Der Floh und der Arbeiter
Zum Arbeiter sprach einst der Floh:
Schau her, wir machen`s einfach so,
Erst stech` ich dich,
Dann juckt es brav,
.
.
So komme ich zu meinem Blut,
Du aber hast einwenig Freude dran,
wenn du dich kratzen darfst.
Klaus Grunenberg
Kritik
Zwischen Fabel und Parabel stehend versucht das Gedicht, (bzw. der Autor) den Finger auf etwas zu legen, das zwar zum Teil ins Tierreich verschoben, jedoch auf ein menschliches Miteinander zielt, ein Miteinander, das aber traurige Tradition hat, wie man weiß.
Ja, man darf sogar sagen, so oder so ähnlich geschieht sie wirklich, die Ausbeutung von Mensch zu Mensch. Und zum Ausgleich gibt es ein kleines Vergnügen, ein etwas, das gerade zum Auskommen reicht, oft nicht einmal das.
Es hat Tradition und sogar die Gewerkschaften müssen sich Vorhaltungen gefallen lassen, mitunter nicht genug aufgepasst zu haben. “Komme ich zu meinem Blut”, heißt es hier und nicht “zu deinem”, was Bände spricht. Der Ausbeuter meint geradezu, es sei sein Blut, das gespendet wird. Welch sündhafte Anmaßung!
Es geschieht Tag für Tag, man ahnt es, immer und immer wieder.
Ed Moercke
Ha, was lese ich da? Habe ich es auch irgendwo und irgendwie schon mal so oder so ähnlich gelesen oder gehört, ist es doch immer wieder erstaunlich, wie Fabeln oder Gleichnisse den Punkt treffen.
Der Autor verzichtet sogar auf eine Schluss-Belehrung (Epimythion), die oftmals zum Verständnis oder zur ethischen Belehrung nachgereicht wird. Nein, hier entscheidet alles die klare Linie der Kurzerzählung und ihr Witz.
Mark Beil-Ritzi
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