Barack Obama hat bei einem Treffen mit Angela Merkel zu ihrer bevorstehenden Wiederwahl bereits gratuliert. Ich weiß zwar nicht, worauf sich Barack Obama bei seiner Vorhersage stützt, aber vielleicht hat er sich ja auf Intrade, einem elektronischen Prognosemarkt, umgeschaut. Dort führt Angela Merkel so haushoch vor Frank-Walter Steinmeier, dass es wirklich eines Wunders bedürfte, um ihr den Wahlsieg noch zu nehmen.
Was sind Prognosemärkte?
Prognosemärkte sind Märkte, auf denen Teilnehmer Wetten über das Eintreten eines bestimmten Ereignisses abschließen können. Wenn man daher an die Effizienz von Informationsmärkten glaubt, dann werden bei freiem Marktzutritt zu diesen Märkten die unterschiedlichen Teilnehmer durch ihre Wetten gegeneinander (bei ausreichend großer Teilnehmerzahl) das Eintreten eines zukünftigen Ereignisses besser voraussagen, als dies mit anderen Methoden möglich ist. Da die Teilnehmer für ihre Wetten auch reales Geld einsetzen müssen, werden sie sich – so die Theorie – sehr genau überlegen, ob sie für oder gegen ein Ereignis wetten, bei dem sie reales Geld verlieren. Letztendlich sind Prognosemärkte wegen ihrer Effizienz ein besser geeignetes Mittel als reines Expertenwissen. Bekanntlich können sich Experten in der Regel auch nicht auf ein eineindeutiges Ergebnis einstimmig einigen. Die Meinungsvielfalt erzeugt keine Orientierung.
Cheap talk oder kostenspielige Wetten?
Im Gegensatz zum so genannten cheap talk, das heißt dummem Gerede, das bekanntlich ja nichts kostet, wenn eine Aussage über die Zukunft auch etwas den Betreffenden kostet, dann tendiert er eher zu einer vorsichtigeren Bewertung. Ob nun beim Terminhandel mit Schweinehälften oder Aktien: Optionsmärkte finden sich überall im Wirtschaftsgeschehen. Sie sind der Inbegriff des Kasinokapitalismus. In den USA haben eine Gruppe führender Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und Sozialwissenschaftler sich für die Schaffung eines Regulierungsrahmen ausgesprochen, der Prognosemärkte ermöglichen soll. Da es sich hier grundsätzlich ja um Wetten handelt, kann man sie auch als Glückspiel ansehen. Wie Fußballwetten oder Wetten auf Pferderennen unterliegen Glückspiele einer besonders strikten Regulierung.
Marktmacht auf Prognosemärkten muss verhindert werden
Da hier jedoch nicht der Wetterlös wie im Glücksspiel im Vordergrund stehen soll, sondern eine effiziente kollektive Informationsverarbeitung, die durch eine Begrenzung der Einsätze der einzelnen Teilnehmer erreicht werden sollte, könnte das Prinzip der Weisheit der Masse wirksam werden. Ob das in der Praxis erfolgreich ist, bleibt allerdings abzuwarten.
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Steinmeier als Kanzlerkandidat
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