Neue Anforderungen
Dass für ein ganzheitliches Training im Profisport neben den klassischen körperlichen Anforderungen wie Schnelligkeit und Ausdauer auch der Kopf nicht zu vernachlässigen ist, wurde zwar lange vermutet, aber erst seit der Ära “Klinsmann/Löw” fand dieser Aspekt auch beim DFB und innerhalb der Fußball-Bundesliga zunehmend Beachtung. Anfangs noch skeptisch beäugt und oftmals belächelt, fanden immer mehr Sportpsychologen den Weg in die vielköpfigen Trainerstäbe, um neben dem Körper auch den Geist der Modellathleten zu schulen und in kritischen Situationen in Balance zu halten.
Neuerdings wurde die Facette der Trainingsgestaltung bei vielen Fußballvereinen um eine neue Komponente erweitert: Die Rede ist vom “Gehirnjogging”, das Sudoku für Fußballer, wo vor allem die Denkzentrale auf Vordermann gebracht wird.
Klopp als Vorreiter
Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund, und für innovatives Arbeiten bekannt, ist einer der Vorreiter innerhalb der Bundesliga und hat das Programm bereits in den Trainingsalltag integriert: “Das ist eines der spannendsten Dinge, die ich in den letzten Jahren nun um meinen Job kennengelernt habe. Ich sehe mich immer nach Dingen um, die meine Jungs besser machen. Hier habe ich es gefunden”, schwärmt Kloppo. Im Prinzip geht es darum, durch bestimmte Bewegungsanforderungen das Gehirn der Spieler so zu fördern, dass ihre räumliche Wahrnehmung und koordinativen Abläufe verbessert werden. Öffentlich zu beobachten sind diese Inhalte dabei äußerst selten, die meisten Spieler wollen bei den häufig unfreiwillig komischen anmutenden Bewegungen nicht fotografiert oder gefilmt werden, um nicht wenig später bei den bekannten Videoportalen der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden oder als Schenkelklopfer für TV-Total-Formate zu dienen.
Das Auge spielt mit – körperliche Intelligenz
Eine fußballspezifische Übung geht in etwa folgendermaßen: Ein Spieler muss den Ball mit dem rechten Fuß passen und dabei den linken Arm heben. Dem Körper werden dabei visuelle und koordinative Aufgaben gestellt, das Gehirn stellt durch diese Herausforderungen neue Verbindungen her. Je mehr Vernetzungen, desto höher die Leistungsfähigkeit, so die einfache Rechnung. Dabei kommt vor allem dem Auge eine zentrale Bedeutung bei: Rund 90 Prozent der Handlungen im Sport werden über das Auge gesteuert, im Training jedoch wurde dieses Sinnesorgan lange stiefmütterlich behandelt. Dabei ist das Training der Augenmuskeln essenziell um Spielsituationen in Sekundenschnelle zu erfassen und daraus die spielspezifisch richtige Entscheidung zu treffen. Ein Musterbeispiel für die so genannte “körperliche Intelligenz” ist das legendäre Jahrhunderttor von Maradona bei der WM ’86 gegen England, als der Argentinier im Maximaltempo einen Gegenspieler nach dem anderen wie Slalomstangen stehen ließ und seinen Sololauf unter Bedrängnis auch noch souverän abschließen konnte.
Marc Strasser arbeitet in einer Münchner Sportredaktion und schreibt für betfair.
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