Christiansen Will

In der ereignisarmen gut geschmierten Meidenlandschaft war das gestern schon ein Großereignis. Die alte geschasste Politik-Talk-Lady Sabine Christiansen kam in einem Privatsender wieder auf den Plan und dazu noch so zeitversetzt, dass jeder Zuschauer erst das Debakel in der ARD ansehen konnte, bis die Altstrategin dann den Schafspelz überzog und

In der ereignisarmen gut geschmierten Meidenlandschaft war das gestern schon ein Großereignis. Die alte geschasste Politik-Talk-Lady Sabine Christiansen kam in einem Privatsender wieder auf den Plan und dazu noch so zeitversetzt, dass jeder Zuschauer erst das Debakel in der ARD ansehen konnte, bis die Altstrategin dann den Schafspelz überzog und nach der Art des gewendeten Michel Friedmann zeigte, dass sie es auch ganz anders als früher konnte.

So nervös und zerfahren Anne Will heute ihre Sendung in der ARD zu beherrschen suchte, so ruhig und unversehrt kam prompt ihre alte Konkurrentin Sabine Christiansen durch ihre erste Politik-Talk-Show in Sat 1.

Christiansens alte Aggressivität war nicht mehr zu sehen, gewiss war die Unterstützung durch den erfahrenen Intellektuellen Stefan Aust als Co-Moderator eine Hilfe. Aber sie hat ersichtlich auch gelernt. Bei ihr kamen alle Gäste voll zum Wort und der Inhalt der unterschiedlichen Meinungen wurde nicht von ihr dominiert, sondern vom gelackten jungen CDU- Wirtschaftsminister von Guttemberg und dem alten SPD Superminister Oskar Lafontaine, Freund-Feind von Altkanzler Schröder und jetzt zusammen mit Gregor Gysi von der alten PDS/SED Vorsitzender der Partei “Die Linken.”

Von Guttemberg zeigte neben dem von allen Anwesenden geteilten  Unverständnis für die Verplemperung von Steuergeldern für erfolglose Unternehmen einige sehr unionstypische menschenverachtende Grundeinstellellungen, gegen die sich Lafontaine weitgehden deutlich  absetzte. Die Diskussion darüber, dass Leistung belohnt werden müsste, ging dadurch voll an Lafontaine. Er meinte, dass die bezahlten Manager der Großunternehmen nicht endlos viel mehr verdienen dürften als ihre Mitarbeiter. Von Guttenberg meinte dagegen, dass da jeder Eingriff bei den Beziehern von Ultraeinkommen, direkt oder über die Steuern, für das Gedeihen der Volkseinkommens aber sehr schädlich wäre. Das wären doch die eigentlichen Leistungsträger! Es kam aber weit toller: ein genereller Mindestlohn für alle ist für ihn unvorstellbar, denn sonst kriegten doch die, die sich morgens verschliefen und erst um 11.00 Uhr zur Arbeit meldeten “und den Kollegen eine lange Nase machten” (O-Ton von Guttenberg), dasselbe Geld wie die, die pünklich sind und gut arbeiten. Da zeigt er doch, dass er doch so denkt wie er aussieht! Leider kriegte er vom altgedienten Arbeitervertreter Lafontaine noch ein wenig Rückendeckung weil der meinte, es wäre auch sein Grundsatz, dass niemand verdienen solle, der nicht arbeitete. Das sei eine Frage der Gerechtigkeit.

Wann endlich guckt die Linke mal über den Tellerrand und erkennt, dass die Welt von heute nicht mehr genügend Arbeit hat und die Existenz der Einzelnen und das Wohl der Allgmeinheit nicht mehr am Verkauf der Arbeit an das Kapital hängen können?

So endete die Sendung des Sat 1 mit einem Ergebnis, das den Beherschern des Senders aber gewiss nicht gefallen haben kann.

Bestimmt werden sie jetzt Druck auf die plötzlich so moderate Sabine Christiansen ausüben, dass sie das alles nächstens wieder wie früher im Sinne ihrer Auftraggeber hinbiegen soll. Wahrlich ein Teufelskreis!

Ein Teufelskreis, in den Anne Will, die ja jetzt mit der Will GmbH, die die Sendung für die ARD herstellt, gut verdient, fest eingefangen ist.

