Gegen Ende wurde er noch eimal kurz etwas hitzig, zornig, fast ungehalten, als ihm ein User im Chat vorgeworfen hatte, Westerwelle wiederhole nur das, was auch Bush schon zum Thema Afghanistan gesagt habe (“herr westerwelle das hat herrr bush auch gesagt”, Lukas Pollmann). Gerade hatte er darüber referiert, dass die Gegner der westlichen Lebensweise für ihn keine Krieger seien, sondern nur den Namen Terroristen verdient hätten. Nein, so belehrte er, nicht Bush sei es gewesen, sondern Obama. Er solle sich doch bitte noch einmal richtig informieren.
Vielleicht rührte sein Ärger aber auch von einer sichtbar überforderten Moderatorin her, die Mühe hatte ihre Fragen souverän an den Mann zu bringen. Westerwelle beackerte seine drei Themen: den zielgerichteten Einsatz von Bürgergeld, Abschaffung der Wehrpflicht und Atomenergie als Brückentechnologie. Interviewerin Michaela May versäumte keine Gelegenheit, ihm ungeschickt in den Karren zu fahren. Auch die Chat-Teilnehmer sahen dies teilweise so: “warum hat sie ihn nie ausreden lassen und immer reingefaselt?” (Alwin Matzke), “die ‘harten breaks’ nervten” (Lukas Schier).
Michaela May als überforderte Moderatorin
Sicher, es gab auch positive Stimmen, erstaunliche 70 Prozent ließen den Daumen nach oben zeigen. Doch auch inhaltliche Kritik wurde laut: “Wieso hat sich Guido nicht zum Deutschland-Plan geäußert? Warum hat die Moderatorin diese immer wieder auftauchende Frage nicht gestellt?” Hundertfach wurde diese Frage im Chat gefordert – umsonst – die Moderatorin stellte sie nicht. Dabei hatte es bei über einer dreiviertel Stunde zur Verfügung stehender Zeit an Gelegenheit wahrlich nicht gemangelt.
Insgesamt machte Michaela May deutlich, wie wenig die deutschen Journalisten auf Bürgerfernsehen, wie es hier zu sehen war, eingestellt sind. May, die eigentlich eine große Nummer bei N24 ist, wirkte unprofessionell, eitel und anmaßend. Ein User bemerkte treffend: “Also als Moderatorin bzw. Frageweiterleiterin sollte man trotzdem nicht andauernd die Augen verdrehen… Gute Kinderstube vergessen?” (Oliver Frederik Olpen)
Alles in allem bleibt festzuhalten. Westerwelle machte – ob man nun von seinen Antworten begeistert war oder nicht – eine erstaunlich gute Figur. Er scheint in der Welt des Internets mit all seinen Spielarten zuhause. Das hat er unter anderem auf Facebook oder StudiVZ schon unter Beweis gestellt. Sein Gegenüber sollte allerdings noch ein wenig “üben”. Denn ob Jürgen Trittin ihr derartiges Verhalten durchgehen lässt, ist fraglich.
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