Jeder, der bisher die Romane von Erlend Loe gelesen hat, dürfte sich gewünscht haben, dass es eines Tages eine Vertonung der hochklassigen Literatur geben mag. Jetzt ist es soweit. Andreas Fröhlich, einer ganzen Generation von Kassettenkindern als Bob Andrews von den “Drei Fragezeichen” bekannt, geliebt und gemocht war es ein Riesenvergnügen und ein Bedürfnis, die Bücher “Doppler” und “Naiv.Super” zu sprechen. Durch die “lauscherlunge” vertrieben und unter dem Deckblatt “handverlesen” produziert hat jetzt jeder die Möglichkeit nicht nur die Bücher von Erlend Loe zu hören, sondern auch Andreas Fröhlich in seiner wohl besten Sprechrolle zu genießen.
Die Umsetzung ist dem Berliner ohne Zweifel gelungen. Er versteht es wie kaum ein anderer die Sätze so zu formulieren, die Ausdrucksweise so anzupassen, als wäre man im direkten Gespräch mit einer der Hauptfiguren. Diese ist in “Doppler” Andreas Doppler, der beschlossen hat, sein bürgerliches Leben aufzugeben und stattdessen in einem Tippi im Wald zu leben. Dort lebt er mit einem Elchbaby zusammen und bringt eben diesem seine philosophischen Weisheiten bei. Dass die Erklärungen zum größten Teil recht absurd sind, scheint weder ihn noch das Elchbaby zu stören. Ganz im Gegenteil – es ermutigt ihn dazu, seine Weisheiten auch an andere Menschen weiterzugeben. Davon bleibt auch der Hörer nicht verschont. Und dieser hat das Vergnügen, sich eine eigene Meinung darüber zu bilden, wie es um Doppler wirklich steht. Andreas Doppler, der mit der Zeit zu einem wahren Menschenhasser geworden ist, sucht sich so – für den Hörer nicht immer auf amüsante Art – seine eigenen Erklärungen für das recht komische Verhalten der Menschheit. Dass dies mit einem Sturz von seinem Fahrrad im Zusammenhang steht, erklärt vieles, aber eben nicht alles.
Dabei sind es aber auch diese kleinen Gedankenketten, mit denen der selbsternannte Menschenhasser seine Artgenossen durchaus plausibel erklären kann. So plädiert Doppler für eine Tauschhandel zwischen den Menschen, anstatt für alle Sachen zu bezahlen. Befolgt man dann seinem Rat, so wird man sehr misstrauisch von Doppler beobachtet, Ein Ideenklau! Wenn jetzt wieder alle Menschen gleich sind, wo bleibt dann der Einzigartigkeit eines einzelnen?
Ebenso besteht er darauf, lieber Magermilch zu trinken. “Magermilch adelt den Menschen” so der Einsiedler, der einfach nur seine Ruhe von seinen Mitmenschen haben möchte. Dass er sie braucht, weiß er, so zieht es ihm weiterhin zum Einkaufen und zum Tauschen in die Stadt. Auch Besuche bei seiner Frau und seinen Kindern bestätigen ihn immer öfter, den richtigen Entschluss gefasst zu haben. So auch, als er als “Housesitter” auf die Wohnung seiner Frau aufpasst und mit einem Einbrecher – wie selbstverständlich – über das Leben diskutiert, mit ihm trinkt und ihm zum Abschluss auch noch den DVD-Player in die Hand drückt. (Nur so kann er seinen Sohn vom ständigen DVD gucken abbringen!) So einen Menschen wie Doppler muss man dann erst recht lieb haben.
Hat man die CD-Sammlung im Ganzen genossen, könnte man auch zu einem Doppler werden. So gut ist dieser Roman mit der Stimme von Andreas Fröhlich verarbeitet worden.
Herausgekommen ist ein Hörbuch, das einem in großen Ansätzen vergnüglich stimmt, wenn man es hört und nachdenklich macht, wenn man kleine Pausen (die durchaus genommen werden sollten) macht. Und wer schon immer einmal davon geträumt hat, selber auszuwandern, der muss nicht unbedingt in ferne Länder ziehen, der nächste Wald ist bestimmt ganz in ihrer Nähe.
Unter diesen Umständen ist “Doppler” ganz gewiss eine sehr ernstzunehmende Konkurrenz zu Herrn Lehmann von Sven Regener. Dieses Hörbuch ist ein Muss!
Und sie berühren, wenn er über seinen Vater sinniert, den er kaum kannte und sein bisheriges Leben in geradezu klassischer Midlife-Crisis überdenkt. Eines, das zeigt, dass die kleinen Dinge im Leben wichtig sind: Eine Elchkuh erlegen. Im Memoryspiel gegen ihren Sohn gewinnen. Einen Totempfahl, zu Ehren des Vaters, des Elches und des Sohnes errichten. Und vor allem, aus der Zivilisation aussteigen. Doppler ist ein Meister der einfachen Erklärungen. Und erklärt wohl deswegen tiefsinniger als manch anderer. Andreas Fröhlich sei Dank.
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