Profis auf dem Wühltisch

78 Schnäppchen liegen derzeit auf dem Wühltisch des Sommerschlussverkaufs, Anzahl steigend. In Zeiten von Rekordablösesummen und horrenden Spielergehältern für Fußballprofis hält sich das Mitleid mit diesem, hier angesprochenen Berufsstand verständlicherweise in Grenzen. Dennoch ist derzeit jeder zehnte deutsche Fußballspieler ohne Job, demnach arbeitslos, und damit liegt der Durchschnitt sogar knapp

fjeir.jpg78 Schnäppchen liegen derzeit auf dem Wühltisch des Sommerschlussverkaufs, Anzahl steigend. In Zeiten von Rekordablösesummen und horrenden Spielergehältern für Fußballprofis hält sich das Mitleid mit diesem, hier angesprochenen Berufsstand verständlicherweise in Grenzen. Dennoch ist derzeit jeder zehnte deutsche Fußballspieler ohne Job, demnach arbeitslos, und damit liegt der Durchschnitt sogar knapp über der Gesamtquote in der Bundesrepublik.

Noch keine Lust auf Ruhestand

Diese 78 Fußballer, teils jünger, teils älter, einige völlig unbekannt, andere wiederum schon in der Champions League aktiv, laufen, schwitzen, flanken und grätschen derzeit im 7. Trainingscamp der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV) in der Sportschule Wedau in Duisburg. Prominentester Teilnehmer ist sicherlich Torhüter Stefan Wessels, der einst für Bayern München in Europas Eliteliga zwischen den Pfosten stand und später für den 1. FC Köln, den FC Everton und zuletzt für den VfL Osnabrück die Fäuste zwischen den Torpfosten ballte. Auch Thomas Cichon, Filip Tapalovic, Salif Keita, Marco Küntzel, Christian Lenze, Lars Müller oder Holger Wehlage gehören zu den klangvolleren Namen in diesem bunten Potpourri an Spielerpersönlichkeiten, haben alle schon 1. oder 2. Liga-Erfahrungen gesammelt und noch nicht vor, ihre Kickschuhe an den Nagel zu hängen.

Handy bleibt an

Das Trainingslager dauert insgesamt drei Monate und unterscheidet sich nicht grundlegend von denjenigen der Profis, die derzeit bei ihren Vereinen in Lohn und Brot stehen und um einen Stammplatz kämpfen. Erstmals werden auch moderne Leistungsdiagnostik und eine sportwissenschaftliche Überprüfung der Fitnesswerte angeboten. Einziger Unterschied: “Die Jungs dürfen im Gegensatz zu den Trainingslagern in den Vereinen ihr Handy immer anlassen”, sagt VdV-Geschäftsführer Jörg Albracht: “Hier soll ja auch angerufen werden.” Lizenzierte Spielervermittler und Vereinsmanager sind herzlich eingeladen, sich von den Qualitäten der Spieler in Duisburg zu überzeugen.

80 Prozent finden einen Klub “Etwa 80 Prozent der Spieler, die hier sind, kommen wieder bei einem Klub unter”, so Baranowsky. Und die anderen? “Für die war es das wohl.” Dennoch sind die Voraussetzungen für die Ausgemusterten alles andere als schlecht. Immerhin werden die Übungseinheiten von einem prominent besetzten Trainerteam geleitet. Christian Hock, Stephan Paßlack, Henning Bürger, Karlheinz Pflipsen und die zwei Torwartrainer Thomas Richter und Andreas Wessels kümmern sich um die Belange der Spieler und professionelle Trainingsstrukturen und hoffen ihrerseits selbst auf eine baldige Festanstellung bei einem neuen Verein.

Hoffen auf Fehlstart

Erfahrungsgemäß steigen die Chancen für die Stand-by-Profis auf einen neuen Vertrag mit dem Saisonstart in den jeweiligen Ligen. Vor allem die 3. Liga, die am Wochenende ihren Spielbetrieb aufnimmt, gilt dabei als aussichtsreichstes Auffangbecken für die derzeitigen Ladenhüter. So reagieren viele Klubmanager auf einen Fehlstart mit Neuverpflichtungen, um sich nicht dem Ruf der Untätigkeit auszusetzen. Dementsprechend dürften viele arbeitslose Fußballer interessiert die ersten Spieltage der neuen Saison verfolgen und es würde nicht weiter verwundern, wenn einige bekannte Gesichter aus dem Camp bald als Last-Minute-Schnäppchen bei einem kriselnden, unterklassigen Verein das Mannschaftsfoto zieren. Offen bleibt dann nur noch die Frage, wer ein verschollenes Schmuckstück aus dem Hut zaubert und wer den Rohrkrepierer vom Wühltisch zieht.

Marc Strasser arbeitet in einer Münchner Sportredaktion und schreibt für betfair.

Photo Quelle/Copyright: Dieter Schütz, via pixelio.de

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