Die Bundesbank hat anhand der demographischen Zahlen durchgerechnet: mit dem heutigen Rentensystem können wir uns die zahlenmäßig immer stärker anwachsenden Altersrentner einfach nicht mehr leisten. Die von den klugen Abgeordneten des Bundestages, die sich jetzt wieder zur Wahl stellen, gefundene einfache arithmetische Lösung, eben Menschen nicht schon mit 65, sondern erst ab 67 zu den Rentnern zu zählen, hat die Bundesbanker so überzeugt, dass sie jetzt aller Welt vorgerechnet haben, dass die Rente ab 69 noch viel besser ins Bild passt.
Deutschland stehe wegen des Bevölkerungsschwunds vor großen finanzpolitischen Herausforderungen, warnte die Bundesbank. So sei abzusehen, dass ohne weitere Reformen oder Verhaltensänderungen die Finanzierungsbasis der Staatsfinanzen deutlich schwächer würde und die Kosten für die Rentner unerträglich hoch. Damit diese Schere nicht immer weiter auseinandergeht, kommen meines Erachtens als Alternativen nur noch in Betracht:
- Erhöhung der Steuern. Dass diese wegen der immensen Verschuldung des Staates im Interesse der Großbanken schon bald nach der Bundestagswahl unumgänglich ist, wissen alle Experten – angeblich nur nicht unsere Volksvertreter.
- Verringerung der Staatsausgaben. Davon verstehen unsere Parlamentarier nichts. Sie haben ohnehin vor dahin Geld zu geben, wo die Lobby es braucht.
- Tatsächliche Verringerung der Zahl der älteren Menschen. Das ist vielleicht der einfachste Weg. Umso weniger Nörgler wird es geben. Diese Lösung setzt allerdings die Zusammenarbeit zwischen Pharmaindustrie, Politik und der internationalen “Gesundheitsverwaltung” voraus. Die jetzt von WHO und Pharmafirmen beschlossene umfassende Grippeimpfung im Herbst ist vielleicht der erste große Schritt. Überhaupt: Wenn sich einfach keine großen Seuchen melden, die die Zahl der überflüssigen hungrigen Mäuler reduzieren, müssen die Verantwortlichen eben welche machen!
So ganz konsequent ist die Politik aber wohl (noch) nicht. Ein einmal gewähltes Modell wird immer beibehalten. Sind Änderungen einfach unabweisbar, flickt man am Modell herum. Würde auch die Wirtschaft so vorgehen, führen wir heute immer noch mit dem modifizierten VW-Käfer und einem aufgemotzten Opel Kadett herum.
Die Bundesbank verweist auf neuere Berechnungen für die EU-Länder. In Deutschaland ist bis 2060 mit einer Erhöhung der Ausgaben für die Rentner von fünf Prozent zu rechnen. Die Sozialbeitragssätze von derzeit knapp 40 Prozent müssten auf 50 Prozent klettern. Wie kann man das verantworten, wenn bald die Mehrwertsteuer auf 23 Prozent angehoben wird. Da kann sich jeder ausrechnen, dass sich der biblische Zehnte, den der Bürger dem Staat aus seinem Einkommen überlassen sollte, sehr bald in den Bürgerzehnten umwandeln wird. Und das, wo gerade die Leistungen des Staates, die im originärsten Interesse der Bürger liegen wie Bildung und Kultur immer weiter herunter gefahren werden.
Angesichts der steigenden Lebenserwartung ist nach der Auffassung der Frankfurter Bankoberen die stufenweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre “eine geeignete Maßnahme”. Um dann wörtlich zu erklären: “Wenn das Verhältnis von Ruhestands- und Erwerbsphase näherungsweise konstant gehalten werden soll, wäre (…) bis 2060 eine Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 69 Jahre notwendig.”
Alle Welt schlug daraufhin auf die Bundesbanker ein. Ihr Vorschlag sei das dümmste was diese Republik je gesehen hätte. Am lautesten tönen natürlich die Parteien, die ihre Kandidaten bei der nächsten Wahl durchbekommen wollen. Die Bundesbank hat jetzt dementiert. Sie hat doch gar nichts vorgeschlagen, sondern nur laut gedacht.
