Das Gezänk um die Opel-Übernahme könnte am Ende in der Insolvenz enden. Nachdem nun bekannt wurde, dass Opel schon seit Jahren rote Zahlen in seiner Bilanz schreibt und sein Marktanteil in Europa aber auch insbesondere in Deutschland stetig gesunken ist, dürfte es der Bundesregierung schwer fallen sich die Zustimmung der EU-Kommission für staatliche Beihilfen zu holen. Damit müsste ein potentieller Käufer ohne staatliche Beihilfen der Bundesregierung die Übernahme schultern.
GM pokert hoch
Nach der Blitzinsolvenz von GM innerhalb weniger Wochen, droht Opel an den sich stetig verschlechternden Rahmenbedingungen zu scheitern. Magna, der ursprüngliche Wunschpartner, möchte feste Zusicherungen von GM mit dem Erwerb von Opel auch einen ungehinderten Zugang zur Technologie in Form von Patenten und Lizenzen von GM zu erhalten. Dies scheint jedoch kaum im Sinne von GM zu sein. Nachdem die Bundesregierung bereits vor einigen Wochen lauthals die Rettung von Opel verkündete zeigt sich die Haltlosigkeit dieser Behauptung in aller Deutlichkeit. Der angebliche Zuschlag zu Magna Anfang Juni wird jetzt durch den fortdauernden Wettbewerb mit der Investorengruppe RJH und dem chinesischen Hersteller BAIC ad absurdum geführt. Da GM in der Treuhandgesellschaft mit 60 Prozent, dem derzeitigen Eigentümer, die Mehrheit hält, kann sie die Bundesregierung hinsichtlich ihrer Entscheidung Magna den Zuschlag zu geben blockieren. Es könnte durchaus sein, dass GM versucht Opel vorübergehend bei RJH zu parken, um dann zu einem späteren Zeitpunkt Opel wieder zurückzukaufen. Nachdem man sich eines großen Teils des Alt-Schulden im Zuge der Blitzinsolvenz entzogen hat, wäre es durchaus denkbar, dass man, wenn die Konsolidierung des Konzern vollzogen ist und der deutsche Steuerzahler sein Scherflein zur Konsolidierung von Opel geleistet hat, man durch entsprechenden Druck insbesondere auch über die Lizenzbedingungen bei der Nutzung der Technologie, Opel wieder heim ins Reich holt. Den Ausverkauf der eigenen Technologie an einen russischen oder chinesischen Hersteller kann kaum im Interesse von GM liegen. Nicht zuletzt hat man insbesondere in China derzeit vom dortigen Autoboom profitiert. Wenn es chinesischen oder russischen Herstellern gelänge durch eine westliche Standards vergleichbare Technologie den heimischen Markt zu versorgen, dann dürfte es für ausländische Hersteller schwieriger werden sich dort zu behaupten. Dies kann jedenfalls keineswegs Ziel von GM sein. Mithin könnte RJH nur als Zwischenstation für eine späteren Rückkauf von Opel dienen.
Standorte in Deutschland bleiben hoch gefährdet
Der Glaube zahlreicher Gewerkschafter es ginge auch um den nachhaltigen Erhalt der Produktionsstandorte in Deutschland kann sich unter den derzeitigen Gegebenheiten rasch als Fatahmorgana erweisen. Mehr als eine mehrjährige Schamfrist bis zum endgültigen Technologietransfer nach Russland oder China ist kaum zu erwarten. Eine eigenständige Marke Opel dürfte auch als Exportplattform nach Europa für zukünftige russische oder chinesische Eigentümer kaum in Betracht kommen. Der Fälle BenQ oder Nokia mit der Übernahme der Mobiltelefonsparte von Siemens hat letztendlich auch kein aus deutscher Sicht glückliches Ende gefunden. Die Ministerpräsidenten der Länder, an denen Opel-Standorte in Deutschland existieren, mögen sich noch soviel engagieren wollen, am Ende wird es nichts nützen. Ein anhaltender Automobilboom in Europa ist für die kommenden Jahre kaum zu erwarten und daher wird ein Kapazitätsabbau so oder so unvermeidlich sein. Hinzu kommt, dass Opel kaum allein in der Lage sein dürfte neue Antriebstechnologien für Hybridantriebe selbstständig zu entwickeln oder zu finanzieren. Nachdem Fiat endgültig aus dem rennen ist, fehlt das Interesse eines großen Autoherstellers, die Opelkapazitäten in Deutschland auf Dauer aufrechtzuerhalten. Die Bundesregierung wäre daher gut beraten, wenn sie statt einer Scheinlösung sich darauf vorbereitete im Zuge einer Opel-Insolvenz einen für die Arbeitsnehmer erträglichen Sozialplan auszuhandeln. Das Geld wäre dort aus deutscher Sicht sinnvoller angelegt, als in unsinnigen so genannten Rettungskonstruktionen, die letztendlich nicht das gewünschte Ergebnis zeitigen.
Photo Quelle/Copyright: gmeurope, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Hier werden wieder Äpfel mit Birnen verglichen !
Opel-Gewinne wurden mit GM und Saab Zahlungen/Verlusten verrechnet. Wer Verluste schreibt, zahlt weniger bzw. keine Steuern !