die braut
wie ein pferdchen so wild,
der scheitel sichtbar für einige zeit. –
dann fällt der schleier über die stirn
wie gewitter, ihr kinn erzittert als lachen ein wenig bitter.
.
aber die fülle der wärme umfängt wie ein schimmerndes
zelt (über und über wie ameisenfelder emsig sich regen)
die eigene und die fremde welt zu neuer runde. –
am häuslichen herd die flamme den durst
stunde um stunde die zunge ihr nährt.
klaus grunenberg
Kritik
Beobachtungen einer Hochzeit, vielleicht gerade als das Brautpaar die Kirche betritt und der Schleier mal kurz gelüftet wird. Das Brautpaar wird wohl an der Kirchenpforte abgeholt und schreitet zum Altar.
Nur die Braut wird beobachtet, nicht der Bräutigam. Die Braut ist es, die das künftige Leben in sich trägt, eventuell schon jetzt und ihr Kinn erzittert vor innerer Aufgeregtheit, Freude und erwartungsvoller Zukunft, die nun, hoffentlich gemeinsam und lang dauernd angegangen wird. Die Braut ist sich ihrer Sache ganz sicher, es schüttelt sie die innere Sicherheit gleichsam fast gewaltsam wie elektrisierend Eigenes und Fremdes vereinigen sich im Zuspruch der Treue und sie wird neben ihrer angeborenen Tüchtigkeit im Leben auch “den Herd” suchen und sich bewusst auch dort Lust und Zufriedenheit aufbauen.
Ed Moercke
Schönes Gedicht, da möchte man noch einmal jung sein.
Mark Beil-Ritzi
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