Photo Quelle/Copyright: Paul Marx, via pixelio.de
Nochmals: Bundesbank für Rente mit 69 plus x
Zitate aus dem Monatsbericht der Bundesbank vom Juli 2009:
„Zur staatlichen Alterssicherung werden in Deutschland die allgemeine gesetzliche Rentenversicherung und die Beamtenversorgung gezählt. Im Ausgangsjahr 2007 wurden für diese Bereiche 10 1/2% des BIP aufgewendet, und bis 2060 wird im Referenzszenario der AWG ein Anstieg um 2 1/2 Prozentpunkte ausgewiesen.“ (S. 35)
Quelle: Bundesbank
Anmerkung Dr. Wolfgang Lieb:
Meiner Anmerkung von gestern habe ich nichts hinzuzufügen. Die Bundesbank bestätigt meine Aussage, dass es ihr ausschließlich um die Beibehaltung des Beitragssatzes von derzeit 19,9% geht. Und sie ignoriert, dass ein Riesterrentner heute schon 19,9 (paritätisch finanziert) + 4% (arbeitnehmerfinanziert), also 23,9% in die Alterssicherung bezahlt.
Wegen eines befürchteten Anstiegs der Beiträge um 2 ½ % soll also das Rentenalter auf 69 Jahre angehoben werden. Dabei gibt die Bundesbank gar zu, dass die Übertragung des „Nachhaltigkeitsfaktors“ noch nicht einmal berücksichtigt ist.
Schaut man sich einmal die Vergleichsgrafiken mit anderen europäischen Ländern an, so erkennt man, das Deutschland beim Anteil der altersabhängigen Ausgaben im Verhältnis zum BIP (wenn sich so etwas überhaupt über einen so langen Zeitraum schätzen lässt) auch noch 2060 unterhalb des Durchschnitts liegt. (S. 36)
Würde man einmal die Bevölkerung befragen, ob sie lieber bis 69 arbeiten würden oder 2 ½ % mehr Rentenversicherungsbeiträge bezahlen würden, um mit 65 ausscheiden zu können, so wäre das Ergebnis ziemlich eindeutig. Selbst wenn die Steigerung nicht paritätisch finanziert wäre.
Aber auf die Idee, diese Entscheidung den Arbeitnehmern zu überlassen, kommen die Bundesbanker erst gar nicht. Wie sollten sie auch, denn sie selbst müssen eine solche faktische Rentenkürzung durch die Rente mit 69 nicht befürchten. Nehmen wir nur einmal den wegen seiner „Sausen“ zurückgetretenen ehemaligen Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke: Dieser hatte nach seinem erzwungenen Rücktritt von 2004 bis zum Ende seiner ursprünglichen Ende seiner Amtszeit jährlich noch 180.000 Euro bezogen und ein Ruhegehalt von mindestens 15.000 Euro. Mancher wird sich auch noch an die Rüge des Bundesrechnungshofs aus dem Jahre 2003 erinnern, wonach 642 Mitarbeiter bei vollem Gehalt in den Vorruhestand geschickt worden seien. Die Bundesbank dementierte zwar diese Angaben.
Nicht bestreitbar war, dass die jährlichen Verwaltungskosten der Bundesbank bei 1,5 Milliarden Euro lagen, davon eine Milliarde Personalkosten. Das wurde zwar als wenig spektakulär abgetan, aber bei rund 13.000 Mitarbeitern sind das immerhin pro Kopf jährlich 77.000 Euro (inklusive Nebenkosten). Davon lässt sich natürlich locker eine kapitalgedeckte Altersvorsorge abzweigen. Zumal wenn man berücksichtigt, dass 77.000 Euro der Durchschnittswert sind. Was mögen dann erst die Leute an der Spitze verdienen? Welteke erhielt 350.000 Euro pro Jahr.
Dass solche Leute keinerlei Gespür mehr für die Lage eines Durchschnittsarbeitnehmers und für dessen Rentenhöhe haben, ist nur zu gut verständlich, und aus dieser Abgehobenheit resultieren dann solche Vorschläge wie die Rente ab 69.
Zu den Prognosen, dass die Menschen bis 2060 (also in 50 Jahren) immer älter würden, siehe
Die jetzt 50-Jährigen sind kränker als vorhergehende Generationen und Beginnt die Lebenserwartung wieder zu sinken?.
Zum Demographie-Alarmismus siehe dort.
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