“Alles halb so wild”, verkündet sinngemäß der Internationale Währungsfonds, Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz Group, gibt Entwarnung und das ifo-Institut meldet: Die Stimmung hellt sich auf. War das schon die Krise? Auch im Sommer 1930 meinten die einschlägigen Auguren, die Talsohle sei durchschritten.
Es ist verblüffend, ja fast schon gespenstisch, wie viele Parallelen die jetzige Krise zu der von 1929 aufweist. Sowohl was die Ökonomie als auch was die Psychologie angeht. Zwar behaupten die Marktschreier und Mitverursacher der Krise aus der Gilde der Hofastrologen wie Hans-Werner Sinn oder Josef Ackermann, es gebe zwischen der gegenwärtigen globalen Finanzkrise und der Weltwirtschaftskrise von 1929 keine Parallelen, doch das meist bestens informierte Wirtschaftsmagazin “Economist” sieht das anders: Man müsse nur den Begriff “shares” (Wertpapiere) durch “houses” (Immobilien) ersetzen und man hätte dasselbe Szenario wie 1929 vor sich.
1929 rutschte der DOW-Jones-Börsenindex von einem damaligen Allzeithoch von 381.17 Punkten innerhalb weniger Wochen auf einen Jahrestiefststand von 198.61 Punkten ab. Das waren rund 50 Prozent Verlust. Allerdings hatte er im Frühsommer 1930 wieder einen Jahreshöchststand von 294,07 Punkten erreicht, also einen Zugewinn von ebenfalls rund 50 Prozent. Das fühlte sich für die Spekulanten, Wirtschafts”experten” und Unbedarften in den Regierungen wie ein Ausgleich der Verluste an. Nüchtern und rein mathematisch betrachtet bedeuteten diese Zahlen in Summe aber immer noch einen Verlust von 25 Prozent. (Quelle: http://stockcharts.com/charts/historical/djia19201940.html).
Ganz ähnlich sah der Kursverlauf der US-Börse in den letzten Monaten aus.
Von knapp 12000 Punkten Ende Juli 2008 sank der DOW Jones auf unter 7000 Punkte und hat sich zwischenzeitlich auf knapp 9000 Punkte erholt. Nach seiner Scheinblüte bis Frühsommer 1930 stürzte der DOW Jones bis Mitte 1932 in volatilen Zuckungen auf einen Rekordtiefststand von 41,22 Punkten ab.
Auch im Börsencrashjahr 1929 waren die Arbeitslosenzahlen und Produktionsrückgänge noch keineswegs sonderlich spürbar. In den USA gab es 1929 1,6 Millionen Arbeitslose. Das entsprach einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent! Allerdings stieg ihre Zahl 1930 auf 4,3 Millionen (8,7 Prozent), 1931 auf acht Millionen gleich 15,9 Prozent und 1932 auf 12,1 Millionen (23,6 Prozent).
Anders gesagt: Die jetzige Krise hat ihr wahres Gesicht noch gar nicht gezeigt.
Was viele nicht wissen: Mehr noch als in den USA explodierten in den letzten Jahren die Häuserpreise in Großbritannien, Irland und Spanien. Während die Immobilienblase zwischen 1999 und 2005 die Häuserpreise in den USA um circa 80 Prozent nach oben trieb, waren es im selben Zeitraum in Großbritannien, Irland und Spanien rund 150 Prozent.
Deutschland ist Hauptgläubiger der drei Schuldnerstaaten. Mit insgesamt 1 300 Milliarden stehen irische, britische und spanische Schuldner bei deutschen Gläubigern in der Kreide, so die Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor einem Jahr. Jeder kann sich ausmalen, was das für die Kreditvergabe in Deutschland heißt.
Die meisten Medien äußern sich erfreut über die aktuell äußerst geringe Inflationsrate. Auch der Jubel über allgemein im Schnitt fallende Preise ist Unfug. Denn wenn die Preise sinken, statt zu steigen, ist das meistens die Ouvertüre zu einer schweren Absatzkrise. Die Preise sinken in der Krise nämlich vor allem deshalb, weil die Unternehmen ihre Lager um jeden Preis räumen müssen, – auch unter Verlust -, um nur irgendwelche Umsätze zu machen und liquide zu bleiben oder um kurz vor dem endgültigen Aus den Schaden wenigstens noch zu begrenzen.
Wenn stimmen sollte, was die OECD prognostiziert – ein Minus der deutschen Wirtschaftskraft um fünf bis sieben Prozent – dann steht auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein Desaster bevor. 1966/67 in der ersten Rezession der Nachkriegsgeschichte schrumpfte das deutsche BIP um rund 0,4 Prozent und die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich um knapp 400.000. 1975 in den Nachwehen der ersten Ölkrise schrumpfte die Wirtschaft um ein Prozent. Die Folge: eine Million Arbeitslose mehr. 1982 im Schatten der zweiten Ölkrise schrumpfte die deutsche Wirtschaft ebenfalls um ein Prozent. Zum Sockel von einer Million Arbeitslosen kam eine weitere Million hinzu.
Wenn sich diese Proportionen auch nur andeutungsweise in der aktuellen Krise bewahrheiten, dann erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland von circa 3,5 auf mindestens sieben Millionen. Dem entspricht eine Arbeitslosenrate von 16 bis 17 Prozent. Dann heißt es nicht nur “Buenos Dias, Argentina”, sondern gleich “Gute Nacht, Deutschland”.
Ungemein treffend. Wie viel schlimmer sieht der Arbeitsmarkt ersta aus, wenn man die Fälschungen der Statistik herausrechnet! Dann sind wir – grob geschätzt – jetzt achon bei 7 Millionen Arbeitslosen, d.h. Menschen, die gern Arbeit hätten, wenn sie denn da wäre. Das Sstem ist am Ende.