Öldorado: Das Kopenhagener Dilemma

Derzeit wird die UN Klimawandel-Konferenz in Kopenhagen, die “Weltklimakonferenz”, vorbereitet. Hier soll zwischen dem 7. und 12. Dezember dieses Jahres ein globales Nachfolge-Abkommen zu Kyoto verhandelt und beschlossen werden. Das Ziel ist die Eindämmung so genannter “Treibhausgas-Emissionen”, insbesondere solcher in Form von Kohlendioxid. Kohlendioxid, das anthropogen vor allem bei der

Derzeit wird die UN Klimawandel-Konferenz in Kopenhagen, die “Weltklimakonferenz”, vorbereitet. Hier soll zwischen dem 7. und 12. Dezember dieses Jahres ein globales Nachfolge-Abkommen zu Kyoto verhandelt und beschlossen werden. Das Ziel ist die Eindämmung so genannter “Treibhausgas-Emissionen”, insbesondere solcher in Form von Kohlendioxid. Kohlendioxid, das anthropogen vor allem bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Erdöl, Kohle und Erdgas entsteht.

Die Begleitmusik zu diesen Vorbereitungen spielt das übliche mediale Gewitter von Berichten über besonders schlechtes Wetter – wahlweise zu heiß oder zu kalt, zu feucht oder zu trocken, zu windig oder zu windstill. Schlechtes Wetter, dessen Ursachen seit einigen Jahren eben nicht mehr der Zufall, das regionale Zusammenwirken von Strömung und Luftdruck oder auch diverse Wettergottheiten sind, sondern das sich allein und ausschließlich auf den Menschen und seine Emissionen zurückführen lässt. Die üblichen Verdächtigen, also schlicht vom Medieninteresse korrumpierte und/oder überforderte Klimaforscher, beeilen sich auch gleich, diese Interpretation mit falschen oder trickreich verfälschten statistischen Daten zu untermauern.

Parallel zu diesem Aspekt der Wirklichkeit hat die Exxon Mobil Corporation ihren Jahresbericht “Öldorado 2009” veröffentlicht. Die mediale Berichterstattung hierüber geht gegen Null. Dabei legt das Dokument auf lediglich zwölf äußerst informativen Seiten dar, warum Kopenhagen, gleich welche Vereinbarung nun herauskommen wird, scheitern muss.

Aber der Reihe nach.

Auf der einen Seite steht eines der wertvollsten, wenn nicht das wertvollste Unternehmen der Welt. Dessen einziger Geschäftszweck die Förderung, Verteilung und Verarbeitung von Erdöl und Erdgas ist. Und das machen die Leute dort erkennbar sehr gut, seit fast 140 Jahren. Man ist stolz auf sich und teilt das der Öffentlichkeit auch deutlich mit. Es handelt sich um einen Konzern mit nahezu 100.000 Mitarbeitern, der gemessen an Kennzahlen wie “Umsatz pro Mitarbeiter” wahrscheinlich der produktivste der Welt ist. Und der daher in einem großen Ausmaß ökonomische Werte erwirtschaftet. Werte, die über die gezahlten Steuern letztendlich der Allgemeinheit zugute kommen. Dabei sind die eigentlichen Unternehmenssteuern der unwichtige Teil. Wie bei jeder Firma sind es die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter, die den Unterschied ausmachen. Durch diese, und durch die Einkommen der Mitarbeiter von Zulieferern und Abnehmern entlang der Wertschöpfungskette, wird nicht nur eine staatliche Verwaltung finanziert, sondern auch Wohlstand verbreitet. Es werden nicht nur Arbeitsplätze geschaffen und gesichert, an denen das Wohlergehen von Familien hängt, sondern es profitieren am Ende auch diejenigen, bei denen diese Familien ihr Geld wieder ausgeben. So ist natürlich jede erfolgreiche Unternehmung eine Wohlstandsquelle, aber für ExxonMobil gilt dies aufgrund seiner Werthaltigkeit und seiner Produktivität in besonderer Weise.

Auf der anderen Seite stehen ein paar tausend Bürokraten, die zumindest in den westlichen Ländern ausnahmslos den jeweiligen Umweltministerien und damit auch der ideologisierten Umweltbewegung unserer Zeit entstammen. Bürokraten aller Ebenen, die nicht eine Quelle, sondern eine Senke der Wertschöpfung bilden. Bürokraten, die nichts produzieren, nichts herstellen, nicht zur Produktivität einer Volkswirtschaft beitragen, sondern das Geld (in Arbeitszeit, Hotelzimmern und bei teuren Essen und Empfängen) verpulvern, das unter anderem bei ExxonMobil erwirtschaftet wurde.

Und, fast hätte ich es vergessen, unter den vielen tausend Bürokraten verlieren sich ein paar Geowissenschaftler, unsere allseits medial präsenten Klimaforscher. Etwa 150 an der Zahl – ExxonMobil allein verfügt über das hundertfache an entsprechend qualifiziertem Personal.

Nun soll in Kopenhagen versucht werden, uns allen, also den gewöhnlichen Konsumenten, das Verbrennen von beispielsweise Erdöl und seinen Derivaten abzugewöhnen. Da werden eine Vielzahl von Maßnahmen diskutiert – und einige auch beschlossen werden – deren Kernziel die Steuerung der Nachfrage nach Erdölprodukten darstellt.

Es ist erschreckend, wie wenig doch all die Bürokraten und die 150 Geowissenschaftler von Marktwirtschaft verstehen. Obwohl sie doch fast alle in einer solchen leben. Ein Markt besteht eben aus Nachfrage und Angebot, beide gehören untrennbar zusammen. Und jedwede nachfrageorientierte Politik kann durch ein entsprechendes Angebot wirkungslos werden.

