Die Bank von England flutet weiterhin die Finanzmärkte

Während in anderen Ländern laut über die Notwendigkeit einer Exit-Strategie insbesondere bei den unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen nachgedacht wird, kauft die Bank of England unbeirrt in großem Stil britische Staatsanleihen auf. Zu den 125 Mrd. britischen Pfund sollen demnächst weitere 50 Mrd. hinzukommen. Dies wirft kein gutes Licht auf die Verfassung

bpound.jpgWährend in anderen Ländern laut über die Notwendigkeit einer Exit-Strategie insbesondere bei den unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen nachgedacht wird, kauft die Bank of England unbeirrt in großem Stil britische Staatsanleihen auf. Zu den 125 Mrd. britischen Pfund sollen demnächst weitere 50 Mrd. hinzukommen. Dies wirft kein gutes Licht auf die Verfassung des britischen Finanzmarktes. Offenbar möchte man einer sich abzeichnenden Kreditklemme in London zuvor kommen.

King und Darling Hand in Hand

Mervyn King, der Chef der britischen Zentralbank, und Alistair Darling, der Schatzkanzler, unterstützen damit gemeinsam die massiv sich ausweitende Staatsverschuldung, um eine sich abzeichnende Kreditklemme in Großbritannien abzuwenden. Gleichzeitig ist es das Eingeständnis, dass die privaten Kapitalgeber nicht bereit sind, diese Defizite durch privates Kapital zu finanzieren. Offenbar schätzt der Markt das Risiko zu zu niedrigen Zinssätzen Staatsschuldverschreibungen insbesondere mit langer Laufzeit aufzukaufen hinsichtlich der Rentabilität solcher Finanzanlagen als zu hoch ein. Wie private Nachfrage nach britischen Staatsschuldpapieren fehlt springt daher jetzt die Bank of England erneut ein.

Ratingagenturen stehen vor einem Problem

Die Geld- und Finanzpolitik in Großbritannien stellt damit die Ratingagenturen vor das Problem, ob es nicht zu einer Herabstufung der Bonität Großbritannien kommen sollte. Wenn der Markt zunehmend Zweifel an der Nachhaltigkeit der britischen Finanzpolitik trägt, dann könnte eine solche Herabstufung die Briten teuer zu stehen kommen. Letztendlich wären dann Zinssteigerungen fast unvermeidbar. Nur eine zusätzliche Ausweitung der Aufkäufe der Staatsschuldpapiere durch die Zentralbank könnte dies kurzfristig verhindern. Es entstünde hierdurch jedoch ein Teufelskreis aus wachsender Staatsverschuldung durch die britische Notenpresse und zunehmender Absenkung der Bonität der Staatsschuldverschreibungen. Irgendwo in nicht allzu ferner Zukunft wäre dann die Schuldenfalle perfekt. Großbritannien wäre dann nicht mehr in der Lage durch zusätzliche Staatsausgaben eine reale öffentliche Nachfrage zu generieren. Das Primärdefizit, das heißt das Staatsdefizit abzüglich der Zinskosten für dessen Finanzierung, würde negativ.

Was bedeutet dies für das britische Pfund?

Was passiert, wenn insbesondere die EZB diesen Weg nicht mit beschreitet? Es dürfte zu einer drastischen Abwertung des britischen Pfundes gegenüber dem Euro und denjenigen Währungen kommen, die sich wenig stark in einer Finanzierung der Staatsdefizite durch die Notenpresse engagieren. Mithin sind zunehmende Wechselkursturbulenzen vorgezeichnet. Das Problem für Großbritannien ist dabei, dass ähnlich wie in Island das britische Pfund als Einheit für die globalen Finanzmarktgeschäfte der Londoner City nicht in ausreichendem Umfang von den Marktteilnehmern akzeptiert wird. Dadurch entstehen aber Fremdwährungsrisiken. Jeder Kreditkontrakt oder andere Finanzmarkttransaktion, die in London nicht auf britische Pfund abgeschlossen wird, kann bei der Zahlungsbilanzkrise Großbritanniens durch massive Kapitalflucht in Ausland den de facto Staatsbankrott auslösen. Keine gute Perspektive für die britische Wirtschaft. Wie Willem Buiter, der LSE-Ökonom es schon seit einiger Zeit gefordert hat, wäre ein schnelles Ende des britischen Pfundes und die Einführung des Euro auch in Großbritannien kaum aufzuhalten, um das Vertrauen der Anleger wieder herzustellen. Es könnte ein rüdes Erwachen werden.

Photo Quelle/Copyright: Bashed, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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