Josef Ackermann macht mal wieder Schlagzeilen. Jetzt wagt er sich aus der Deckung und prognostiziert eine Welle von Kreditausfällen im Bereich der Unternehmen und Haushalte. Die Krise der Realwirtschaft wird zunehmend weitere Opfer fordern. General Motors, Chrysler, Arcandor, Wadan-Werft, Qimonda waren nur ein Anfang auf eine Insolvenzwelle, die uns erst noch im Herbst bevorsteht. Die Finanzindustrie wird sich also weiterhin warm anziehen müssen, da hier eine Fülle von Kreditausfällen auf sie zukommen dürfte. Ackermann hat schon mal vorsorglich eine Milliarde zusätzliche Rückstellungen bei der Deutschen Bank gebildet.
Ein trauriger Herbst steht uns bevor
Eigentlich sind sich die meisten Wirtschaftsexperten einig, dass im Herbst der nächste Härtetest für die Wirtschaft bevorsteht. Zwar hat sich die Wirtschaft von dem Lehmann-Debakel des vergangenen Jahres etwas erholt und die Wirtschaft insbesondere in Nordamerika und Westeuropa ist aus einer Phase des freien Falls in eine Phase der vorübergehenden Stabilisierung auf niedrigem Niveau eingetreten, aber die negativen Effekte der fortdauernden Schrumpfung der Wirtschaft machen sich zunehmend in der Realwirtschaft deutlich bemerkbar.
Die Reserven zahlreicher Unternehmen und Haushalte, die eine kurze Phase des Konjunktureinbruchs überstanden hätten, müssen sich der Realität stellen, die einen deutlichen und raschen Aufschwung in weite Ferne rücken lassen. Zwar haben die Börsen sich aufgrund der exzessiven Liquidität derzeit deutlich erholt, auch der Geldmarkt kehrt zu einer gewissen Stabilität zurück, aber dies reicht bei weitem nicht aus, um der Wirtschaft insgesamt aus ihren Kalamitäten herauszuhelfen. Die green shoots, die Frühlingsträume über einen baldigen Wirtschaftsaufschwung, dürften im Herbstlaub vertrocknen.
Die Kreditklemme wird nicht aufzuhalten sein
Erneut werden zahlreiche Unternehmen und Haushalte in die Illiquidität rutschen. Wer hoch verschuldet ist, wird bei sinkender Bereitschaft der Banken und anderer Finanziers Kredite einzuräumen, an die Grenzen seiner Zahlungsfähigkeit kommen. Der Versuch der Politik durch ein Bündel von Rettungsmaßnahmen hier Abhilfe zu schaffen, muss als weitgehend gescheitert angesehen werden. Außer Milliarden Staatsschulden ist das eigentliche Ziel deutlich verfehlt worden. Die staatlichen Retter haben einige wenige Großbanken vor dem Kollaps gerettet. Mehr nicht.
Die haben sich erneut mit Milliarden Boni-Zahlungen an ihre Manager und Analysten auf Kosten der Steuerzahler bedankt. Es ist eben keineswegs mit einer moralisch-ethischen Wende, die der Papst oder andere geistliche Führer gefordert haben, zu rechnen. Man nimmt was man kriegen kann und Geld stinkt bekanntlich nicht. Das wussten schon die alten Römer.
Insolvenz, steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Nachfrage und Produktionskapazitäten
Wie gesagt wenn Firmen pleitegehen, dann ziehen sie andere mit in den Abgrund, ob nun systemrelevant oder nicht. Zulieferer aber auch Kunden werden von ihren Geschäftspartnern abrupt getrennt. Die Beschäftigten finden sich mir-nichts-dir-nichts auf der Straße und bei der Arbeitsagentur ein, die ihnen aber keine Stellenangebote machen kann.
Was bereits bei den zuvor oben genannten Unternehmen und ihren Standorten geschieht, findet anderswo seine bedrückende Fortsetzung. Wer nichts verdient kann auch nichts kaufen. Die Verdienstausfälle schlagen sich mithin auf die gesamte Nachfrage der Wirtschaft nieder, aus vielen kleinen Katastrophen wird ein breiter Strom. Ob nun systemrelevant oder nicht, die Masse macht’s.
Mit Betriebsschließungen in größerem Umfang sinkt auch die Produktionskapazität der Wirtschaft. So schnell lässt sich ein Unternehmen oder Betrieb nicht wieder reanimieren, wenn er mal vom Markt verschwunden ist. Willige Investoren, die für einige Zeit Verluste gewillt sind zu übernehmen, werden Mangelware sein. Dies dürfte später einen Aufschwung erschweren. Zwar klingt es schön, wenn es in der DDR-Hymne hieß – auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt – aber diese Auferstehung der Weltwirtschaft dürfte nicht von heute auf morgen stattfinden. Ein steiniger Weg liegt selbst nach Erreichen eines Bodens vor uns. Schöne Urlaubstage noch.
@Georg Erber
auch diese Analyse kann man nur als gelungen bezeichnen. Chapeau. Nur leider sind 99,9 unseres Volkes nicht daran interessiert, bzw. sind die Gehirnzellen diese Teils unserer Bevölkerung auf Bohlen, next Top Modell, auf Entertainement etc. nicht aber auf die Wirtschafts- und Finanzanalyseen oder gar politische Details ausgerichtet.
Die ehemalige FDJ-Sekretärin hat doch beim letzten Aufschwung schon behauptet: … das kommt jetzt bei allen an, – endlich, .. endlich wird sie nun mit diesem Satz Recht bekommen.
beste Grüsse aus dem schwarzen Wald
stakeholder