Readers Edition http://www.buergerinfo09.de



Politik + Internetkultur

China und Taiwan: Der Besuch des Dalai Lama und die Politik

Dienstag, den 1. September 2009 um 13:08 Uhr von Oiwan Lam

Vorgestern kam der Dalai Lama im Zuge seiner von China verurteilten Reise in Taiwan an. Die Reise, um die die Democratic Progressive Party (DPP) bei Präsident Ma Ying-jeou angesucht hatte, ist eine Geste des Unterstützung gegenüber den Opfern des Taifuns Morakot. Der Dalai Lama erklärte am Flughafen: “Ich bin ein Mönch. Man hat mich ersucht, Gebete für den Frieden zu sprechen … Es geht nicht um Politik. Es geht um das Menschliche.”

Obwohl der Dalai Lama sich sehr bemühte, diese Reise als “humanitäre” Reise zu gestalten, und den Verlauf auch dementsprechend plante, lassen die Debatten und Proteste rund um diese Reise darauf schließen, dass es dabei auch um etwas anderes geht.

Taiwanderful veröffentlichte den Terminplan der Reise mit einem Kommentar, in dem er beklagt:

“Dieser Reiseverlauf kann in letzter Sekunde noch abgeändert werden. Es scheint, dass die Regierung mit einer Hand gibt und mit der anderen nimmt. Sie lassen den Dalai Lama hierher kommen, aber sie wollen auch nicht, dass er frei agieren kann.”

Von Anfang an glaubten jene, die gegen die Reise des Dalai Lama sind, dass die Reise als Ganzes eine politische Show ist, die von der DDP gelenkt wird. Zum Beispiel sagte ROCgood von udn.com:

“Das ist eine ganz bewusste Vereinnahmung der Opfer des Taifuns Morakot, mit all ihrem Leiden und Sterben. Dieser politische Trick ist ein schmutziger Angriff auf jene, die ohnehin schon Not leiden. Er will den Nerv der Beziehungen zwischen China und Taiwan treffen und nutzt eine nationale Notlage aus. Sie [die DDP] will mit dieser vorgeblichen Geste des “humanitären Trostes” den Frieden zwischen Taiwan und China zerstören, kritisiert aber gleichzeitig die “politische Logik” der anderen. Das ist unerträglich!”

Lin Pohua, ein Blogger und Kolumnist, nennt drei Hauptargumente gegen den Besuch des Dalai Lama: 1. Der Dalai Lama ist eine politische Figur und sein gesamtes Handeln verfolgt politische Zwecke; 2. die lokalen religiösen Vertreter können den Opfern genauso gut Trost spenden; 3. die DPP funktioniert den Besuch des Dalai Lama in eine Politshow um. Und Lin argumentiert weiter Lin:

“Der Dalai Lama ist ursprünglich ein religiöser Führer. Wenn es heißt, er sei in eine politische Rolle gedrängt worden, dann wegen der Unterdrückung der tibetischen Kultur und Religion durch die KP.

Der Kommentar von Ye Xiaowen [Anm. d. Übers.: Ye ist der Direktor des Staatlichen Büros für Religiöse Angelegenheiten der VR China], dass “jeder Priester beten kann und man niemanden von weit her dazu einladen muss” ist eine Provokation, die einen Konflikt zwischen den religiösen Vertretern Taiwans und dem Dalai Lama herbeiführen will. Er zerstört auch die Beziehung der verschiedenen religiösen Gruppierungen Taiwans untereinander.

Die KP Chinas greift deswegen die DPP an, weil sie ihren Zorn nicht direkt an Ma Ying-jeou auslassen kann, sondern ihn der DPP spüren lassen muss.”

Weichen unterstricht, dass der Dalai Lama Taiwan zwei Mal - 1997 und 2001 - besucht hat. In beiden Fällen hieß Ma Ying-jeou den Dalai Lama herzlich willkommen. Der Blogger sagt voraus, dass Ma Ying-jeou und die Führer der KMT es nicht wagen werden, den Dalai Lama zu treffen, weil Beijing Druck auf sie ausübe.

Cigam sieht im Besuch des Dalai Lama einen politischen Schlagabtausch zwischen DPP, Kuomintang (KMT) und der KP Chinas:

“Die Einladung an den Dalai Lama, Taiwan einen Besuch abzustatten, ist tatsächlich ein schlauer Schachzug gewesen. Erlaubt die KMT den Besuch nicht, wäre das ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Erlaubt sie den Besuch, dann zieht sie sich den Zorn der KP zu!

Die Tatsache, das die KP Chinas die Kuomintang besiegen konnte, zeigte, dass sie ein mächtiger Faktor ist. Einerseits gab sie grünes Licht für die Reise des Dalai Lama, andererseits verurteilte sie das Vorhaben offen: Du kleiner Provinzchef Ma hast gegen meinen Willen gehandelt! Sie schickt sogar einen Lakaien [Anm. d. Übers.: gemeint ist Ye Xiaowen], der sich in Taiwan wichtig macht! Das alles half Ma, dem Provinzchef, seine verdächtig pro-chinesische Haltung zu übertünchen und sich ein Image als verantwortlicher Provinzchef aufzubauen! Und jetzt schaut es langsam so aus, als ob die DPP den Ball der KMT und der chinesischen Regierung zuspielt und ihr die Gelegenheit gibt, sich einen guten Namen zu machen!”

In der VR China darf der Besuch des Dalai Lama in Foren und Blog-Hosting-Webseiten nicht thematisiert werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgt durch Ingrid Fischer-Schreiber, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.

  • diesen Artikel drucken
  • E-Mail This Post/Page
4.3
  • derzeit 4.29 Sterne
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
 
 

Schlagwörter

Share it!

Eine Reaktion zu “China und Taiwan: Der Besuch des Dalai Lama und die Politik”

Kommentare für diesen Artikel als RSS-Feed abonnieren.

  1. Kuaile Long

    am 3. September 2009 um 10:24 Uhr | Link | Kommentar melden

    Eine besondere religöse Figur für ein Gebet einer besonderen Katastrophe ist nichts schlechtes und sollte nicht verteufelt werden.
    Das die KP und die KMT dies verteufeln zeigt nur, dass sie Angst vor anderen Meinungen haben. Jeder Mensch ist so frei selber zu denken und Buddhismus von Nationalstolz trennen zu können.

Einen Kommentar schreiben

Kommentare für diesen Artikel als RSS-Feed abonnieren.

Hinweis: Alle Kommentare werden moderiert und müssen freigeschaltet werden.

Erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Als Kommentator akzeptieren Sie die Teilnahmebedingungen der Readers Edition.