China: Han-Chinesen und Uighuren – Vorurteile und Diskriminierung

Seit den Unruhen in Xinjiang am 5. Juli ist inzwischen mehr als ein Monat vergangen, aber die Mehrheit der chinesischen Internet-User wirft nach wie vor dem Westen und Rebiya Kadeer vor, die Separatistenbewegungen in Xinjiang zu unterstützen. Nichtsdestotrotz gibt es einige Stimmen im chinesischen Internet, die die Ursache der Unruhen

Seit den Unruhen in Xinjiang am 5. Juli ist inzwischen mehr als ein Monat vergangen, aber die Mehrheit der chinesischen Internet-User wirft nach wie vor dem Westen und Rebiya Kadeer vor, die Separatistenbewegungen in Xinjiang zu unterstützen. Nichtsdestotrotz gibt es einige Stimmen im chinesischen Internet, die die Ursache der Unruhen in Urumqi auf die lange Unterdrückung zurückführen. Eine davon ist dieser kurze Kommentar im BBS von people.com:

“Wo ständig Unterdrückung herrscht und es keinen Ort gibt, an dem man sich äußern kann, muss es irgendwann zu Gewalt kommen!”

Die ethnische Diskriminierung der Uighuren durch die Han-Chinesen führte schon lange vor den Unruhen im Juli zu Konflikten. Wenn man die Online-Diskussionen im Tianya-Forum durchsucht, findet man viele Geschichten über die Vorurteile der Han-Chinesen gegenüber den Uighuren, wie zum Beispiel die Folgende:

“Ich beginne mit meiner persönlichen Erfahrung. Als ich in Urumqi auf die Universität ging, gab es eine populäre Sendung auf CCTV: ‘Special 6+1′. In einer der Episoden fragte der Moderator jemanden aus Xinjiang (Anm. d. Übers.: viele Han-Chinesen sagen statt Uighuren ‘Leute aus Xinjiang’), was sein größter Wunsch sei. Seine Antwort: einfach ein paar Tage in Beijing in einem Hotel wohnen. Der Moderator war erstaunt und fragte, warum. Der Interviewte sprach über seine Erfahrung in den frühen 1990er Jahren, als er seinen Sohn zwecks besserer ärztlicher Versorgung nach Beijing brachte. Während dieser Reise wurden sie in allen Hotels abgewiesen, einfach nur weil sie aus Xinjiang waren.”

Volkszeitung machte im Jahr 2006 eine ähnliche Erfahrung:

“Am Weihnachtsabend 2006 war ich in Beijing. Obwohl keine Bar am Eingang ein Schild ‘Keine Uighuren’ hängen hatte, wurde ich jedes Mal von den Security-Leute durchsucht.”

Viele Uighuren finden die Missverständnisse und Vorurteile seitens der Han-Chinesen frustrierend. “Ziehende Wolken und fließendes Wasser betrachten” machte im Tianya-Forum seinem Unmut darüber Luft:

“Ich will laut und deutlich sagen, dass ich Uighure bin! … In Xinjiang gibt es Diebe, so wie überall anders auch. Davon kann man aber doch nicht ableiten, dass alle Diebe aus Xinjiang stammen! Angehörige von Minderheiten, die einen Diebstahl begehen, sind natürlich leichter zu identifizieren. Und so werden aus Dieben sehr schnell Uighuren. Ich bin viel durch China gereist und finde, dass Xinjiang wesentlich sicherer als andre Orte ist.”

Sogar die Regierung will ihre Politik ändern und die uighurische Sprache und Kultur besser schützen – eine Maßnahme, die bei vielen Han-Chinesen auf Ablehnung stößt. Ein aktuelles Beispiel ist der Plan der Regierung, die Finanzierung von zweisprachigen Kindergärten in Xinjiang (USD 121 Millionen) zu verdoppeln, was als Bevorzugung angeprangert wird.

Angeber ohne Manuskript” macht diese Politik wütend:

“Auch in anderen Regionen herrscht ein Mangel an Kindergärten – warum tut die Regierung da nichts?”

Shenqike antwortete:

“Schreiende Babies werden gefüttert! In den andren Gegenden schreien die Babys nicht!”

Xwni fügte hinzu:

“Nur schlimme Kinder bekommen Schleckereien!”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Tina Seidenberger, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.

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