Gewonnen hatte den Großen Preis von Belgien eigentlich ein anderer – nämlich Ferrari-Pilot Kimi Raikkönen, der große Sieger aber hieß Giancarlo Fisichella. Und dass obwohl dieser kurz nach dem Rennen noch wenig erfreut war ob der verpassten Siegchance. Der Force India Pilot hatte sensationell den zweiten Platz mit einem eigentlich unterlegenen Auto erreicht und verfluchte doch diese eine Szene. Nach einem Crash in der Startphase, bei dem auch Weltmeister Hamilton und WM-Leader Button beteiligt waren, musste das Safty-Car auf die Strecke geschickt werden. Der zweitplatzierte Raikkönen konnte nach dem Re-Start mit seiner KERS-Power den Italiener überholen und behielt die Führung bis zum Schluss.
Begonnen hatte die Sensation schon einen Tag zuvor, beim samstäglichen Qualifying.
Q1 und Q2 meisterte er souverän und als er wenige Minuten vor Ende der dritten Qualifikationsrunde ganz vorne lag, glaubte noch niemand, dass diese Zeit reichen sollte. Aber weder Barrichello, noch Heidfeld und Kubica konnten die Zeit des Italieners knacken und bescherten Force India die erste Pole-Position in der Formel 1-Geschichte.
Das Team um den indischen Besitzer Vijay Mallya feierte den zweiten Platz trotz Pole-Position wie einen Sieg. Seit 2007 fährt man in der Formel 1 und machte eigentlich nur die letzten beiden Plätze unter sich aus. Bis zum belgischen Rennen hatte Force India noch keinen Zähler auf ihrem Konto, jetzt sind es gleich deren Acht. Dass man jetzt nicht jedes Rennwochenende um die Spitze mitfahren wird, dem ist man sich beim indischen Team bewusst, trotzdem fährt man voller Zuversicht zum nächsten Rennen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza. “Wir wissen, dass unser Auto schnell ist, verdammt schnell sogar”, fügt Teambesitzer Mallya mit einem Augenzwinkern hinzu.
Für Fisichella könnte die Champagnerdusche auf dem Treppchen aber bald vielleicht schon zur Gewohnheit werden.
Seit Tagen wird spekuliert, dass der Italiener das Cockpit vom enttäuschenden Luca Badoer bei Ferrari übernehmen könnte. Bei der Scuderia würden sich seine Siegchancen natürlich erheblich steigern. Einen Wechsel sollte er sich aber gut überlegen, nicht dass er auf Safety-Car-Phasen angewiesen ist, um mit KERS seine alten Kollegen überholen zu können.
Christoph Stadtler arbeitet in einer Münchner Sportredaktion und schreibt für betfair.
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