Tausende Reggae-Begeisterte feierten trotz “Land unter” ausgelassen beim 10. Reggae in Wulf
Die zwei rot blinkenden Sturmsignale von wetter.de befanden sich vergangenen Freitagabend genau über Augsburg: Während Camper und Standbesitzer mit den Sturmböen um ihre Zelte rangen, tanzten hunderte begeisterte Besucher klatschnass im knöcheltiefen Schlamm zum fetzigen Sound von Ganjaman und Co.
Der Berliner Reggaekünstler eröffnete nach den Lokal Heroes dub á la pub aus Augsburg das diesjährige Reggae in Wulf in Wulfertshausen. Zusammen mit der House of Riddim Band schrie er seine anklagenden Texte voller Überzeugung dem Gewitter entgegen, das sich über dem bayerischen Dörfchen austobte: “Wenn du denkst, das ist das Ende, das ist erst der Anfang.”
Und so war es auch, denn nachdem er schlamm- und regendurchnässt in den trockenen Backstage geflohen war, fegten Regen und Sturmböen über das Gelände, rissen Zelte um und verwandelten die einst saftig grüne Wiese in eine braune Schlammwüste. Doch das Unwetter tat der Laune der friedlichen Besucher keinen Abbruch, waren sie doch gewappnet: Mit Gummistiefeln, Plastiktüten und Regencapes sagten die aus ihren Zeltburgen kriechenden Reggae-Hungrigen dem Sturm den Kampf an. Der bewegende Auftritt des jamaikanischen Gospel-Sängers Lieutenant Stitchie und das Sound Salute Soundsystem entschädigte sie für die Launen des Wettergottes.
Das Jubiläumsfestival, das alljährlich im Rahmen des Jahresfestes des SV Wulfertshausen stattfindet, war noch besser besucht als in den Vorjahren, die verlässliche Organisation der “Wulfis” sorgte für einigermaßen trockene Füße, das gut zusammengestellte hochkarätige Lineup mit insgesamt sieben Acts lockte auch die Regenscheusten in den Schlamm vor die Bühne.
Feuer unter dem Hintern
Im Dauerregen machten es sich am Samstag die Familien mit ihren Kindern in den Zelten gemütlich, Grillgeruch und Kindergeschrei wehten über den Campingplatz. Man schlenderte durch den Basar oder aß leckeren Rasta-Reis am Stand der Da Sandwichmaker, während man dem Abend entgegenfieberte.
Um sechs Uhr startete die neunköpfige Combo I-Fire aus Hamburg dann voll durch und machte ihrem Namen alle Ehre und den Leuten Feuer unter dem Hintern. Mit einem Haufen neuer Songs im Gepäck sorgten die drei Sänger Raw, Free und Dub-ill-You mit ihrem rootigen HipHop-Sound für ausgelassene Feierlaune. Die setzte sich auch bei dem deutschen Künstler Wally Warning fort, der spätestens seit seinem Sommerhit “No Monkey” vielen ein Begriff ist. Sein Auftritt voller ansteckender Lebensfreude und Leidenschaft lud mit Samba und schönen melancholischen Liedern zum Tanzen ein.
Friedlich, nass – aber wunderschön
Und schließlich erhob sich Jubel auf dem Gelände, zum Auftritt von Mono und Nikitaman riss der Himmel auf, die letzten Sonnenstrahlen kitzelten die Besucher zur Belohnung im Gesicht. Nach der energiegeladenen Show des Dancehall-Duos feierte die erschöpfte Menge mit Freddie McGregor schließlich das Ende eines friedlichen, nassen und wunderschönen Festivals.
Und solange das Team der “Wulfis” seinen Optimismus nicht verliert, wird noch viele Jahre im Regen getanzt. So scherzte Christian Lechner vom Organisationsteam : “Wir könnten uns zukünftig auch in Regen in Wulf umbenennen!”
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