Will hatte sich getraut, neben Verteidigungsminister Jung genau den Journalisten einzuladen, dem dessen Behörde zuletzt den Eintritt nach Afghanisten verwehrt hatte: den erfahrensten Auslandslournalisten  und unbestechlichen Peter Scholl-Latour, recht alt, aber immer noch exzellent und gerade am Tage hoch motiviert. Ihre Wahl hatte ferner den ein wenig rigiden Politikwissenschaftler Wolfsohn von der Bundeswehrhochschule in München getroffen, durchaus ein respektabler Mann, der sogar “seinem” schwachen Minister hier und da einmal vorsichtig widersprach. Dann war da noch eine hoch motivierte Fimregisseurin, Sprachmittlerin für Afghanisch und Deutsch, deren Namen ich nicht mitbekommen habe. Und schließlich war da der Jurist Dr. Gregor Gysi, Vorstandskollege von Lafontaine bei den Linken, sprachgewaltig und klug und ohnehin nicht leicht zu deckeln aber gestern abend besonders gut aufgelegt.

Was für eine Konstellation!

Um es gleich zu sagen: Anne Will hat erbärmlich versagt, ihren vom Sender erteilten Auftrag und einen ordentlichen Ablauf der Sendung hinzukriegen. Dass sie damit überfordert ist, gegen ihr besseres Wissen zu agieren, hat sie schon sehr früh gezeigt. Sie ist doch nur noch auf dem Sendeplan, weil sie sich gefügt hat. Was war sie doch als Moderatorin von Nachrichtensendungen mit ein wenig kritischem Durchblick für eine nette Erscheinung gewesen! Aber das System kriegt sie am Ende alle. Können wir Zuschauer es ändern?

Will hatte noch zwei Soldaten eingeladen und mit ihnen viel Sendezeit verschenkt, ebenso wie mit ihren diversen vorbereiteten Filmchen. Keiner der Anwesenden wollte etwas gegen die Tapferkeitsmedaille für den Einsatz eines der beiden Soldaten sagen. Denn der Einsatz war doch auch großartig. Nur der Ort und die Gelegenheit nicht, ebenso nicht dieTatsache, dass wir überhaupt wieder sinnlos und gegen das Völkerrecht Krieg führen und die Soldaten der Bundeswehr mit Prämien anlocken, am fernen Hindukusch in einem aussichtslosen  Angriffskrieg ihr Leben zu riskieren. Bezeichnend dass die beiden geladenen Soldaten erklärten, geschütze Panzerfahrzeuge hätten sie ja doch in Kundus. Aber die Unterstützer des Bundewehreinsatzes fordern volle Untersützung durch Luftwaffe und Artillerie. Zu Recht wurde erwähnt, dass schweres Gerät nicht gestellt wurde, damit es nicht nach Krieg aussieht. Die Bundesregierung kann sich doch ausmalen, wie sie und der Bunderstag bei einer Überprüfung duch das vor dem Bundeverfassungsgericht aussehen, wenn ihre Erklärung, nur im Rahmen der Isaf nur den Wiederaufbau zu schützen, durch starke Militäraktionen widerlegt sind. Dafür ist doch der Grüne Trittin bei der Entscheidung über die Aufstockung des Kontingents an Soldaten am Hindukusch vor allen Abgeordneten des Bundestages regelrecht ausgeflippt! Sie sind sich doch alle einig, dass sie den Amerikanern in ihrem “Kampf gegen den Terror” helfen wollen – und wenn das gefallene Soldaten und Opfer unter der Zivilbevölkerung und die Besetzung des Landes sowie die Einsetzung einer Marionettenregierung beinhaltet.

Peinlich in Wills Sendung war, dass ohne sichtbaren Widerspruch im Raum stand, was Scholl-Latour und Gysi erklärten: Nicht die Taliban sind als Piloten geschult worden und sind in die Türme des Welthandelszentrums in New York geflogen, worauf die beiden Türme 1 und 2 ihren Geist aufgaben, sondern junge Leute aus Saudi-Arabien. Zeit war nicht für die Feststellung, dass kein Afghane etwas dafür kann, dass der noch durch WT 6 von WT 1 getrennte 52 Stockerke hohe WT 7  genau so wundersam wie WT 1 und WT 2 einfach lotrecht in sich stürzten. Erwähnt wurde aber die Tatsache, dass die Taliban doch Verbündete der USA und ihrer CIA waren und keine Feinde und dass es aller Politik früher schnurzegal war, ob Mädchen in Afghanistan zur Schule oder überhaupt auf die Straße gehen dürfen oder nicht.

