Ben Bernanke sollte vor dem US-Kongress die Exit-Strategie für seine exzessiv expansive Geldpolitik erläutern. Daraus wurde nichts. Er flüchtete sich ins Allgemeine. So erklärte er: Die Federal Reserve sei bereit und habe die Mittel, die im Kampf gegen Finanzkrise und Rezession ergriffenen beispiellosen Maßnahmen “reibungslos und zeitig” zurückzufahren.
Mithin reduziert sich das Ergebnis der Veranstaltung auf die Erklärung à la George Bush senior: “Read my lips, no higher taxes.” Damit versuchte er die Befürchtungen der Öffentlichkeit im Wahlkampf zu beruhigen.
Zinsen sollen über längeren Zeitraum niedrig bleiben
Geldpolitisch erklärte Bernanke gleichzeitig erneut, dass die Zinsen der Zentralbank weiterhin auf eine längere unbestimmte Zeit niedrig gehalten werden sollen. Ähnliche Äußerungen sind auch von der Bank of England und der EZB zu hören. Die japanische Zentralbank praktiziert eine solche Politik bereits seit fast einem Jahrzehnt.
Geldmenge und Inflation
Vielleicht sollte man einmal in eine Studie der EZB von Luca Benatti schauen. Sie hat dort die “Long Run Evidence on Money Growth and Inflation”, also den Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Geldmengenwachstum über die letzten rund 150 Jahre in den verschiedenen Ländern, für die Daten verfügbar sind, untersucht. Sie kommt zum Ergebnis, dass insbesondere für die Länder, die besonders lange Zeitreihen veröffentlicht haben – wie die USA und England sowie einige andere europäische Länder – gilt, dass der Anteil der Inflation, die durch das langfristige Geldmengenwachstum erklärt wird, äußerst stabil ist. Die Elastizität, das heißt der Einfluss einer prozentualen Änderung der Zentralbankgeldmenge auf die Inflationsrate, liegt dabei nahe Eins.
Quantitätstheorie und Regimewechsel
Allerdings gibt es zwischenzeitlich Episoden, wo dieser Zusammenhang aufgrund von Schocks bei der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes vorübergehend gestört worden ist. Allerdings waren die Phasen nicht dauerhaft und ein Regimewechsel konnte mit der Herstellung des langfristigen Fundamentalzusammenhangs Phasen hoher Inflation beim Übergang auslösen. Dies ist aber genau die Problematik, vor dem die Weltwirtschaft derzeit steht. Wir leben in einer Ausnahmephase, wo der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation wegen der Finanzmarktkrise fundamental gestört ist. Sobald jedoch diese Phase beendet ist, stellt sich der normale Fundamentalzusammenhang sehr rasch wieder her. Es kommt zu einem raschen Regimewechsel.
Wir machen das!
Um einen Inflationsschub zu verhindern, müssen die Zentralbanken rund um die Welt diese Situation rechtzeitig erkennen und entsprechend rasch und wirkungsvoll gegensteuern. In der Frage, die Bernanke unbeantwortet gelassen hat, verfügt er über ausreichend Wissen und den politischen Willen, dies dann auch zu tun, wenn die Lage es gebietet.
Die Antwort von Bernanke lautet: Read my lips, no higher inflation. Wir werden sehen, was von solchen Äußerungen am Ende zu halten ist.
Leider haben er und die Fed bei der Diagnose der Finanzmarktkrise völlig versagt und geldpolitisch auch nicht rechtzeitig eingegriffen. Aber bekanntlich werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt, oder doch?
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Die Erläuterung des direkten Zusammenhangs zwischen der Aufblähung der Geldmenge und der Entstehung einer Inflation macht erst klar, was von den vielen
offenen und verdeckten Warnungen vor einer drohenden Hyperinflation zu halten ist. Auch Steibrück hat sich so geäußert. Woher will denn Bernanke das Wissen haben, wie er nach Beendigung der Finanz- und Wirtschaftskrise diese Gesetzmäßigkeit aufhebt? Wir müssen damit rechnen, dass die ungeheute Inflation unvermeidbar ist. Stellen wir und doch besser gleich auf ein einfacheres Leben ein – und auf eine Basisdemokratie, die weniger verlogen ist als die heutignSysteme. Das Leben kann auch so ganz schön sein.