Immer noch gibt es einen viel zu achtlosen Umgang mit privaten Daten im Netz und aufgrund mobiler Geräte wie Smartphones neue Gefahren. Durch die nahezu beständige Verbindung mit verschiedensten Angeboten entsteht ein nahezu permanent offenes Fenster zum Privatleben – durch welches neben Kriminellen auch staatliche Behörden zulangen können. Doch einige Meldungen der Woche geben Hoffnung: auf eine Stärkung der User – und auf eine steigende Bewusstheit über die Anfälligkeit für Datendiebstahl und -missbrauch.
Blackberry als Wanze: Hersteller versus Geheimdienst
Wie unter anderem durch FOKUS online berichtet, hat der Netzbetreiber Etisalat mutmaßlich im Auftrag des Geheimdienstes der Vereinigten Arabischen Emirate versucht, eine als Software-Update des Herstellers getarnte Spionage-Software auf die etwa 145.000 Blackberry-Smartphones in den VAE zu übertragen um Kommunikationsinhalte auszuspähen. Der Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) entdeckte den Lauschangriff – und bietet nun eine kostenfreie Schutz-Software zum Download an. Auch wenn in Deutschland andere Bedingungen herrschen mögen, als in den VAE, so zeigt sich doch hier einmal mehr die prinzipielle Angreifbarkeit von Smartphone und Handy-Nutzern durch staatliche oder kriminelle Lauschangriffe. Das ein Mobilfunkhersteller eine Softwareschlacht gegen einen Geheimdienst gewinnt, macht gleichzeitig Mut und lässt die Hoffnung zu, dass auch bei den in der Regel selbst sehr an Daten interessierten Unternehmen kommunikations-ethische Prinzipien zum Schutz der Kunden eingeführt werden. Hypothetisch ist sogar nicht auszuschließen, dass es in Zukunft Marktvorteile bringen könnte, ein weitgehend abhörsicheres Produkt bzw. entsprechende Updates für breite Zielgruppen anzubieten.
Amazon-Panne: Online-Löschung auf Kindle
Ein Beispiel für den Umgang mit Nutzerrechten der ganz anderen Art lieferte dagegen der Online-Händler Amazon: aufgrund von Urheberrechtsstreitigkeiten löschte das Unternehmen vergangene Woche ausgerechnet zwei Bücher von George Orwell („1984“ und „Farm der Tiere“) online von den Kindle-Lesegeräten seiner amerikanischen Kunden – welche die Digitalbücher vorher als Dateneigentum erworben hatten. Die entrüsteten Reaktionen in der anhaltenden Diskussion im Amazon-Forum können als ein Indiz verstanden werden, dass so genannte „Kill-Switches“ (die Möglichkeit, auf Endgeräten oder Software ohne Einverständnis oder auch nur Wissen des Besitzers Daten online zu entfernen) nun langsam aber sicher Toleranzgrenzen markieren.
Die Möglichkeiten wachsen – doch die Verantwortung liegt bei den Nutzern
Erfreulicherweise nehmen die Möglichkeiten, mit den eigenen Daten behutsamer umzugehen deutlich zu. Wissenschaftler der der University of Washington haben beispielsweise einen Prototyp für ein Browser-Plug-In vorgestellt, mit dem der Erhalt von Foreneinträgen zeitlich begrenzt werden kann, auch existieren inzwischen längst zahlreiche Tools, um beispielsweise bei Firefox eine relativ hohe Sicherheit zu garantieren. Auch wenn diese Beispiele flächendeckenden Informationswert haben und sich zudem häufiger Verbraucherschützer in die Diskussion einschalten (wie beispielsweise die Unterlassungsklage des Bundes der Verbraucherzentralen gegen Xing, Facebook und andere Social-Networks wegen unzulässiger Einschränkung von Datenrechtung ihrer Kunden belegt), so sind es doch letztendlich die Verbraucher selbst, die mehr Verantwortung für den Umgang mit ihren Daten und Datennutzungsrechten übernehmen müssen, um eine echte Trendwende herbeizuführen. Hierzu braucht Wissen und eine kritische Haltung gegenüber beliebten Anwendungen und Spielzeugen wie Smartphones, Netbooks und internetfähigen Spielkonsolen. Von diesem Status jedoch scheint insbesondere die deutsche Web-Community noch weit entfernt zu sein.
Bildquelle: pixelio.de (vorspann)
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