderen gesellschaftlichen Problemstellungen, angerissen.
Motivation
Fragt man nach der Motivation des Handelns des Akteure, so hört man Sätze wie: “Die Welt besser machen”, “Die Welt schöner gestalten”, „Tiefgreifende soziale Veränderungen herbeiführen“. “Wir retten die Welt, indem wir Projekten helfen, die die Welt retten”, sagt etwa Projektmanager Tobias Jeske von Sustainable Project Management. Für manchen Zyniker mögen dies schöne, aber auch naiv klingende Phrasen sein. Doch für diese Menschen hier bleibt es nicht bei Phrasen, sie wollen etwas tun oder haben bereits etwas geleistet. Dass natürlich die täglichen Firmenkosten gedeckt sein müssten, verstehe sich von selbst, so Jeske. Dennoch will er so schnell wie möglich an den Punkt kommen, an dem er aus der eigenen Finanzierungsphase hinaus ist und endlich andere mit dem notwendigen Kapital auch bei größeren Projekten unterstützen kann.
Von einem ganz anderen Projekt erzählt die junge Mexikanerin Sandra Ortiz, die in Hamburg lebt und schon mehrere soziale Projekte durchgeführt hat. Nun plant sie ein “Stilles Café” in Hamburg. Probeweise will sie im Café eines Freundes gehörlose Bedienung auf die nicht informierte Kundschaft “loslassen”. Sollte es zu Missverständnissen kommen, hat sie einen Gebärdensprachendolmetscher engagiert. Ziel sei es, eine außergewöhnliche Begegnung zu schaffen und Verständnis und Aufmerksamkeit für das Andere, das Fremde.
Was also will Social Entrepreneurship? In den Gesprächen und Beiträgen stellte sich heraus: Es geht nicht darum den dritten Sektor neu zu erfinden, sondern um einen anderen Weg, soziale Projekte tragfähig und selbstfinanziert zu gestalten.
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