Und in dieser Hinsicht ist “Öldorado 2009″ eine entscheidende Informationsquelle. Denn der geneigte Leser erfährt, dass auch im Jahr 2008 die weltweiten Ölreserven erneut gestiegen sind. Das Heft umfasst nur eine Rückschau bis 1990, und seitdem steigen die Reserven Jahr für Jahr in absoluten Zahlen stärker, als der Verbrauch. Reserven, das sind bestätigte, mit heutiger Technologie zu heutigen Preisen wirtschaftlich ausbeutbare Vorkommen. Die statische Reichweite dieser Reserven, die so genannte Erdölkonstante, ist dementsprechend ebenfalls seit 1990 gestiegen. Von etwa 42 auf heute 46 Jahre.

Nun ist die statische Reichweite eine rein ökonomische Größe. Sie gibt an, wie lange die bekannten Reserven reichen würden, wenn sich an diesen und am Verbrauch nichts ändern würde. Die gesamte Dynamik unserer Volkswirtschaften, von technischen Innovationen über Änderungen des Energiemixes bis hin zur Erschließungstätigkeit der Ölfirmen bleibt dabei unberücksichtigt. Am Ende ist die Erdölkonstante nur ein Zahlenwert, der das Anlegervertrauen in und den Planungshorizont von börsennotierten Konzernen wie ExxonMobil wiederspiegelt. Hinsichtlich der tatsächlichen Versorgungssicherheit zeigt eine statische Reichweite von 46 Jahren nur, dass die Menschheit noch sehr, sehr lange über genug Öl verfügen wird, um ein ausreichendes Angebot auf den Märkten sicherzustellen.

Denn die Erdölkonstante war noch nie so hoch wie heute.

Sie lag zu Beginn des Ölzeitalters mal bei ungefähr zehn Jahren, hatte sich dann über Jahrzehnte bei etwa 20 Jahren eingependelt und erreichte erst in den 1970ern ein lange unverändertes Plateau von etwa 35 Jahren (deswegen auch “Konstante”). Dieser Spitzenwert fiel mit den ersten großen Sorgen bei den ersten umweltbewegten Mitbürgern zusammen. Und seitdem wird das Ende des Erdölzeitalters mit wachsendem Enthusiasmus immer wieder als zwangsläufig oder notwendig herbeiphantasiert. Und je höher die statische Reichweite, desto höher die Verzweiflung der umweltbewegten Zukunftspessimisten und desto größer deren Hysterie.

Und genau diese wird einen erneuten Höhepunkt in Kopenhagen erreichen. Auch dort wird man wieder ununterbrochen der Weltöffentlichkeit einreden: Wir müssen weg vom Öl. Entweder, weil es nicht mehr lange reicht, oder, weil es die Erde zerstört, oder aus beiden Gesichtspunkten.

ExxonMobil weiß es offensichtlich besser.

Und die Kapitalisten rund um den Erdball wissen es ebenfalls besser. Sieben der zehn größten Unternehmen der Welt sind Ölkonzerne. Auch das ist eine Konstante, an der sich über Jahrzehnte nichts geändert hat. Handel, Nahrung, Maschinen- und Fahrzeugbau, Chemie, Elektrotechnik und Elektronik – aus all diesen Sektoren steigen Unternehmen in der Forbes-Rangliste auf und wieder ab, nur die Ölfirmen bleiben da, wo sie schon immer waren: an der Spitze.

Die Menschheit verfügt über so viel Erdöl, wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. Das ist die Quintessenz aus “Öldorado”. Und solange Erdöl am Markt angeboten wird, solange wird sich ein Preis finden, zu dem es auch verkauft werden kann. Und wer auch immer es kauft, wird es nutzen und damit Emissionen produzieren. Die Menschheit wird also all das viele Erdöl verbrennen. Vielleicht nicht restlos, aber auf jeden Fall mehr, als bislang schon verbrannt wurde. Und all das Kohlendioxid wird zwangsläufig die Atmosphäre erreichen, vielleicht schneller, vielleicht langsamer, aber auf jeden Fall mehr, als bislang bereits emittiert wurde.

Und es gibt keine, keine einzige Maßnahme, die in Kopenhagen beschlossen werden könnte, die daran auch nur im geringsten etwas ändern könnte.

Deswegen wird Kopenhagen scheitern. Wie Kyoto schon gescheitert ist. Weil der Markt weit weniger von der Nachfrage lebt, als vom Angebot.

Und das ist, was uns Exxon mit seinen nur zwölf Seiten eben auch mitteilt: “Beschließt doch, was ihr wollt. Es interessiert uns nicht, denn wir wissen es besser.”

Und ich denke, die bei Exxon, die haben Recht.

Und vielleicht wissen das sogar die in Kopenhagen. Zumindest ein paar davon. Das nenne ich ein echtes Dilemma. Man weiß, dass die Konferenz nichts erbringen wird, muss aber trotzdem das Gegenteil behaupten.

Weblinks:

ExxonMobil “Öldorado” (deutsche Fassung): http://www.exxonmobil.de/unternehmen/service/publikationen/downloads/index.html

Klimakonferenz Kopenhagen: http://en.cop15.dk/

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  1. #Dr. Peter Heller: Sie schreiben u.a. folgendes:

    “Und, fast hätte ich es vergessen, unter den vielen tausend Bürokraten verlieren sich ein paar Geowissenschaftler, unsere allseits medial präsenten Klimaforscher. Etwa 150 an der Zahl – ExxonMobil allein verfügt über das hundertfache an entsprechend qualifiziertem Personal.”

    Diese Behauptung ist erklärungsbedürftig: wen meinen sie mit der Gleichsetzung Geowissenschaftler=Klimaforscher? Können Sie Namen nennen?