Die US-Geschäftsbanken geben die Zinssenkungen nicht an die Kreditnehmer in angemessener Form weiter. Dies ist die Schlussfolgerung der US-Regierung im Rahmen einer Untersuchung zum US-Häusermarkt.[1]Insbesondere die Bank of America – die wegen Milliarden Bonuszahlungen für ihre Manager des von ihr zuvor übernommenen Instituts Merrill Lynch ins Gerede gekommen war – schneidet besonders schlecht bei der Untersuchung ab. Nur bei vier Prozent der von ihr verwalteten Hypothekendarlehen wurden die Zinsbedingungen gelockert. Aber auch andere US-Hypothekenfinanzierer sind nicht bereit die Zinssenkungen, die ihre Finanzierungskosten drastisch gesenkt haben, an die Hypothekendarlehnsnehmer weiterzugeben.
Zwangsversteigerungen können nicht gestoppt werden
Barack Obama hatte im März als Ziel seiner staatlichen Hilfsprogramme für eine Stabilisierung des Hypothekenmarkt genannt, dass die Regierung bis zu vier Millionen Zwangsversteigerungen aufgrund der Krise am US-Häusermarkt durch staatliche Zinszuschüsse verhindern wolle. Das 75 Mill. US-Dollar schwere Programm findet jedoch wenig Zuspruch bei der US-Geschäftsbanken.
Da ein Teil der Kosten auch von ihnen übernommen werden müsste, üben sie sich in vornehmer Zurückhaltung. Ziel der Staatshilfen sollte es sein, Hypothekendarlehnsnehmern eine monatliche Entlastung ihrer Darlehenszahlungen auf 31 Prozent ihre Monatseinkommens zu ermöglichen. Allerdings wollte die Regierung nur einen Anteil einer Senkung der Darlehenszahlungen von 38 auf 31 Prozent durch staatliche Beihilfen übernehmen. Den Rest, das heißt Belastungen oberhalb von 38 Prozent, sollten die Geschäftsbanken selbst schultern. Leider ist die Bereitschaft der Banken, einen Eigenbeitrag zu leisten, nicht sehr ausgeprägt. Mithin hält die Insolvenzwelle im US-Häusermarkt an. Dabei hat die Pleitewelle auch die hochwertigen Immobilien erreicht. Die Ausfälle bei hochwertigen Immobilien ist im zweiten Quartal 2009 um 13,8 Prozent angestiegen. Auch einige Reiche werden immer ärmer.
Politik scheitert an mangelnder Kooperationsbereitschaft
Die Lektion aus dieser Lage ist, dass die US-Regierung mit ihrer Vorstellung eine systemische Krise würde sämtliche Finanzmarktakteure zu einem kollektiven systemstabilisierenden Handeln zusammenschweißen, den Egoismus der Banken völlig falsch eingeschätzt hat. Den Bankmanagern ist die Systemstabilität völlig egal. Was zählt ist das Geschäft und Geschenke werden dort nicht gemacht. Wichtiger als die Systemrettung zu unterstützen ist es ihnen weiterhin ihre Garantieboni, das heißt risikofreie und nicht leistungsbezogene Boni, einzustreichen. Was macht es schon, wenn die Bonuszahlungen im Jahr 2008 die Gewinne der Banken deutlich überschreiten. Und bei 175 Milliarden US-Dollar Bonuszahlungen sind das alles andere als Peanuts. Die Systemkrise der Finanzbranche zeigt eben auch deutlich, dass es bei den Bankmanagern und Finanzmarktanalysten um eine sehr spezifische Spezies handelt. Es zählt nur der Eigennutz, dass Gemeinwohl ist ihnen schnurz piep egal.
[1] Sebastian Bräuer: Zinssenkungen kommen nicht im US-Hausmarkt an, in: Financial Times Deutschland vom 5. August 2009.
In den USA gab es im ersten Halbjahr 2009 bereits 1,9 Mill. Insolvenznträge wegen Zahlungsausfall bei Immobilien.
http://www.foreclosurepulse.com/blogs/mainblog/archive/2009/07/15/foreclosure-filings-in-the-millions-midway-through-2009.aspx
Dass die Krise am Häusermakrt der USA noch lange nicht vorbei sein dürfte, wurde auch von Robert J. Shiller von der Yale Universität für sehr wahrscheiunlich gehalten.
http://www.bloomberg.com/apps/news?sid=a_YnClfaKdqs&pid=20601109
Umso erstaunlicher sind immer wieder auftauchende Pressemeldungen, dass der US-Häusermarkt sich bereits stabilisiert hätte. Wird hier wieder in Optimismus gemacht?