Wenn man an die Pressestelle der Stadt Mönchengladbach acht Fragen schickt, bekommt man acht Antworten? Neun! Entschuldigung: Nein. Kenne ich bereits vom Fall Jessica Müller, die immer noch in einem Kinderheim lebt, endlich umgangsgepflegt wird, soll heißen: Die Eltern dürfen ihre 13-jährige Tochter wieder besuchen, während sich eine Amtsperson um den Behördenkram kümmert und dem Vater ihr Unverständnis für das bislang Geschehene bekundet. So bleibt man am Niederrhein in der Übung und lernt aus Fehlern, die eigentlich gar nicht gemacht werden dürften.
Wie jetzt auch bei Anton R. Von in diesem Fall zwei Jugendämtern. Bei einem Hilfeplangespräch (HPG) auf Fehmarn behauptet der 16-Jährige am 22. Juni 2009, sein Kontakt zu seiner Großmutter sei gut, zu seinem Bruder Clemens kontinuierlich, mit seiner Mutter in Mönchengladbach und mit seiner Schwester pflege er keinen Kontakt. Von seiner Mutter verlangt Anton R. “Friedenspflicht”, gemeint ist: Sie soll nichts Schlechtes mehr über seine Pflegefamilie sagen. Nachgehakt hat offenbar niemand. Der Vorwurf, der sich hinter dieser Bedingung verbirgt, bleibt im Raum stehen und wird von einer Mitarbeiterin des Mönchengladbacher Jugendamtes zu Papier gebracht.
Alte Geschichten
Munter wärmt der 16-Jährige alte Geschichten auf, die zudem nicht zu anderen Familiengeschichten passen, die den Behörden bekannt sind. Siehe Clemens, der inzwischen 20 Jahre alt ist, ebenfalls auf Fehmarn lebt und eine Zeitlang in Australien gewesen ist. Von dort bekommt Verena R. am 22. August 2006 eine Email, in der sich ihr Sohn für seine Schreibfaulheit entschuldigt, seiner Mutter versichert, dass er keine bessere Mutter haben könne, er die Trennung seiner Eltern bedauert und feststellt, dass der Umgang mit seinem Bruder Anton nicht immer leicht sei. Aber so sei das eben unter Geschwistern.
Drei Monate später stirbt der Vater auf Fehmarn, Clemens gibt dem heutigen Pflegevater von Anton am 22. Dezember 2006 eine Vollmacht für alle existierenden und zukünftigen Bankkonten und schreibt am 28. Mai 2008 einen Brief an das Amtsgericht in Oldenburg in Holstein, in dem er dafür plädiert, dass sein kleiner Bruder auf Fehmarn bleiben darf, weil eine Rückkehr zu seiner Mutter für Anton eine “Katastrophe” wäre.
Knapp zwei Monate später beschimpft Clemens seine Mutter in einer Email derart, dass einem beim Lesen die Spucke weg bleibt. Seine Hasstiraden beginnen mit dem Satz: “So Vera nun ist der Bock aber fett, halt dich raus du olle pissnelke!!!” Wenn sich Verena R. noch einmal auf Fehmarn blicken lasse, werde er ihr Beine machen, außerdem gehöre sie in die Hölle. In einer anderen Email hat er seine Mutter bereits für den Tod seines Vaters verantwortlich gemacht.
Bei dem Hilfeplangespräch am 22. Juni 2009 sagt Anton also, dass er “kontinuierlichen Kontakt” mit seinem älteren Bruder habe und niemand fragt: “Würde sich auch Clemens an die von dir geforderte Friedenspflicht halten”?
Teilnahme zugesagt
Verena R. fordert Korrekturen des HPG-Protokolls, sagt am 13. Juli für den 27. Juli ihre Teilnahme an einem Gespräch in der Eutiner Kreisverwaltung zu und weist in einer weiteren Email darauf hin, dass ihr Sohn Anton an diesem Tag Geburtstag feiert. Deshalb gehe sie davon aus, dass ihr zu diesem Anlass vom Jugendamt ein Wiedersehen ermöglicht wird. Die Antwort, die sie darauf bekommt, muss wiedergegeben werden, wie sie auf dem Monitor dieser Mutter in Mönchengladbach erscheint: “…konnte aus den mails nicht entnehmen, ob Sie zu dem Termin am 27. 7. um 11.00 Uhr hier in der Kreisverwaltung kommen werden.
Noch einmal: Zu diesem Termin werden nur Herr G. und ich anwesend sein.
Ihr Sohn Anton hat nicht zugestimmt, an diesem Gespräch teilnehmen zu wollen.
Eine erneute Prüfung dieser Ablehnung wird am 27. 8. in einem Gespräch mit Anton durch Herrn G. und mich stattfinden.
Wir bitten um Mitteilung, ob Sie diesen Termin wahrnehmen wollen.”
Verena R. sagt daraufhin ihre Teilnahme an beiden Gesprächen zu. Darauf darf jeder Kafka verwettet werden, dass in der nächsten Email aus Eutin stehen wird: “Sie haben uns missverstanden.” Diese Antwort ist nur noch nicht eingetroffen, an ihr wird wohl noch gefeilt.
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