Will ließ nur einen immer voll ausreden, den aber sprachlich scheinbar behinderten Verteidigungsminister Jung, einen Jünger von Roland Koch, dessen Protektion er auch das Amt verdankt. Jedenfalls nicht seiner sprachlichen und geistigen Fähigkeiten wegen! Jung mährte sich endlos aus über den angeblich Nichtkriegsauftrag der Bundeswehr und die großartigen Erfolge der Bundewehr in der Verbesserung von Infrastuktur und Gleichberechtigung in diesem muslimischen Land. Man spürte so richtig sein soziales Engement – aber er ist ja auch nicht Arbeits- und Sozialminister in Deutschland. Dass die Bundewehr in Afghanistan den größen Drogenanbau der Welt beschützt, kommentierte er nur damit, dass das im “deutschn” Norden des Landes aber statistisch ein wenig zurückgegangen sei. Wer wählt eigentlich solche Leute?

Peter Scholl-Latour, dessen Ausführungen ständig von Will nach wenigen Sätzen gewaltsam abgebrochen wurden, kam wenigstens dazu, auf die Besonderheiten des ihm bestens bekannten Landes hinzuweisen, auch darauf, dass in diesem islamischen Land fremde Soldaten nicht toleriert werden. Da widersprach ihm nur die Filmregisseurin. Denn sie verfolgt einen eigenen Plan für Afgahnistan. Nicht nur die Bundeswehr, die ja bleiben und Rückendeckung geben soll, alle deutschen Ministerien sollen aktiv werden und massiv den Umbau Afghanistans betreiben. Das käme sicher auch Karsai zupass. Gysi wies darauf hin, dass wir so etwas in den meisten Teilen der Welt genau so tun – oder besser auch lassen – könnten.

Die Filmregiseurin hatte Jung längst ins Gebetbuch geschrieben, dass all sein Militäreinsatz absolut hilflos ist, wenn nicht sehr bald konkrete massive zivile Hilfe für das Land eintrifft. Bestimmt hat sie Recht. Mit Sodaten können die USA und die dort willigen Staaten unter den von ihnen Abhängigen dem Land nicht zum Frieden verhelfen.

Gysi war die Sympathie für die engagierte Regisseurin anzusehen. Aber realpolitisch gesehen, argumentierte er, können wir Deutsche keine Kriege führen, um westliche Werte und Demokratieverständnis in alle Teile der Welt zu tragen. Gysi erklärte, dass Krieg nie eine Antwort auf Terrorismus sein kann. Das führe zu einer Spirale der Gewalt. Es gäbe nur eine Möglichkeit, die Gewalt anders als mit Gewalt zu beenden. Das sah Wolfsohn anders. Er denkt schon an angeblich notwendige Einsätze in Pakistan. Gysi jedenfalls wies wiederholt darauf hin, dass “Die Linke” für einen Abzug der Bundewehr aus Afghanistan ist. Da aber zeigte Will sich ganz überrascht. Weil da nicht bei jeder Gelegenheit der Schwerpunkt in der Werbung der Linken war, meinte Gysi, sei die Klarstellung sicher ein Grund für viele, die Linke und jedenfalls keine Kriegstreiber mehr zu wählen!

Will ließ Gysi kaum Redezeit und unterbrach ihn nach Belieben, wie es aussah sogar nach Plan. Aber mit einem solchen Profi doch nicht!

Ihre Dreistigkeit führte dazu, dass er ihre ständigen Störungen nicht mehr duldete und einfach weitersprach. Also gab es zwei Veranstaltungen. Beide sprachen zugleich, beide mit erhobenem Ton, sodass der Hörer und Zuschauer eine ganze Weile an zwei Sendungen teilnahm. Die drastische Zäsur kam dann ziemlich spät, als Will noch ein inhaltsloses Filmchen zur Ablenkung einblendete.

Nach dieser Vorstellung kann ich nur wiederholen, was ich schon nach Wills Sündenfall nach ihren ersten hoffnungsfroh stimmenden Sendungen geschrieben habe: Aufhören, Anne Will!

Kommentare

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  1. Was ein schlechter Artikel, der vor Fehlern nur so strotzt. Liest denn da niemand mehr drüber, damit wenigstens die gröbsten Schnitzer schon vorab eliminiert werden? Und so was will Journalist sein. Da gruselts jeden angehenden und gestandenen Berufsvertreter. Ab aufs Altenteil, Herr Ehlers!