Während also die 3. Liga finanziell größtenteils am Krückstock geht und Anlass zur Sorge bereitet, genießt sie in sportlicher Hinsicht, sowohl bei den beteiligten Vereinen als auch den Fans, einen hohen Stellenwert und hat sich bereits in ihrer Premierensaison als Zugpferd etabliert.
Die Zusammenführung der vormaligen Regionalligen zu einer eingleisigen Profiliga ermöglicht erstmals einen bundesdeutschen Vergleich und sorgt für eine spannende und ausgeglichene Liga, in der bereits in der letzten Saison bis zum Schluss fieberhaft um Auf- bzw. Abstieg gekämpft wurde. Als Fortuna Düsseldorf am letzten Spieltag zuhause gegen Werder Bremen II den Aufstieg in die 2. Liga besiegelte, war die LTU-Arena mit 51.500 Zuschauern restlos ausverkauft und sorgte für einen neuen Zuschauerrekord.
Tradition & Talente
Traditionsvereine wie Eintracht Braunschweig, VfL Osnabrück, Dynamo Dresden, Kickers Offenbach, Carl Zeiss Jena, Rot-Weiß Erfurt oder Erzgebirge Aue begrüßen zu ihren Heimspielen regelmäßig über 10.000 Besucher und damit mehr als viele 2. Ligisten. Gerade die große Anzahl an Ost-Teams sorgt darüber hinaus für zahlreiche Derbys mit stimmungsvoller bis hitziger Atmosphäre auf den Rängen. Die Zweitvertretungen der Profiteams dagegen treten oft vor maximal 1.000 Zuschauern an, wovon nicht selten die Hälfte aus Talentscouts aus halb Europa besteht, die in den Nachwuchsteams von Bayern, Bremen, Stuttgart oder Dortmund die kommende Generation an Nationalspielern genau unter die Lupe nehmen.
Die Absteiger tun sich schwer
Nach dem 3. Spieltag der aktuellen Saison lässt sich nur schwerlich eine Prognose ableiten, Tendenzen jedoch sind unverkennbar. So hatten alle Absteiger aus der 2. Liga mit erheblichen Startproblemen zu kämpfen, wird in der 3. Liga doch häufig sehr physisch und körperbetont agiert und naturgemäß nach einem Abstieg ein Großteil des Spielerkaders ausgewechselt. Lediglich der FC Ingolstadt offenbarte nur kleinere Anpassungsschwierigkeiten und dürfte aufgrund der hohen individuellen Qualität innerhalb der Mannschaft schon bald von der Spitze winken. Osnabrück muss schnellstens seine Auswärtslethargie ablegen, um dauerhaft um die ersten drei Plätze mitspielen zu können, Wehen/Wiesbaden macht derzeit nicht den Eindruck, als könnte es ernsthaft um den sofortigen Wiederaufstieg konkurrieren.
Favoriten & Frustrierte
Derzeit wird die Tabelle vom FC Carl Zeiss Jena angeführt, nachdem man am letzten Spieltag die “kleinen Bayern”, die im Übrigen von Mehmet Scholl trainiert werden, mit 6:0 vom Platz gefegt hat. Dennoch traue ich den Thüringern aufgrund fehlender Tiefe im Kader am Ende kein Platz unten den Top-Teams zu, sondern erwarte sie eher im Mittelfeld. Auf Rang drei lauern derzeit die Kickers aus Offenbach, die sich auf eine sehr starke Defensive verlassen können und ein heißer Aufstiegskandidat sind, zumal sie ihre andauernden Probleme in der Offensive langsam ablegen. Einen stark verbesserten Eindruck zur Vorsaison hinterlässt derzeit Eintracht Braunschweig, das sich auf unglaubliche Unterstützung bei Heimspielen verlassen kann und so ein Geheimfavorit auf einen der vorderen drei Plätze ist. Dynamo Dresden, das ebenfalls vom Aufstieg träumt, bekommt seine Nerven dagegen gerade zu Hause vor den frenetischen Fans nicht in den Griff und wird so mit der Spitze nichts zu tun haben, dazu erschweren ständige Querelen im Vorstand und Umfeld des Traditionsklubs ein sachliches, zielgerichtetes Arbeiten. Um den Abstieg kämpfen werden aller Voraussicht nach Aufsteiger Heidenheim, Traditionsverein Wuppertaler SV, dem die Fans und Mäzen Runge abzuspringen drohen, sowie die klammen Südklubs aus Burghausen – trotz eines vielversprechenden Starts – und Regensburg. Dazu gesellt sich wohl noch der ein oder andere Klub, der niemals damit gerechnet hat, heißeste Kandidaten dafür sind derzeit Rot-Weiß Erfurt und Bayern II., die mit Holger Badstuber und Thomas Müller ihre zwei besten Spieler an die “großen Bayern” abtreten mussten. Aufsteiger Holstein Kiel dagegen, das derzeit die “Rote Laterne” des Schlusslichts trägt, wird sich bald akklimatisieren und in gesicherte Mittelfeldregionen vorrücken. Zu stark ist der finanzielle Rückhalt beim “Hoffenheim des Nordens”, das von zwei finanzkräftigen Besitzern von Einkaufmarktketten unterstützt wird. Im Notfall wird die Schatulle spätestens in der Winterpause noch einmal geöffnet, um die ehrgeizigen Pläne zu realisieren.
Marc Strasser arbeitet in einer Münchner Sportredaktion und schreibt für betfair.
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