Mitunter mag sich einem die Frage stellen, ob dieser Sommer denn nicht schon verregnet genug sei, als dass die Botschafter des inlästigativen Journalismus uns auch noch den Sonntagabend verhageln müssen, indem sie viel Worte um nichtssagende Interviews machen. So begab es sich also, dass Peter Frey – Hauptstadtnervensäge des Unterhaltungssenders der Universität des 3. Lebensalters ZDF – Frank-Walter Steinmeier in seinem Südtiroler Feriendomizil belästigte und dem Kanzlerkandidaten der SPD mit obsoleten Fragen den Nerv und uns die Zeit raubte.
Dabei waren weder harte Führungshandschläge noch bewegliche Konter mit entsprechender Deckung zu sehen. Nein, es war ein harmloses, langweiliges Taktieren zwischen einer atmenden Sprechblase (Frey) und einem insgesamt sympathischen Außenminister, dem der übergroße Schatten eines ehemaligen Schröder-Adjutanten so hartnäckig anhaftet. Dabei konstatiertem ihm alle Einspieler-Statements eine solide Außenpolitik – und ebenso fehlenden Erfolg bei den Frauen. Dies würde ihm sicherlich ein paar Wählerinnenstimmen mehr einbringen, wäre also ganz im Sinne des Altbundeskanzlers und Ex-Steinmeierchef und damit auch Ausdruck konzeptlosen Regierens, wie es Gerhard Schröder vorgelebt hat.
Er ist Politiker im besten Sinne des Wortes.
Ein wenig mehr Raubein, ein bisschen weniger Diplomat: Ja, das wäre wohl ein Steinmeier, der Merkel etwas entgegensetzen, ein Mann, der sich im Zirkus der Banalitäten und im Grabenkampf der scharfen Worthülsen behaupten könnte. Doch Steinmeier wäre nicht Steinmeier, wenn er nicht genau so blass und sachlich wäre, wie er denn nun einmal ist. Er ist Politiker im besten Sinne des Wortes. Er macht seine Arbeit; unspektakulär, gut und nachhaltig. Er ist wohl nicht der geborene Volksbelustiger und Entertainer, genauso wenig, wie es Angela Merkel ist. Insofern ist der Vorwurf der meisten Medienvertreter (die sich doch besser mal die Beine außerhalb des politischen Journalismus vertreten sollten) ein Vorschub für alle jene Westerwelle-, Koch-Mehrin-, Seehofer- und Lafontaine-Typen, die nur deshalb bekannt sind, weil sie keine Zeit damit verschwenden solide Arbeit im Hinterzimmer zu leisten, sondern sich gleich auf den roten Teppich drängen, während sie ihre Büros in die Feierszene und in die Redaktionen der Boulevard-Presse verlegt haben.
Ja, diese Politiker/innen sind wahre Medienhelden, indem sie nämlich vermögen jenes mit Getöse und Blitzlichtgewittern zu überblenden, was andere mit leisen, sachlichen Tönen zeigen: Dass sie nämlich Politik machen im Sinne einer Vollzeitbeschäftigung jenseits der Kamera. Steinmeier gehört insofern ohne Zweifel zu einem Schlag von Politikern, die womöglich ungern auf den großen Bühnen und hinter den Bildschirmen sitzen und stehen, während sie Zeit damit verplempern, dummdreiste Sprüche ins Publikum zu schreien, in der Hoffnung auch noch den letzten Unwilligen zur Urne zu bewegen.
Und doch steht er jetzt in jener Manege, deren Gesetzmäßigkeiten andere leider besser beherrschen. Frey nannte ihn dann auch ganz mutig den ehemals zweiten Mann und letzte Hoffnung der SPD. Er versuchte seinem Interviewopfer Statements über die Ki(e)ller-Koalition und deren Bruch, Kritik an Merkel und gar Bigotterie vorzuwerfen bzw. zu entlocken. Schließlich konnte Steinmeier nicht anders als eben zuzugeben, dass auch die neue Regierung aus einer Koalition bestehen wird und er als Berufspolitiker weiß, dass es ihn Kopf und Kragen kosten würde, ein Ampelbündnis kategorisch auszuschließen. Es würde ihm aber auch Ehrlichkeit attestieren, nur die kann man selbst nicht von Frank-Walter-Steinmeier erwarten – zumindest nicht in dieser Phase des Wahlkampfes.
Die Überbrückung des Sommerlochs
Insofern reiht auch dieses Interview sich nahtlos in die Reihe der vorangegangenen und noch kommenden ein. Es geht eben auch darum ein Sommerloch zu überbrücken in der Hoffnung, dass diese Brücke weniger voraussehbar als der Skywalk – die gläserne Aussichtsplattform über dem Grand Canyon – transparent und dennoch schwer zu durchschauen ist. So beeinträchtigt die Spiegelung des Geländers den ungehinderten Durchblick – das Festhalten wird quasi zum Hindernis. Erst, wenn man loslässt und sich über die Plattform beugt, hat man freie Sicht. Doch wer verzichtet schon gerne auf Netz und doppelten Boden?
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Dieser Beitrag steht unter einer Piratenlizenz und darf frei verwendet werden. Bildnachweis: Eigener Screenshot ZDF-Video. Dieser Beitrag erschien zuerst auf Womblog.de.
Ein Interview mit einem Grinsemeier hätte vollkommen genügt!